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Nicht weniger massenhaft, als die Erzeugung der ägyptischen Gold-
faden war auch die der Stoffe in Kairo und Alexan drien. In beiden
Städten befanden sich Stoifmanufacturen; doch war die der letztern
Stadt, als monopolisirtes mamlükisches Krongut, weit berühmter und
grösser denn jene von Kairo. Schon im V11. und VIlI. Jahrhundert galt
Alexandrien als ein hervorragender vielhesuchter Stapelplatz iiir Seiden-
stoEe, und die „panna Alezandrina" fanden im Mittelalter die weiteste
Verbreitung (Bock, I. 29 f.). Auch noch im XIV. Jahrhundert behauptete
Alexandrien diesen Ruf, denn fast immer werden die in den muhamme-
danisehen Quellen jener Zeit besprochenen prächtigen Seidenstoife als aus
der Alexandriner Fabrik kommend bezeichnet.
Diese mit dem Namen Där et-tiräz benannte, dem gleichnamigen
normannischen Institut in Palermo und dem Fmnuxstov (Gynaeceum)
der byzantinischen Kaiser entsprechende, sultänische Stolfmanufactur
verfertigte, wie Abü-l-fedä (Annales, V. 376) zum Jahre 1328 berichtet,
die kostbarsten Gewebe fiir das Eigenthum des Sultans Nasir-ed-din
Muhammed (li-l-chäss eseh-scheüf), wessbalb auch auf unserm, demselben
Blürsten angehörenden Danziger Praehtgewebe der Titel und Name des
Fabriksherrn mit der Besitzformel: „Unserem Herrn dem Sultan
. . . . .. zugehörig" eingeleitet wird. -
Ich gehe nun zu den unter Nr. 2 und_3 beschriebenen gestreiRen
Seidengeweben über.
Die Muslimen hatten von jeher Vorliebe für buntgestreiße Steife.
Dies geht auch schon daraus hervor, dass die arabische Literatur dem
berühmten Grammatiker el-Mubarred (1- 898 n. Chr.) ein eigenes Buch
über gestreifte Zeuge verdankt. Die vorzüglichsten derselben kamen aus
Jemen, dem sogenannten glücklichen Arabien, und ein aus solchem Zeuge
verfertigtes sehr gebräuchliches Oberkleid, ein weiter Mantel (nicht der
Stoß allein, wie bei Bock, I. 19) heisst hibam oder] burd, der Stoß"
mit eingewebten Streifen aber wird rakm (davon das italienische ricämo)
genannt.
Die gestreiften Steife führten indess auch noch andere Namen, welche
sich nach den verschiedenen einzelnen Merkmalen in den Dessins aus-
bildeten und als termini techniei in der arabischen Sprachd einbürgerten 5').
Ein Beispiel dafür haben wir eben auch mit den hier zu besprechenden
Stoffen, die uns zugleich zur Beseitigung eines philologischen Bedenkens
verhelfen.
i') Ein Gleiches gilt auch von den Muaternngen nichtgestreiher Steife. So bezeichnet
beispielsweise gnulhäijnr", d. h. ngevogalt", ein Gewand, welches mit Vogelbildem Egmrirt
ist. Analogien hierzu bieten uns die occideutaliachen StoE- und Gewäudernamen: uala
urica leanuio, Ad] ergewmd, Pfaueugewmd u. s. w. Vergl. Bock, L 11.