MAK

Volltext: Das Kaiserlich Königliche Österreichische Museum für Kunst und Industrie, 1864 - 1914

Schöpfung auf alles was die angewandte und vor allem auch die hohe Kunlf betrifft, 
Bedacht nehmen wollte, die natürlichen Grenzen, die heute den Kunlfgewerbemufeen 
gezogen find, nicht gerne gelten lafTen wollte, fo hat er doch, in völliger Überein- 
ftimmung mit Erzherzog Rainer, nie ein Mufeum der fogenannten hohen Kund allein 
fchaffen wollen, fondern feine Augen immer, ohne die wilfenfchaftlichen Aufgaben des 
Inftitutes gering zu Schäden, deren größter Förderer er ja gewefen ilt, auf das praktische 
Ziel der Durchdringung und Beeinflulfung von Induftrie und Handwerk gerichtet und 
von vorneherein ein Öfterreichifches Mufeum für Induftrie und Kunft oder für Kunft 
und Induftrie, als Erziehungsftätte in das Bildungswefen unferes Vaterlandes einfügen 
wollen. Daher haben Eitelberger und feine nächften Mitarbeiter Falke und Bücher, 
wovon noch die Rede fein wird, das größte Gewicht darauf gelegt, nicht nur alte 
Kunft zur Schau zu (feilen und zu fammeln, zu ordnen und wilfenfchaftlich zu bear 
beiten, durch Vorträge, Aufteilungen und Publikationen aller Art, durch die Schaffung 
einer Bibliothek und Vorbilderfammlung der Wiffenfchaft, Forfchung und Lehre einen 
Dienft zu erweifen und eine neue Pflegeftätte zu bereiten, fondern vor allem gleich 
zeitig auch mit den Schaffenden Kräften der Gegenwart Hand in Hand arbeitend, 
eine neue zeitgemäße künftlerifche Kultur aufzubauen und dem Vaterlande hiemit in 
ethifcher, in Sozialpolitischer und nationalökonomifcher Arbeit einen reichen Zuwachs 
an geiftigem und materiellem Wohlftand zu fchaffen. 
Diefes Schwierige Problem zu löfen, wofür kein Vorbild vorhanden war, da die 
englifchen Verhältnilfe nicht einfach auf Öfterreich Anwendung finden konnten und 
durften, war Eitelberger der richtige Mann. Gelehrter und Forfcher, delfen unermüd 
licher geiftiger Arbeit immer neues Wiffen von Gefchichte und Kultur vergangener 
Zeiten zuftrömte, politifch und nationalökonomifch in einem für feine Zeit außer 
ordentlich hohem Maße gefchult, mit feinem Sinne für die ErfafTung des Notwendigen 
und Erreichbaren ausgeftattet, voll lebendigen Verftändniffes für die Sittlichen Mächte 
und für die technischen Grundlagen alles künftlerifchen Schaffens, mit hinreißendem 
Temperament ausgeftattet, Propagandift und Agitator, kühn, rückfichtslos wenn es 
notwendig war, mit allen führenden Persönlichkeiten der Gefellfchaft wie mit dem 
Manne aus dem Volke in Fühlung, dabei Optimift und Patriot, Altöfterreicher vom 
helfen Schlage, vereinigte er alle die disparaten Fähigkeiten in Sich, um ein völlig 
neues Arbeitsfeld mit durchaus neuen und fruchtbaren Gedanken zu pflügen und in 
unverhältnismäßig kurzer Zeit der ftaunenden Mitwelt reiche Ernte feiner unermüd 
lichen, ihn felbft verzehrenden Tätigkeit darzubieten. Er war getragen von der Gnade 
und dem Vertrauen des Kaifers, er hatte in Erzherzog Rainer einen Schüler, Mit 
arbeiter und Freund, der von denfelben Ideen wie er erfüllt, mit derfelben Begeifterung 
für die neue Schöpfung eintrat und wirkte und der gute Geift des Mufeums blieb
	        
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