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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VI (1871 / 71)

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oder Antimonoxyd (seltener durch Knochenasche oder phosphors. Kalk) 
hervorgebracht wird. 
Diese Zuthaten, an sich weisse feine Pulver, suspendiren sich in 
der Glasmasse so, dass diese dadurch milchig weiss erscheint und ein 
gewisses Denkvermögen bekommt, nach Art einer Anstrichfarbe. In der 
That entspricht unter den Glassorten unser Milchglas, welches besonders 
zu Lampenschirmen und Kugeln dient (auch Beinglas "genannt, weil es 
aus calcinirten Knochen oder Bein bereitet wird), vollständig dieser Art 
von Glasur. - 
'Die Materialien dazu werden, um eine recht innige Mischung zu 
erzielen, zuerst gefrittet, d. h. bis zum Zusammenbacken oder Sintern 
erhitzt, dann erst gemahlen, mit Wasser aufgeschlämmt, aufgetragen und 
nach dem Trocknen eingebrannt. 
Die Recepte tiir die Mengeuverhältnisse der Bestandtheile sind 
zahlreich. 
75 Bleioxyd, 25 Ziunoxyd, 80 Sand, 50 Kochsalz sind ein gutes Verhältuiss. Das 
Gemisch von Zinnoxyd und Bleioxyd bereitet man sich so, dass man eine Leg-iruug der 
beiden Metalle in einer eisernen llachen Pfanne bei Luftzutritt und tleissigem Rühren so 
lange erhitzt, bis die Metalle sich völlig oxydirt haben, Dieses Oxydgemisch heisst dann 
die Asche. Das Recept lautet dann auch wohl: 100 Asche, 100 Sand, 6 Kochsalz, 6 Soda. 
Eine besondere, althergebrachte und ganz zweckmässige Art von 
Glasur haben die sog. salzglasirten Waaren. 
Die Salzglasur wird nicht in der Form eines Glassatzes aufgebracht 
und dann eingeschmolzen, sondern sie erzeugt sich auf der glühenden 
Thonwaare dadurch, dass man im Ofen, wenn seine Temperatur recht 
hoch geworden ist, eine Quantität Kochsalz zum Verdampfen bringt, 
welches man einfach hineinwirft. 
Auf diese Art wird das sog. Steinzeng, also nicht poröse Waare 
aus der Porcellangruppe, welches wie erwähnt in bedeutender Hitze her- 
gestellt wird, glasirt. 
Die Dämpfe des Koehsalzes zersetzen sich hiebei mit dem Eisen- 
oxyd der glühenden Thonmassc so, dass (es besteht bekanntlich aus Chlor 
und Natrium) Natriumoxyd (Natron) und Eisenchlorid entsteht. Das letz- 
tere ist flüchtig und entweicht, das erstere aber verschmilzt sofort mit 
der kieselsauiren Thonerde zu einem Glase, welches fortan die Oberilächc 
überzieht und so mit ihr verschmolzen ist, wie eine Porcellanglasur mit 
ihrer Masse. 
Die Umsetzung des Kochsalzes kann auch so gedacht werden, dass 
durch den Wasserdampfgehalt des Brennmaterials Salzsäure entsteht, die 
sich verdächtigt, und Natron, welches als Silicat auf der Thonmasse 
verbleibt. 
Bei Ziegeln, vornehmlich Dachziegeln, bedient man sich neuer- 
dings auch öfters dieser Art von Glasur, die sich besonders gut in de" 
so sehr iu Aufnahme gekommenen Ringöfen ausführen lässt
	        

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