Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IV (1869 / 41)

Die Erwerbungen des k. k. lfüns- und Antikencabinets im Jahre 1868.

Die Fortschritte der archäologischen Wissenschaft und der veränderte Standpunkt

derselben bedingen auch eine Erweiterung des Kreises der Denkmäler, welchen archäologische

 Sammlungen zu vertreten haben. Während man noch vor wenigen Jahrzehnten

nusschliesslich die Ueberreste des classischen Alterthurns sammelte und Allem, was nicht

in diesen Rahmen passte, als barbarischen Erzengniss keine weitere Beachtung schenkte,

werden jetzt mit gerechtfertigter Sorgfalt die Zeugen der ältesten heimischen Culturaustände

 gesammelt; da sie die wichtigsten und fast alleinigen Aufschlüsse über die Völker,

 welche in frühester Zeit unser Vaterland bewohnten, über deren Leben und Sitten

gewähren. Man ist aber zu der Erkenntniss gelangt, dass die Alterthumsmusesn die Geschichte

 der Entwicklung des menschlichen Geistes, wie er in Kunst und Handwerk zum

Ausdruck kommt, darzustellen haben, und Eir das allseiüge Studium dieses Entwicklungsganges

 haben oft unscheinbare Fundgegcnstände die grösste Bedeutung. Die ccmparative

Forschungsmethode, die neuester Zeit in der Archäologie angewendet wird, erfordert die

stete Vergleichung der Culturerzeugnisse der verschiedenen Völker, um deren Zusammengehörigkeit,

 den Entwicklungsgang der Civilisation und dessen Gesetze zu erforschen; die

historischen Museen haben daher auf solche selbst von den fernsten Völkern Bedacht

zu nehmen.

Im Verlaufe des verflossenen Jahres war das k. k. Antikencabinet so glücklich,

eine Reihe von Erwerbungen zu machen, welche gerade in dieser Richtung Lücken ausgefüllt

 heben. [n erster Linie steht eine sehr bedeutende, über 300 Stücke umfassende

Sammlung von Waffen und Werkzeugen aus Stein und Bronze, welche Herr Graf Ernst

v. HoyobSprinzenstein dem Cahinet widmete. Sämmtliehe Gegenstände wurden im

Kreise oh dem Manhartsberge gefunden und rühren aus der überaus reichen Sammlung

her, welche Ritter Candid v. Engelshofen durch langjähriges, unermiidliches Sammeln

aller in diesem Bezirke gefundenen Alterthiimer auf dem Schlosse Stockem bei Horn

anlegte. Es sind Steinwerkzeuge von der einfachsten Znrichtung, indem nur an einem

Feldstcin eine Schneide nngeschliden wurde, bis zu sehr vollendeten, mit rafßnirter Technik

ausgeführten Formen. Die kleinen Beile, Meissel, Schaber, Hobel. Hämmer, Schläge] etc.

bezeichnen die einfachen Bedürfnisse eines wohl nur von Jagd und Viehzucht lebenden

Volkes; mit unbegreidicher Kunstfertigkeit sind aber die kleinen Sägen und die höchst

aierlichen, zum Theil an den Schneiden gezähnten Pfeilspitzen aus hartem Feuerstein,

der aus der Gegend von Briinn stammt, gemacht. Zahlreiche Splitter und Abfälle liefern

den Beweis, dass dieselben an den Fundstellen verfertigt wurden. Die diese Gegenstände

begleitenden Thongefdsse, darunter auch Siebe und Lampen, sind roh und grob, Thouund

 Steinperlen dienten als iirmlicher Schmuck. Einen wesentlichen Fortschritt der Gultur

bezeichnen die zum Theil an denselben Orten gefundenen Gerithe und Schmucksachen

aus Bronze, unter denen sich schön geformte Aexte, Beile, Messer, Ringe, Fibeln, Nadeln,

eine Pincette und ein vollständiges Toilettegerlith befinden.

Ebenso lieferten mehrere mit Unterstützung Sr. Excell. des Herrn Oberstkämmerers

Grafen Crenneville vorgenommene Nachgrabungen, die zugleich den Zweck hatten, verschiedeneAnsiedlungspunkte

 zu constatiren, eine Anzahl der ältesten Kuustproducte Oesterreichs.

 In einem bei Pottschach aufgedeckten Urncngrabfelds waren die mit den Unberresten

 der verbrannten Leichen angeüillten gmssen, hauchigen Urnen mit kleineren, oft

sehr zierlichen und reich verzierten Gefdssen umstellt, die den Verstorbenen als Ausstattung

 für das jenseitige Leben mitgegeben wurden; sie gehören unzweifelhaß einem keltischen

 Volksstamrne an. Bei Maiersdorf in der „neuen Welt" gelang es an den Abhängen

der "langen Wand' sogar die Fundamente der runden, aussen mit Thon belegten Hütten

der alten Ansiedler aufzudecken. Die daselbst gefundenen Guriithe und Schmucksachen

der erlesensten Art aus der schönsten Goldbronze dürften aber kaum einheimisches, sondern

 vielmehr durch den Handel importirtes etruskisches Fnhricat sein. Ein dritter Colonisationspunkt

 ist Kettlach. Hier wurden Reihengriiber mit unverbrannten Skeletten aufgegrnbdn,

 deren Bcigaben Geflsse von ganz anderer Veraierungsart als die des benachbarten

 Pottschacher Urnenfeldas, Ersringe, zum Theil emaillirt, Eisengsrlthe (darunter ein

Hufeiscmseltsamer Form) und sehr schöne vielfirbige oder aus blauem Fadenglase verfertigts

 Glasperlen (Millefiori) bildeten. Hier sind spätere, wahrscheinlich germanische

Ansiedler des 5. und 6. Jahrhunderts bestattet. Ans solchen Zeugnissen der ältesten Co-Ionisation

 baut sich allmülig die Älteste Oulturgescbichte des Landes auf.

Unter den verschiedenen, von anderen Fundorten herriihrenden Altertbümern sind

bemerkenswerth: ein Schmuck, bestehend aus langen Gehtingen von flisschenförmigen

Bronseperlen in mehreren Reihen, Finger- und Ohrringen in der beliebten Spiralfcrm, in

der Nihe von Stoekerau gefunden; ein bei Steyer ausgegrabenes schönes Bronzeschwert,

endlich verschiedene Aexte, Keile und Schmucksachen, die bei Görz gefunden wurden,
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.