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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe V (1870 / 56)

Mittelalters und der Friihrenaissance bis in jene Zeit hinein eine Fiihrexrolle gespielt, 
wo der dreissigjährige Krieg hereinbrach. Seit der Zeit dominirt in Deutschland der fran- 
zösische Geschmack und mit ihm die französische Mode oder Unmode. Ein falsch ver- 
stsndener Industrialismus hat in unseren Tagen weiter dazu beigetragen, die Kunstindustrie 
der deutschen Volksstämme auf falsche Bahnen .zu drängen. Mit Recht betont Prof. 
Bäumer die Unselbstständigkeit unserer kunstindustriellen Producte als die Hanptr 
ursache des Verschwindens der deutschen Kunstindustrie aus dem Weltverkehr, Während 
alle möglichen Industriellen Wiirtembergs auf der Pariser Weltausstellung durch Medaillen 
ausgezeichnet worden sind, sind der Kunstindustrie Auszeichnungen in nur allerbeschei- 
denster Zahl angefallen. „Es wäre ein Verhiingniss", sagt Bäumer, „wenn wir uns dem 
bestehenden Gewichte dieser Thstssche entziehen wollten." Wie Liibke, so verlangt auch 
Bäumer das planmässige Hereinziehen der Kunst, der echten und unverfälschten, nicht 
der Afterkunst, in den Kreis des Unterrichtes fiir Kunstgewerbe. 
Wir können nur wünschen, dass die schönen Worte Bäumefs, die er am 6. März 
d. J. am Gebnrtsfeste des Königs Csrl gesprochen, auf günstigen Boden fallen und nicht 
wirkungslos verhallen. Das treßliche Volk der Schwaben hat alle Elemente in sich, um 
auf dem Gebiete der Kunstindustrie in der Zukunft eine ebenso grosse Rolle zu spielen, 
wie es in der Vergangenheit der Fall war. ' 
Wir empfehlen unseren Lesern die Lectiire dieser Broschüre. 
W. Chaifere: Marke und Monogrammes on pultery am] porcelsin Third 
Edition. London, J. Davy k Suns. 1870. (B. K. 2739.) 
Von diesem ebenso vollständigen els praktischen Monograrnmenlexikon für das Ge- 
samxntgebiet der Cersmik ist soeben die 3. Autiage erschienen, welche auf 776 Octavseiten 
2200 Marken und Monogramme enthält. Die erste Audsge erschien 1863. Ein guter 
Index erhöht die Brauchbarkeit des Werkes, auf welches wir noch zurückkommen. 
Mrs. Bury Palllser, a history of lau. Second Edition. London. 1869. (B. K. 2732.) 
Wir haben jüngst die französische Uebersetzung dieses Werkes in unserer Revue 
angezeigt. Die uns eben zugekommene 2. Auflage des englischen Originalwerkes, mit 
Illustrationen reich ausgestattet, zeichnet sich durch eine sehr vollständige Bibliographie 
der Literatur iiber Spitzen und verwandte Kunstzweige aus. 
llcnry Cohen: Gulde de Palnateur de llvres a vignetles du XVIII. siecle. Paris, 
chez Roquette 1870. (B. K, 2738.) 
i. . 
Das vorliegende Werk des bekannten Bibliophilen enthält die Beschreibung von 
450 Werken des XVHI. Jahrhunderts , welche von Boucher, Cochin, Gravelot, Eisen, Mo- 
reau u.A.m. mit Vignetten versehen sind. Es ist iiir den Biicherfreund und den Sammler 
von Omamentstichen gleich lehrreich und sehr enct gearbeitet. 
Kleinere Mittheilungen. 
(Ernennungen und Verleihungen.) Se. k. Hoheit der durchleuch- 
tigste Herr Erzherzog Rainer haben sich in höchstseiner Eigenschaft 
als Protector des k. k. Oesterr. Museums für Kunst und Industrie be- 
wogen gefunden, Se. Excellenz den Herrn Johann Grafen v. Wald- 
stein und den Herrn Altgrafen von Salm-Reifferseheid zu Mit- 
äliedern des Curatoriums dieser Anstalt zu ernennen; ferner den Herren: 
ofrath Karl Ritter v. Seherzer, Legationssecretär Engen Freiherrn 
v. Ransonnet, Architekten und Prof. Josef Horky am Joannenm in 
Graz, Professor Josef Roller an der Oberrealsehule in Brünn und P. 
Augustin Millwisch, Oapituler des Stiftes Admont und Cooperator zu 
Gröbmin in Steiermark, das Ehrenamt eines Correspondenten des k. k. 
Oesterr. useums für Kunst und Industrie gnädigst zu verleihen geruht. 
(Herr Custos J. Falke) ist, dem ehrenvollen Rufe des Königs von 
Schweden folgend, nach Stockholm abgereist, um die Sammlungen des 
Königs zu ordnen und zu katalogisiren.
	        

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