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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe V (1870 / 60)

drei, oder wenn er „Yan" und dann vierseitig ist, auf vier Füssen. Doch

scheint bei den Ting's die runde Form die häufigere zu sein. Die Dreizahl

 der Füsse ist eine Anspielung auf die drei Gestirne (San-Kung), denen

ein höherer Einiiuss zugeschrieben wird; man versteht darunter Sonne,

Mond und Sterne, oder die drei Constellationen Sin, Ta und Pe-tsching,

die etwa unserem Orion, Scorpion uud Schiff entsprechen. Die Ting's

sind vorzugsweise Geräthe zum Opfergebrauch; welche Wichtigkeit ihnen

als Staatsmonumente zukam, haben wir schon loben erwähnt. Auf die

Tings gravirt man das Lob der Vorfahren und schmückt mit ihnen

deren Gräber.

Eine andere Hanptform ist die „Tsun" genannte, bestehend aus

einem mässig ausgebauchten Körper mit einem nach einwärts geschweiften

 oben weit sich öffnenden Halse. An den Körper schliesst sich ein

nach Unten sich ausbreitender bald höherer, bald niederer Fuss. Diese

Vase pflegt man zur Aufnahme des Opferweines (Reishranntwein) zu gebrauchen.

 Die Vasen, die „Jh" genannt werden, haben kurze, gedrungene

topfartige Form, bauchigen Körper, ganz kurzen oben weit sich öffnenden

Hals und meistens Henkel, in China Ohren genannt. Im Po-ku-tu wird als

ihre Bestimmung die Darbringung des Opferweines angegeben. Von ähnlicher

 Gestalt wie die Ih-Vasen, jedoch mit engmündendem Halse, sind

jene, die im eben angeführtenWerke „Yeu" bezeichnet werden, nur sind sie

meistentheils durch eine hügelförmige Handhabe ausgezeichnet. Ihre Bestimmung

 ist ebenfalls zumeist für religiöse Zwecke. Dies sind einige

der, wenn man so sagen kann, classischen alten Hauptformen der Vasen.

Im Laufe der Zeiten und anpassend den verschiedenen Materialien und

Zwecken, hat sich eine enorme Vielgestaltigkeit der Formen und Dimensionen

 vom kleinsten Napfe bis zum klafterhohen Gefasse herangebildet.

Auch im Email finden wir alle diese Gestaltungen repräsentirt. Besonders

häufig erscheint hier der völlig gerade oder schwach geschweifte Cylinder

(Tsaä), mehr oder weniger schlanke knrzgehalste Flaschen bis zur Kürbisform,

 und solche mit einer tiefen Einschnürung in der Mitte, wodurch

eine Figur entsteht, die man sich verbildlichen kann, wenn man zwei

birneniiirmige Körper beide mit den Schznalseiten nach Oben übereinandergestellt

 denkt. Die Elephanten, die wir öfters als Träger kleiner Blumenvasen

 finden, haben eine Beziehung zur Buddhareligion. Aehnliohes

ist mit den Figuren von Widdern der Fall. Im Allgemeinen wäre aber

zu bemerken, dass bei der eigenthümlichen Stellung, die die Religionen

und Culten in China einnehmen, eine etwa nach europäischen Analogien

zu machende strenge Scheidung zwischen kirchlichem und weltlichem

Geräthe dort ganz und gar nicht, in unserem Sinne wenigstens, an.

wendbar ist. Fr. Lippmnnn.

(Fortsetzung folgt.) '
            
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