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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe V (1870 / 55)

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(Marx, Lassalle, Proudhon und Andere); die Begabung dieser Männer

und ihr siegesgewisser Glaube an sich selbst und an die Zukunft ihrer oppositionellen

 Meinung dürfe ja nicht zu gering angeschlagen werden; denn sie haben

das Zeug, Secten zu stiften und blinden fanatischen Glauben zu erwecken. Die

Arbeiterwelt selbst sei fir solche Ideen nicht blos empfanglicher, als je in einem

früheren Zeitpunkt der Geschichte, sondern habe auch schon eine die Grenzen

der Staaten iiberspringende grossartige Organisation in den Arbeiterverbindnngen

und Gewerkvereinen (trade unions) erlangt, welche in England seit langer Zeit

Hunderttausende umfassen. Der Vortragende warnt, indem er sich auf die Geschichte

 des englischen Arbeiterverbindungswesens bezieht, nachdriickfch vor der

trügerischen Hoffnung, als könne man -- wenn man je vom Stau dpunkte der

Freiheit es dürfte - die Arbeiterbewegung mit etwas Polizei, Staatsanwaltschaft

und Criminalprocess wieder calmiren; eine Bewegung, die in Westeuropa alle von

den herrschenden Classen Anfangs versuchten Fesseln gesprengt, könne auch in

Oesterreich nicht niedergebalten werden mit üusserem Zwang, nachdem in der

hochgradigen industriellen Entwicklung einiger Reichstheile die Voraussetzungen

des Giibrungsprocesses sich gebildet haben; sie könne nur besiegt und versöhnt

werden durch ernste und aufrichtige Bestrebungen socialer Reform. In England

seien auch schon die ländlichen Arbeiten-messen von dem Strom der Bewegung

erfasst werden, überall, wo die Landwirthschaft industriell geworden. Die Industrinlisirung

 der festliiudischen Landwirthscbaft werde früher oder später dieselben

Wirkungen äußern; jene übelrathenden Berather des Grossgrundbesitzes, welche

der Bourgeoisie die Verlegenheiten der industriellen Arbeiterbewegung gönnen,

oder diese gnr schüren möchten, könnten sehr bald in der Lage des Zauberlehr- .

linges dastehen und zu ihren eigenen Herren sagen müssen: Herr, die Noth

ist gress!

Im zweiten Vortrag entwarf der Redner - nach einer kurzen Entwicklung

der BegriEeZ Gut, Werth, Vermögen (insbesondere Capitalvormögen), Wirthschaftlichkeit,

 Wirthschaft und Volkswirthschaft -- einen Ueberblick über die bisher

aufgetauchten „socialen" Systeme, und erörterte einerseits die phantastischen romsnbaften

 Gebilde, welche, wie z. B. des Thomas Morus "Utopie" und auch der

Fourierismus, sämmtlich an Ideen der platonischen Republik und der platonischen

Gesetze anknüpfen, andrerseits die kritischen Lehrsysteme des Socialismus. Insbesondere

 hihrte der Redner Proben von Lassalleä ätzend kritischer Polemik vor.

Sodann wurden in einem dritten Vortrage die einzelnen Richtungen bezeichnet,

 in welche die verschiedenen Zweige der bunten socialen Opposition auseinander

 laufen. Einzelne Richtungen kritisiren blos und klagen, ohne irgend fassbare

positive Reformvorschläge zu machen. Die positiven Schriftsteller des Socialismus,

die allein Beachtung verdienen, geben zwar von demselben Boden der Kritik aus.

Sie sagen ziemlich übereinstimmend: jeder Zeit ist das Leben der Gesellschaft

ein Kampf um die Vertbeilung von Genuss und Arbeit gewesen; eine herrschende

Classe hat immer blos zu geniessen gewusst, indem sie einen Theil der Arbeitsfriichte

 Anderer arbeitslos sich aneignete; das Mittel der Aneignung sei bald despotische

 Herrschaft der Freien über die Sclaven gewesen, wie im Alterthum,

bald feudale Herrschaft über Leibeigene, Zehent- und Bobotpflichtige. Dann seien

mit 1789 izwar die Männer der "Freiheit" gekommen und hätten behauptet,

durch Auflösung aller alten gebundenen Lebensordnungen werde die allgemeiuste

Begliickung Aller im Reiche der Freiheit herbeigeführt werden. Die Folge sei

aber eine ganz andere gewesen. Bei gesetzlicher Freiheit habe sich eine thatsücblicbe

 Knechtschaft des Proletariates unter dem Privatcapital gebildet und die

moderne Geldaristokratie, obwohl hochliheral gefärbt, sei eine Aristokratie schlimmer

 als Geburts- und Priesteraristokratie von ehedem, heuchlerisch, hart, herzlos,
            
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