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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe V (1870 / 59)

um die Wende des XIII. und höchstwahrscheinlich selbst noch bis in die

Hälfte des XV. Jahrhunderts die platten und gesponnenen Goldfaden

gleich den berühmten ägyptischen Stoffen in alle Weltgegenden, selbst zu

den Mogolen, als Waare versendet worden sein. Gibt uns doch davon auch

die Thatsache Zeugniss, dass im Jahre 1323, als die Gesandtschaft des

mogolischen Sultans Abü Sa'id Chän dem Mamlüken-Sultän Näsir-ed-din

Muhammed mannigfache Erzeugnisse der Kunstindustrie ihres Landes als

Geschenke zu Füssen legte, sich darunter nach der Aussage des anwesenden

 Abü-l-feda auch drei mit „ägyptischem Golda" gestickte Sättel

befunden haben.

Ein unerwartetes Licht wirft aber das „ägyptische Gold" der

orientalischen Quellen auf den von den nccidentalischen Schrittstellern

 des spiitern Mittelalters zur Bezeichnung unserer Goldfaden gebrauchten,

 aber bisher noch nicht sicher erklärten Ausdruck: „Aurum

Cfypreum" (cyprisches Gold).

Bock (1. c. I. 50 Anm.) hat desshalb schon scharfsinnig vermuthet,

dass diese Benennung wohl mehr die orientalische Herkunft der Goldfaden,

 als ihre Anfertigung auf der Insel Cypern anzudeuten scheine.

Diese Vermuthung wird sofort zur Gewissheit, wenn man den obigen

Resultaten gegenüber auch noch die politische und commercielle Stellung

Cyperns im XV. Jahrhundert und die geographische Position dieser Insel

sich gegenwärtig hält.

Bekanntlich war Cypern nach der Gefangennehmung des Königs

Janus (1398 - 1432) durch die Mamlüken in die Abhängigkeit von

Aegypten gerathen. Diese war so vollständig, dass die Einkünfte der

Insel für den Unterhalt der beiden heiligen Stätten des Islam, Mekka

und Medina, abgeliefert wurden und König Jacob als steuerpflichtiger

Vasall in Kairo dem Mamlüken-Sultßn den Eid der Treue schwören

musste.

InFolge dieser politischen Verbindung C yperns mit Aegypten

geschah es denn, dass die vielbesuchten gewerbreichen Handelsplätze der

Insel nicht minder als Alexandrien selbst für „die Staffeln des Morgenlandes"

 (Scale di leuante) galten, woher Europa durch Vermittlung

der angesiedelten Genueser und Venetianer Kaufleute die berühmten

ägyptischen Seidenstoife, das Material der Seide zum Sticken, namentlich

aber, wie Bock (I. 209) nachgewiesen, Goldgespinnste und orientalische

Goldfäden in grossen Mengen zu beziehen pflegte. Nach dieser Darlegung

bedarfder Causalnexus des cyprischen „Goldes" mit dem ägyptischen

wohl keines weitem Nachweises ').

') Um ein sehr umheliegendea Analogon anzufihren, haiut der arabische Kaffee

levnutiucher Kaffee, weil er vorxuguweiue über clieHäfen der levantiuchonKiiaten

bezogen wird.
            
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