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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe V (1870 / 56)

angefertigt wurden. Sie tragen alsdann eben nur wieder Namen und Titel

desjenigen, der sie anbefohlen hattet").

a) Sind an Stoßen Koransprüche zu lesen, so geben diese noch

keinen stichhältigen Grund datiir ab, jene als muslimische Fabricate zu

erklären. Sie können auch christlichen Ursprunges sein: dann sind

sie entweder imitirt, d. h. muslimischen Vorbildern entlehnt, oder von

selbstständiger Composition. Im letzteren Falle -- wo die sprachliche

Correctheit und die Buchstabenformen der Legenden entscheiden - sind

sie sicher in einem auch von Muhammedanern bewohnten christlichen

Staate (z. B. in Sicilien vom XL-XIII. Jahrhundert) angefertigt worden.

Den besten Beweis für die Richtigkeit dieser letzteren Annahme Enden

wir in der analogen Thatssche, dass in Sicilien die Normannen und

römisch-deutschen Kaiser bis Friedrich I1. (1- 1250), in Salerno die Longobarden,

 in Montpellier ein Bischof und in Akku. und Tripolis die lateinischen

 Fürsten, sei es nun mit Rücksicht für den muhammedanischen

Theil der Bevölkerung oder zur Wahrung materieller Interessen, auch

auf ihre Prägen arabische Inschriften, Koransprüche und das muhammedanische(ilaubensbekenntniss

 setzten  Letztere sogar trotz des angedrohten

 Banniiucbes des Papstes Innocenz IV. (J. ]253)"'"i).

Allen diesen Punkten, sollten sie bei Bestimmung von Stoßen in

Frage kommen, wird aber sehliesslich noch die genaue Beobachtung und

Erkenntniss der Schriftforinen als ein eben so unentbehrliches, wie in

den meisten Fällen unfehlbares Hilfsmittel unterstützend zur Seite stehen

müssen. Eben die arabische Schrift, welche wie keine andere bei ihrer

raschen Verbreitung über drei Weltthcile eine ausserordentliche Blüthe

während der Entwicklung entfaltet hat, bietet uns für die verschiedensten

Linder besondere charakteristische Merkmale zu chronologischen Bestimmungen;

 obgleich nicht geleugnet werden kann, dass die allzu grosse

Mannigfaltigkeit ihrer Formen -- ich habe bereits deren 4000 von den

28 Buchstaben des Alphabets chronologisch zusammengestellt - und die

hinzutretenden Schwierigkeiten der Sprache auch dem erfahrensten Meister

derselben nicht selten jeden Versuch der Entzifferung scheitern machen. -

Unier Festhaltung dieser allgemeinen Gesichtspunkte, welche auch künftig

in den beregten Fällen der Berücksichtigung nicht entzogen werden mögen,

schreite ich sofort zur näheren Bestirmnung unserer Stoffe.

') Beweise für alle diese Fälle üegeu uns bereits vor mit den lnechrihen der prächügen

 Wiener Jhntiliunl- Alhe bei Bock. L c. I], 41, des hier unter Nr. l beschriebenen

Danziger Stoßen und der Gewebeüherreete Nr. 53 und 55 des Kntalogn der ehemaligen

Vßßclfecben Snmmlung, die jetzt zum Theil Eigenthum des k. k. Museums ist. Ersteres

Pui-"piurgeweße (R153) ueigtleider nur mehr ainFmgmerrt seiner ursprünglichen knlischen

Legende: „Ee hat nach seinem Wunsche nnbefdhleln der Emir, der vornehme Herr Nasreß-daule).

 . ." Letzteres (Nr. 55) tilgt ebenfalls nur noch den Nennen „. . Behä-ed-dün). . ."

'") Odoricueßuynaldne, in oont. aunel. Baronii, XJII, 5. 52.
            
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