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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IV (1869 / 44)

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Msureru, die andere von Schlosscm und Mascbinenarbeiterh, Gesellen sowie Lehrlingen

horriihrend, - sind siimrntlich noch sehr primitiver Natur, was übrigens bei den wenigen

wöchentlichen Unterrichtsstunden und ungenügender oder gänzlich fehlender Vorbildung

nicht Wunder nehmen kann.

Wir kommen nun zu den a erstellten Arbeiten der Damenclaase, ln welcher

Elementare und gewerbliches Zeichnen urch den Maler Schsllsr und Modelliren vom

Bildhauer Göritz gelehrt wird. Man beginnt mit Linearzeichnsn In Hefte von Fonnm

und Mustern, die auf dem Dreieck, Viereck und Sechseck, desgleichen auf dem Kreise

beruhen, und gebt dann zu einfachen, architektonischen Gliedvsrzierungen über; ferner zu

Copien nach Ornßmeub, Blumea- und Gyps-Vorlagen; endlich zum Malen nach einfachen

Verzierungen und Mustern für Stickerei, Nähterei etc. Auch finden sich in besonderem

Verscblusse noch einige praktische Verwendungen vor, Erstlingsversuche im Malen auf

Holz, Stolf und Porcellan. Fächer, Tassen, Schalen, Kngenetickerei u. s. f.

Die Modsllirarbeiteu bestehen in Copieu nach Omamenteu, Figuren, und Thiertbeilen,

 und ganzen Figuren und Tbiercn nach Gypsmlief. Bei der Betrachtung derselben

wird es evident, dass deren Anfertiger noch nicht auf der Ausbildungshöhe standen, um

diese diversen Aufgaben genügend lösen zu können, denn Ausführung sowohl wie Verstäudniss

 der Formen lassen viel m wünschen übrig.

Biemit möge dis specielle Betrachtung der ausgestellten Arbeiten geschlossen sein.

Vorträge über chemische Technologie, über Farbenlehre, ferner über Geschichte der

Kunstgewerbe finden wir zwar im Unterricbhplsne des ersten Quartals angezeigt, desgleichen

 auch Projectionsiebm, Perspecüv- und Schattsnconstruction für Bmhandwerker

und Maschinenbauer, aber iu den Pßuen der folgenden Quartale ist davon keine Spur

mehr vorhanden, und werden diese Hilfswissenschaßcu auch vorläufig, mit Ausnahme

einiger Stunden in beschreibender Geometrie, nicht mehr gelehrt, noch ist uns auch

irgend eine Notiz über den Fortgang der erstgenannten Vorträge zu Ohren gekommen.

Glaubts die Leitung der Schule nun dieser Hilfswisseuschaften für kunstgewerhliche Bildung

und selbst fiir Bauhmdwcrku und Masohiusnsrbeiter in der Folge ganz sich entledigen

zu dürfen, so könnte mm nicht umbiu, eine ungenügende Einsicht in die Mittel und Ziele

einer solchen Bildung Seitens der Leitung und des Iehnkörpsrs anzunehmen.

Obschon man nun von dem Ergobniss eines ersten Lshrjsbrss nicht zu viel erwarten

 darf, so wiizsn wir doch - sollte ein Urtheil über dmelhen abgegeben werden -

zu bekennen geuiithigt, dass in Bezug auf die Ausäihrung der vorliegenden Arbeiten nur

eins geringe Anzahl über die Mittelmäßigkeit hinausgehen und noch weniger irgendwie

hervorragende Eigenschaften bekunden Dies ist indess noch das geringere Bedenken;

das grössers liegt in dem Mangel an einem streng progressiven Gange des Unterrichts

und an der unverkennbaren, durchgehenden Tendenz, sogenannte ,schnello

Resultate" zu erzielen; daher man nur auf ein düchtiges „Bekanntwerden mit den

Formen" hissarbeitet, auf richtige, genaue und strenge Auflassung und Durchführung jedoch

keinen Werthrzu legen scheint.

Was das Resultat von einer solchen Anschauung und Betreibung des kunstgewerbliehen

 Unterrichtes sein muss und sein wird, welche Grundlage man für eine spätere

Ausbildung ohne gewissenhafte elementare Studien, ohne hinreichende begleitende

 Unterweisung in den Hilfswissenschahen gewinnen kann, das dürfte eine nicht zu

lange Probezeit lehren; dem Einsichtigeu bleibt darüber kein Zweifel. Lässt sich denn

durch ein oberßäohlixiss-s Nachahmen die Form kennen lernen? Kann man sich ohne ein

förmlichen Studiren der einfacheren Formen zu schwierigeren Aufgaben befähigen; kann

man sich ohnsdem Geschmack aneignen? Ist es möglich, durch irgend welche „D8mpl3

methode" die „Scbuellreife" des Schülers zu fördern? Gewiss nicht. Man mag - wir

wollen das zugeben - den Schüler dadurch eher zu einer gewissen „productiven" Stufe,

zu einem sogenannten "Behelfe" bringen, aber gediegene Resultate für den Endzweck

 - für die Hebung unserer Kuustgevrerbe - können daraus nicht

hervorgehen. Es erinnert uns das an einen Lehrer, von dem uns einst gesagt wurde,

,er wusste den Schülern in kurzer Zeit etwas beizubringen, was nach was aussah, was

etwas hermnchte." Möchten die Unten-ichtssrgebnisse des Verfahrens in Berlin nicht

schließlich denen jenes Lehrers gleichen. Es wäre dies wahrbakig sehr zu bedauern

und es könnte die; jetzt, wo man in Allem mehr als je nach jener Richtung blickt, den

jungen Bestrebungen in Deutschland Eir kunstgcvrsrblichen Unterricht und Hebung der

Xuhitgiswerbs nur zum Schaden gereichen, oder es könnte wohl gar das ganze Unternehmen

 dort ein glsichesßekicksdl mit der Berliner Dsssinateurschuls haben. die im Jahre

1856 errichtet wurde, jedoch schon um 1'864 wieder aufgehoben werden musste.

Das luterssss des Publicums an der Ausstellung erschien uns nach den Beobachtungen

 eines mehrmaligen Besuches derselben leider als sehr gering.

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