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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe V (1870 / 56)

Bauernmajolike - insbesonders das Blau - sind besser als die der Gmundener. Die Glasur

des Znsimer Geschirr-es ist braun, gelb und schwarz; die beiden ersten Farben sehr schön.

Die Ornamente werden von den Lehrjungen mit dem Messer ohne alles Vorbild vor der

Glasur eingeschnitzt. Zeichnen können die Arbeiter gsr nicht, verstehen auch eine Zeichnung

 nicht. Das Geschirr ist seinem Materiale nach meist ganz vorzüglich; für Veredlung der

Form und der Zeichnung ist bis jetzt nichts geschehen. '

Die Thonwaarenfahrication in Znaim wird durch die vortrefliche Thonerde in der Umgehung,

 insbesondere die Lagen bei Brenditz (in der nächsten Nähe von Znafm) unterstützt.

Die Thonerde ist fast weiss und wird iiher Veranlassung des Museums chemisch ;untarsucht

 werden. Sie wird üir den Gebrauch mit einer fetteren Erde versetzt, die aus Tief-Maispitz

 und aus Blansko bezogen wird. Die Oefen werden mit Holz und jetzt auch mit

Kohle geheizt. De Znaim bis jetzt keine Eisenbahnverbindnng hatte, so war der Kohlentransport

 schwierig und kostspielig. Nun ändert sich aber die Suche; in der nächsten Zeit

erhält Znaim Schienonwege; die Kohle wird wohlfeiler, auch der Export kann in grösserem

Massstabe betrieben werden. Hie und da werden auch Maschinen angewendet, insbesonders

sind es die Herren Keller, Klammert und Möst, bei denen rationelle Verfabrungsweisen

Eingang linden.

Auf Erhöhung des rationellen Betriebes und auf Veredlung der Form musss in der

nächsten Zeit das Hauptaugenmerk der Znaimer Thonfabrikauten gerichtet werden. Vielfach

sind dieselben von ihren Abnehmern abhängig; der oherösterreicbische Bauer wie der

Ungar, der Wallache verlangen bestimmte Formen. Diesem Wunsche muss entsprochen

werden. Aber neben diesen Abnehmern mit ganz bestimmten Verlangen stehen die Bedürfnisse

 des besseren deutsehen Mittelstandes in ganz Oesterreich; diese driingeu nach

zweckrnässigeu und schönen Formen.

Die plumpe Form des Kruges und des Tepfes mit dem unschönen Henkelansatze,

dem unverhiiltuissmiissig grossen Obertheile etc. passen nicht mehr für die gesteigerten und

berechtigten Anforderungen der Gegenwart. In dieser Beziehung könnten die englischen

Geschirre aus der Fabrik Doulton den Znaimer Thonwaarenfabrikanten ein Vorbild sein.

Diese Geschirre gehen durch ganz England; auch der wohlhabende Engländer liebt diese

Thongeschirre ihrer schönen und zweckmiissigeu Form wegen. Auch Oesterreich bezieht viel

englisches ordindres Thongeschirr fiir den Hausgebrauch, weil die einheimische Produetion

nicht genügt. Znaim muss seinen Ehrgeiz darein setzen, auch diesen Anforderungen zu

entsprechen, mit dem Ausland gleichen Schritt zu halten. Die Znaimer Thonwaarenfabrikanten

 müssen dahin arbeiten, auch auf diesem Felde einmal einen ersten Bang einnehmen

zu können. In dieser Beziehung wird die Ausstellung ihre guten Früchte tragen. Die Veredlung

 der Formen des Geschirrcs fiir den Hausbedarf müssen alle österreichischen Fabrikanten

 in das Auge fassen, wollen sie nicht vom Auslands iiherdügelt oder verdrängt

werden. Sie würden es sich nur selbst zuzuschreiben haben, wenn der letztere Fall eintreten

 sollte.

Die Zneimer Thonfabrication ist eine alte. Sie hat hegreiflicher Weise eine Verwnndtschaft

 mit der eherösterreichischen. Die deutsche Bevölkerung Znaixns ist desselben

hairiseh-schwiibischen Stammes wie die eberösterreichische. Es ist seit jeher mit Ober-Oesterreich

 eine lebhafte Verbindung gewesen; jetzt gestaltet sich diese durch den Eisenhahnverhehr

 und das gesteigerte Volksbewusstsein noch inniger.

Es muss besonders riihniend hervorgehoben werden. dass diese Anstellung auf Kosten

der Gemeindevertretung geschah. Der Eintritt war gratis. Znaim ist nach Leitmeritz die

erste Stadt in Oesterreich, in welcher die Gemeindevertretung eine Ausstellung zur Hebung

des Gewerbestandes veranstaltet hat. Es hsrmonirt dieses Unternehmen mit den lobenswerthen

 Bestrebungen der Stadt zur Förderung des Unterrichtes. Mehr als den vierten Theil

des Gesammteiulrommens wendet die Gemeindevertretung in richtiger Würdigung der Interessen

 der Bewohner Znaims der Schule zu. In der nächsten Zeit erhält Znaim eine

Oberrealschule. Es ist sehr zu wünschen, dass die Lehrer fiir Chemie und Zeichnen Neigung

 und Befähigung haben, den tnnangebenden Bewerben der Stadt - Thonfahrication

und Tischlerei - fördernd zur Seite stehen. Beide Gewerbe sind einer grossen Entwicklung

 ßhig, in erster Linie die Fabrication von Thongeschirren.

Es ist gegründete Aussicht vorhanden, dass diese Ausstellung, wahrscheinlich in erweiterter

 Form, in wenigen Jahren wieder erneuert wird. Das Museum hat einige Thongeschirre

 von Möst, Klammert und Blovak erworben; Herr Möst hat dem Museum Proben

von Thonerde aus der Grube bei Brenditz, in geschlammtem und ungeschlemmtern Zustande,

 und aus der Thonerde bei Tief-Msispitz übersehiekt. Bei der Gesehirrerzengnng

verwendet man i, von Brenditzer Erde mit 1], Tief- Maispitzer; Brenditz liegt 7„ 150!-llaispitz

 Y, Meilen von Znaim entfernt.

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