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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VII (1872 / 76)

In ihnen liegt unleugbar ein architektonisches Element. Wir wollen damit

keineswegs sagen, dass Schrank oder Kasten ein kleines Haus sein solle,

es tritt aber doch bei ihnen in ähnlicher Weise Gliederung, Verhältniss

räumlicher Theile, Beziehungen von tragenden und getragenen, stützenden

und lastenden Theilen zur Erscheinung, und ebenso bieten sich Flächen,

umfassende Binder, vertretende Glieder, krönende Gesimse zur Ornamentation

 dar. Es fragt sich nun, wo und wann ist diesen künstlerischen Anforderungen

 zugleich mit voller Wahrung des Zweckes und des Dienstes

am besten Rechnung getragen? Wo haben wir uns nach Vorbildern umzusehen,

 die uns heute zum gleichen Ziele leiten könnten?

So weit wir die Kunst des Alterthutns kennen, so war damals gerade

das in Rede stehende Geräth sehr wenig gebraucht und daher auch wohl

künstlerisch und praktisch sehr wenig ausgebildet. Es würden uns daher

völlig die Vorbilder fehlen, wollten wir etwa auf Grundlage antiker Kunst

unser Hausgeräth dieser Art zu erneuern trachten. In Wirklichkeit ist das

Genre der Kasten und Schränke eine Arbeit des Mittelalters, das an ihnen

herutngemodelt, geformt und ornamentirt hat, bis etwa das geworden ist,

was noch heute, aber mit verändertem Kunststil, in unserem Gebrauche

existirt. Folgen wir dem Gange dieser Veränderungen, so werden wir sie

bis zum iöJahrhundert als eine stete, wenn auch nicht ununterbrochene,

oder zuweilen vom rechten Wege abgelenkte Vervollkommnung betrachten

müssen. Die vorromanische Periode war plump und ungefüge in diesem

Geräth, die romanische Periode, die allerdings auch schon vortreffliche

Arbeiten, namentlich für die Kirche geschaien hat, legte zu grosses Gewicht

 auf gemalte Verzierung und hielt darum das Aeussere mit zu wenig

plastisch-architektonischer Gliederung. Die Gothik bildete das structive

Element aus und erwarb sich in dieser Beziehung unleugbare Verdienste,

so dass die uns erhaltenen gothischen Möbel in jedem Falle des Studiums

würdig sind, auch dann , wenn wir diesen Stil nicht als Vorbild für die

moderne Kunst aufstellen und es uns nicht darum zu thun ist, erneuerte

gothische Möbel zu schaEen. Es leiden aber die gothischen Möbel gemein-Sßhäffliih

 im einem Hauptfehler, und das um so mehr, je kunstgerechter

oder anspruchsvoller sie gehalten sind: verbunden mit der Wandtäfelnng,

sind sie zu sehr festes Wandgeräth und verleugnen den ihnen angehörigen

Charakter des Mobilen. Auch sind die späteren gothischen Möbel, nicht

ausschliesslich, aber vielfach, zu sehr überladen mit freistehendem und

durchbrochenem Ornament, das sich vom Geräth loslöset und mit seiner

Leichtigkeit der Massivität des Kastens widerspricht.

In allen solchen künstlerischen Beziehungen, in der Feinheit des

architektonischen Baues, in der plastischen Gestaltung der Oberflächen, zso

dass sich die richtige Wirkung von Schatten und Licht ergibt, in der angemessenen

 Vertheilung und richtigen Haltung der geschnitzten Verzierung,

Fortsetqxzrxg auf der Beilage.
            
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