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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IV (1869 / 40)

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ganz entschieden überflügelt hat. Wir würden es daher für eine ganz 
besondere Ehre erkennen, wenn eine Direction uns Gelegenheit geben 
wollte, das nördliche Deutschland mit den kunstindustriellen Erzeugnissen 
Oesterreichs bekannt zu machen." Derartige ehrende Aeusserungen sind 
zugleich ein laut redendes Zeugniss, dass man ein aufmerksames Auge 
auf alles Das hat, was auf kunstindustriellem Gebiete in Oesterreich ge- 
schieht. S0 offcn, wie das Wittenberger Ausstellungscomite, hat selten 
Jemand gesprochen; aber eben diese Offenheit gibt Zeugniss davon, dass 
man weiss, was im Norden Deutschlands fehlt uud dass man auch willens 
it, dem Uebel abzuhelfen. 
Die baieris ohe Regierung hat der Kunstgewerbesehule in Nürnberg 
gegenwärtig eine hervorragende Stellung angewiesen, welche diese Schule 
aus der theilweisen Isolirung herausreisst, in welche sie in früherer Zeit 
Missgunst verwandter Anstalten und das geringe Verständniss der Cen- 
tralregierung in München gebracht haben. In München speciell wird der 
kunstgewerbliche Unterricht geregelt, Baiern ist bemüht, auf dem Gebiete 
der Kunstindustrie in derselben Weise Schritte zu thun, wie dies auf dem 
Gebiete der grossen Kunst bereits geschehen ist. 
In Dresden ist eine gut eingerichtete Privatschule gegründet worden, 
welche die Heranbildung von Kunsthandwerkern zum Ziele hat; sie ist 
zweckmässig organisirt und mit guten Lehrkräften versehen. 
Ein Bericht des Herr-n Dr. Schwabe aus Berlin über das dortige 
Gewerbemuseum gibt uns weiteren Aufschluss über die Thätigkeit in der 
Hauptstadt Norddeutschlands, in Offenbach ist, wie unseren Lesern be- 
reits bekannt, eine Kunstgewerbeschule in's Leben gerufen worden; die 
Preussische Regierung hat einen Jahresbeitrag von 2000 Thalern zur 
Gründung einer kunstgewerblichen Zeichenschule in Köln bewilligt. 
Wir dürfen diese Bewegungen in den deutschen Ländern nicht unter- 
schätzen; sie sind gegenwärtig noch in den ersten Anfangen, allein es 
wird nicht lange dauern, so werden die Früchte davon an den Tag treten. 
Man darf nicht vergessen, dass der Volksunterricht und der höhere Unter- 
richt in Deutschland durchwegs ein besserer ist und dass die historischen 
Traditionen der deutschen Nation auf die Pflege der Kunstindustrie hin- 
weisen. Sehen wir es doch auch in Oesierreich, dass es nur die deutschen 
Stämme der österreichischen Monarchie sind, welche sich mit einigen 
Erfolgen an der kunstindustriellen Bewegung betheiligen. Es kommen 
der deutschen Nation vielfache Eigenschaften zu statten, um sie beson- 
der: zu befähigen, auf diesem Gebiete aufzutreten: die Liebe für Haus 
und Familie, das Verständniss dafür, was solchen Kreisen passt, Fleiss 
und Ausdauer, und das Bestreben nach solider Arbeit sind ganz vorzugs- 
weise geeignet, derzdeutschen Nation einen positiven Erfolg zu prognosti- 
ciren. Sie werden mit ihren Leistungen nicht blos den einheimischen 
Bedarf zu decken, sondern auch den Export auszudehnen im Stande sein.
	        

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