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Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VII (1872 / 79)

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setzung nach nur ein Firniss. Während der farblose Firniss den damit

bestrichenen Gegenstand blos mit einer glänzenden Oberfläche überzieht,

dienen Lacke dazu, die natürliche Oberfläche zu verbergen, wozu bei ordinären

 Arbeiten die Farbe zugleich mit aufgesetzt wird, bei feineren

aber erst mit dem Lack abgeriebene Farbe einen Grund bildet, darauf

mehrere Schichten reinen Lacks kommen und schliesslich die Oberfläche

die feinste Polirung erhält. All' diese in fettem Oel gelösten Harze, welche

den Namen Lack führen, haben denselben aber nur durch Uebertragung

bekommen und verdanken ihn dem eigentlichen Gummilack, welcher im

übrigen keine Gemeinschaft mit ihnen hat und blos als Ausschwitzung

aus den jungen Sprossen verschiedener Bäume in Ostindien vorkommt.

In diesen Gegenden, wo für die sog. Bombay-works und andere ähnliche

Fabricate viel Lack gebraucht wird, bedient man sich dieses Harzes, welches

 durch die Stiche von Insecten den Zweigen entlockt wird und durch

deren Körperchen, Larven und Eier, eine rothe Färbung erhält, indem

man die Sprossen sammt den animalischen Anhängseln siedet. So verliert

er das Roth. Die rohe Ausschwitzung in verhärtetem Zustand heisst

Stocklack, der gekochte englische Seedlack, geschmolzen und in Blätter

geformt Schellack, der dann selbst wieder zur Bereitung von Firnissen,

Siegellack u. a. dient. Man sammelt die Gummiknollen im Frühling und

Herbst von den Zweigen und fertigt aus.dem Stocklack auch das Lackdye,

 eine Malerfarbe, auch Lac-lake oder lndianlack genannt. Auch diese

Lacke, welche meistens durch die Stiche der Gummischildlaus aus den

Pflanzen hervorquellen, werden iedoch, obwohl ihre Benennung die ursprüngliche

 ist und davon der Name auf die andern Harzstoffe übertragen

wurde, nicht anders als in Oellösung angewendet, selten wohl aber zu

jenen zierlichen Arbeiten China's, Japan's, Persien's und Ostindien's,

welche wir hier im Auge haben, den Lackarbeiten kafexochen. Zu diesen

dienen verschiedenartige Harze, welche im folgenden genauere Erwähnung

finden sollen, mit Oel, meistens aus Früchten gemischt. - Lackfarben

im Sinne der Malertechnik endlich haben mit den obigen Substanzen

gar nichts gemein, Florentiner-, Kugel-, Krapplack, Schütgelb u. a. Lacke

sind animalische oder Pilanzenfarben mit erdiger Basis: Thon, Kreide

oder Zinnoxyd etc.

I Die Alten kannten und benützten wohl mehrere Gummiarten, den

uoppl. des Herodot, Theophrast, Galen und Dioscorides, gummis bei Ausonius,

 Palladius, Columella und Plinius, sie kannten aber seine Lösung

und Anwendung zum Lackiren nicht. In den Schriften des Mittelalters

bereits aber beginnt die Benennung von Lackfarben, Siegellack u. a. mit

diesem einen Worte. Indischer Gummilack wurde nach den erhaltenen

Handelsstatuten von Marseille um 1220 in Europa, in der Provence und

Spanien eingeführt, doch scheint man noch lange die erwähnte rothe Färbung

 durch die Schildlaus daran geschätzt und erst zu Ende des 17.Jahrhunderts

 ihn auch in gereinigtem Zustand als Ingredienz von Firnissen
            
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