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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VII (1872 / 76)

Von ganz unberechenbarem Vortheile aber war es gewesen, dass der

Kaiser gleich beim Beginne der Ausstellungsvorbereitungen, durch Zuweisen

 einer Summe von 50.000 B. die Möglichkeit geboten hat, Werke

exceptioneller Art zu schaden, Aufgaben zur Lösung zu bringen, die über

das Mass der gewöhnlichen Anforderungen hinaussteigen, und Gelegenheit

bieten, einen Höhepunkt der Leistungsfähigkeit zu erreichen. Diese Kunstobiecte,

 welche auf diesem Wege geschatfen wurden, bilden , sozusagen,

den Gradmesser für die Leistungsfähigkeit unserer Kunstindustrie, und

werden gewiss für lange Zeit hinaus als epochemachende Erzeugnisse

unserer Kunstlex und Industriellen ihren selbstständigen Werth behalten.

E.

ll.

Die Plastik.

lKünßtmnnn, Melnhzlty, Rdsner. -Antikisirende und naturalistische Richtung. - Pokurny,

"Oppblt. - O. König und seine Schule. -- Grödener Holxsehnitzkunst. - Marmortechnik,

Fruncini, C. Vanni, Ohrfnndl, Baron Löwenstem.)

_ Die Kunstindustrie hat zu allen Zeiten sowohl mit der grossen Plastik

Fühlung erhalten, als auch selbstständigen Talenten Gelegenheit geboten,

auf bestimmten Gebieten sich geltend zu machen. Das sind Bemerkungen,

welche die Geschichte der Kunst auf jeder Seite bestätigt, und die sowohl

auf die Organisirung der Musealausstellung, als auf die Ausstellung selbst

ihre Anwendung finden mussten.

Schon bei der Organisirung wurde darauf Rücksicht genommen, dass

die grosse Plastik, insbesondere insoweit sie Gegenstand der Decoration

ist, zur Ausstellung zugelassen werden konnte. Von dieser Bestimmung

des Ausstellungsprogrammes haben auch einige Künstler Gebrauch gemacht;

 Bildhauer Kundtmann hat eine Schubertbüste in Carrarischem

Mannor, mit technischer Vollendung ausgeführt, zur Ausstellung gebracht,

und zwei im eigentlichen Sinne des Wortes praktische Bildhauer haben

sich an der Ausstellung betheiligt, Bildhauer Meln itzky mit einer lebensgrossen

 Figur, einer Lampenträgerin, einem Modelle für Bronzeguss --demselben

 Künstler, von dem die schönen Stuccoreliefs auf blauem Grunde

im Oberlichtsaal herrühren -- und Herr Joseph Rösfter mit mehreren

in Marmor ausgeführten Reliefs und Büsten, bei deren Betrachtung Jedem

sogleich klar wird, dass man es hier mit den Werken eines routinirten,

in der Marmortechnik sehr erfahrnen Künstlers zu thun hat.

Die Richtungen, welche unsere moderne Plastik beherrschen, finden

auch in verschiedenen Abtheilungen der Ausstellung ihre eigenthümliche

Vertretung. Nicht überall sind wir in der Lage, den Namen der Künstler

nachzugehen, da manche Aussteller es für passend finden, die Namen der

Modelleure und Bildhauer als ein Fabriksgeheimniss zu behandeln, und

so dieselben der Oefentlichkeit zu entziehen, während andere es vorziehen,

Namen der Künstler gleichfalls aus Geschäftsrücksichten zu nennen. Dass

das Publicum mit einem erhöhten Interesse jenen kunstgewcrblichen pla-
            
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