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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VI (1871 / 71)

immer ein Land, das durch seine Lage, seine Handelsbeziehungen, durch

seinen Bergbau stets in inniger und lebhafter Verbindung mit den Calturcentren

 von Deutschland und Italien gestanden hat. Zeugniss dafür

die über das ganze Land zerstreuten Bauwerke mit ihrem Schmucke an

Fresken, Glasmalereien, Schnitzereien und Sculpturen. Der Wohlstand,

den die Industrie und der das Land durchziehende Handelsweg von

Deutschland nach Italien hier hervorriefen, war natürlich ein mächtiges

Förderungsmittel künstlerischer Betriebsamkeit. Die Klöster und Kirchen

 des Landes, wie St. Paul, Maria-Rain, die Kirchen in Villacb, Gurk,

Friesach und viele, sind heute noch reich an Kunstwerken aller Art aus

vier Jahrhunderten, viele Privathäuser waren es ehedem, bevor die massenhafte

 Ausfuhr hier wie im benachbarten Salzburgischen auch diese Fundgruhen

 entleerte. Venetianische und Münchner Kunsthändler hatten hier

lange Jahre ein reiches Feld für ihre Nachsuchuugen, und das bairische

Nationalmnseum verwahrt so manches schöne Stück, das ein reger Eifer

über die Grenzen Oesterreichs zu entführen wusste. Von dem, was noch

im Lande und zumeist in festem Besitze geblieben, hat die Ausstellung

manches Interessante zur Schau gebracht.

Das schon oben genannte Kloster St. Paul hatte einige seiner

schönsten Stücke hierhergesendet, zwei gestickte Pluvialen in Flach- und

Perlstlch auf Stramin-Grund aus dem 13. Jahrh., das durch mehrfache

Publication bekannte prachtvolle gothisehe Reliquiar, zwei Hclzkreuze,

Mikrosculpturen von wunderbarster Vollendung aus dem 17. Jahrh., eine

Casula mit schöner Flachstickerei aus dem 16. Jahrh. etc.

Aus der Kirche von Möchling war hier ein merkwürdiges Holzsehnitzwerk

 zusehen, eine Art riesiger Reliquienschrein in Form einer

einsehitiigen gothischen Kirche mit weit vertretenden: Chore und thurmartigen

 Anbauten an den Ecken. Das Ganze ist etwa in einer Länge

von 6 Schuh und entsprechender Höhe aus aneinandergereihtem, reichem

und gnt erfundenem, durchbrochen gearbeitetem Masswerk gearbeitet. Es

soll als Einfassung des Grabes eines Stifters der Möchlinger Kirche gedient

 haben, dem Kunstcharakter nach muss es etwa aus dem Ende

des 14. oder Anfang des 15. Jahrh. stammen. Die Tradition schreibt

seine Verfertigung einem Mönche des Klosters St. Paul zu; das mag

richtig sein, denn jedenfalls scheint es nicht dasWerk eines völlig kunstgerechten

 Meisters sondern eines Dilettanten, der über der Freude am Ornament

 die Nothwendigkeit einer architektonischen Onnstruction völlig

vergass. Gerade als das, was es ist, Hösst es, da so selten derartige Arbeiten

 aas jener Zeit auf uns gekommen sind, lebhaftes Interesse ein, und

rhewundernswerth bleibt die Phantasie, die in der Waldeinsamkeit eine

solche Fülle von ornamentalen Motiven zu combiniren und zu schaffen

Wusste.

Ein gothischer Schrank, ebenfalls etwa dem endenden 14. oder dem

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