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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe V (1870 / 60)

Diese Lichteinwirkung hatte inzwischen aus später zu erläuternden Gründen

noch kein deutlich sichtbares Bild zur Folge.

Allein du; der Lichteindruck stattgefunden hatte, zeigte sich, wenn man nun

weiter die Platte den Dämpfen von Quecksilber exponirte, welches man in 951191"

eisernen Schale erwärmte, während man die Platte darüber hielt, eine Operation,

die natürlich bei Kerzenlicht ausgeführt werden musste.

An allen den Stellen nämlich, die das Licht getroEeu hatte, schlugen sich

unendlich feine, völlig mikroskopische Quecksilbertröpfchen nieder, während die

lichtfraien Stellen auch quecksilberfrei blieben, so dass man nun eine deutliche

in Licht und Schatten kräftige, absolut treue Copie des Objects wahrnahm.

Diesen, auf die Exposition folgenden Process nennt man das Hervorrufen des

Bildes.

Noch war das Bild aber nicht fertig und vor allem konnte es noch nicht

an das Licht gebracht werden, weil es an den, vom Qnecksilherdampf nicht überzogenen

 Stellen noch Jod- oder Bromsilber enthielt, die bei weiterer Lichteinwirkung

 nachgedunkelt haben wiirden.

. Glücklicherweise sind nun alle diese drei Silberpriiparate, das Jod- und Bromsilber

 sowohl wie auch das Chlnrsilber, wenn auch unlöslich im Wasser, doch

löslich in Solutionen von Kochsalz, von Jodcslium, und besonders von unterichwelligsaurem

 Natron.

Die dritte Hauptoperation Daguerre's, auf das beste von ihm ersonnen, bezweckt

 nun diese störend wirkende Jod- oder Bromsilberschiohte mittelst eines

solchen Lösungsmittels zu entfernen oder wegzuwaschen, und er blieb zuletzt bei

dem nnterschwedigsauren Natron stehen, in dessen Lösung er das Bild einfach

nntertauchte. Nach Entfernung der letzten Jodsilberschichte musste nun an den

betreffenden Stellen wieder das blanke Silber blossgelegt werden; von diesem aber,

als einem dunkel spiegelnden Hintergrund, hob sich nun die Quecksilberzeichnung

der lichtgetrotfcnen Stellen vortredlich ab und die Platte gut abgewaschen und

getrocknet trug nun des fertige Bild. '

Das war Daguerreb Verfahren, die Bilder zu fixiren, dem später nur noch

eine Operation hinzugefügt wurde, darin bestehend, dass man den Bildern noch

einen dünnen hauchartigen Ueberzug von Gold gab, wodurch sie an Ton und

Haltbarkeit für Berührung u. s. w. gewannen.

Mit dem Daguerreschen Verfahren war nun in der That ein höchst schwieriges

Problem auf erstaunlich einfache Weise gelöst worden.

Auf rein physikalisch-chemischem Wege war eine treue Copie der Natur

erzielt, ohne die geringste Nachhilfe der Hand eines Künstlers. Es ist nicht anders,

als hiitte man einen Spiegel vermacht, das Bild des sich in ihm ahspiegelnden

Gegenstandes wie mit magischer Gewalt zurückzuhalten, und selber zum Bilde zu

werden.

Die Tragweite dieser Entdeckung schien ungeheuer, denn man sagte sich

noch im Vollgenuss der ersten Errungenschaft, dass durch weitere Bemühungen

gewisse Mängel der Daguerreotypbilder würden behoben werden, und die Methode

einer viel grösseren Verallgemeinerung müsse fähig sein.

Und das ist zur Wahrheit geworden, wie der iiücbtigste Blick auf eine

Daguerreotypie von damals und eine Photographie von heute zeigt.

Die Mängel der Dzguerreotypien aber bestanden einmal darin, dass eine

Metallplatte kein für Bilder günstiges Material sein kann, erstens weil grössere

Dimensionen schwierig in der niithigen vollendeten Makellosigkeit herzustellen sind,

zweitens weil sie in diesen Dimensionen zu theuer sind, und drittens weil sie selbst

wenn das darauf projicirte Bild durch einen Firniss geschützt wird, doch allmiilig
            
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