nischen Theile der Aufgabe, wo der Entwurf zur Ausführung reif gemacht
wird, zu thun hätte. Den Ausdruck Weberschule erklärt Herr Recken
schuss als unrichtig, da. sie nicht weben, sondern vorrichten lehrt.
Die Aufgabe dieser Fachschule stellt dieser Gewährsmann in folgender
Weise dar: „Sie soll in erster Linie die Theorie der Weberei lehren:
glatte und einfache Steife decomponiren, Armuren, Einzüge, Gallirungen
u. s.w., ähnlich wie solches von der Fachschule in Gumpendorf geschieht.
Sie soll für Lehrlinge und Arbeiter, die sich bilden wollen, dienen.
„Wenn dieser erste Curs genügend durchgemacht ist, so soll ein
zweiter folgen, bestimmt, um Werkfiihrer, Fabriksleiter, hauptsächlich aber
Musterzeichner für die Carta rigata. zu bilden. - Hier muss der Schüler
die Mittel kennen lernen, mit welchen er den von dem entwerfenden
Künstler verlangten Eifect darstellen kann, die Wirkungen mit Schuss
und "Kette, mit Abbindungen, aufgelegter, broschirter, lancirter Arbeit
u. s. w., alle hierzu nöthigen Vorrichtungen und Maschinen, Decomposition
aller schwierigen Stoße, Kenntniss aller Gewebe- und Wirkmaterialien und
der damit zu erreichenden Elfecte.
„Eine so eingerichtete Schule ist nun zwar noch keine Hochschule
der Weberei und umfasst auch nur jenen Theil, welcher fir ohenerwähnte
Personen unerlässlich ist, mit gänzlicher Hinweglassung der mercantilen
Kenntnisse, welche für Fabrikseigenthümer nöthig sind.
„Für diesen zweiten Curs ist nur jene mechanische Zeichnenfertig-
keit erforderlich, welche es dem Schüler möglich macht, die Zeichnung
des projectirten WebestoEes von dem Entwurf (Skizze) mittelst des ge-
wöhnlichen Hilfsmittels des Netzes in vergrösserten Proportionen correct
auf die carta rigaia zu übertragen. Leider hat man bisher bei uns diese
für den technischen Zweck genügende Fertigkeit auch meist schon als
hinreichend Fir den vollendeten Manufacturzeichner betrachtet; der ent-
werfende Künstler und der für die Technik des Webstuhles ausführende
Zeichner, welcher die carta. rigata als Feld seiner Thätigkeit zu betrachten
hat, war sonst immer bei uns ein und dieselbe Person. Nicht so in Frank-
reich, wo es stets verschiedene Persönlichkeiten sind, weil man es als
eine zu grosse Aufgabe betrachtet, künstlerische und technische Vollkom-
menheit in Einer Person zu vereinigen. Dass man bei uns stets beide
Leistungen verquicktc, dass eine Zeit von 1 bis 2 Jahren mit spärlichen
Unterrichtstunden genügend für Manufacturzeichner schien, mag wohl der
Grund sein, dass wir uns nur selten über alltägliche Leistungen und nur
mit Ausnahmen über Nachahmungen erhoben.
„Sollen wir aber im Kunstgewerbe auch im Fache der Weberei die
Concurrenz unserer kräftig vorwärts strebenden Rivalen bestehen können,
so muss ein anderer Weg eingeschlagen werden, und dazu sind uns bei
Errichtung der Kunstgewerbeschule in der Fachschule iiir Zeichnen und
Malen die Möglichkeit und die Mittel gegeben, dem künstlerischen 'l'lmil