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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VII (1872 / 79)

I.

gebraucht zu haben. Das Manuscript Nr. 992 der Universitätsbibliothek in

Padua, welches, venezianischen Ursprunges, aus dem r7. Jahrh. stammt,

verdankt dem Verkehr dieser Stadt mit dem Osten die Kenntniss: per

fare la vernice indiuna, von dem mehrere Recepte darin ausführlich handeln.

 Es dient auch hier der Lack schon zum Lackiren wie bei Chinesen

und Japanesen, denn der Autor schliesst die Regel vom Reinigen des

Harzes: e questa gamma cosi purxficata serve per lustrare tutli li Iavori.

Ein Augustiner Namens Eustachius soll diese Technik aus Indien nach

Rom gebracht haben.

Bei den Völkern des Ostens finden wir Lack auf Holz und Papiermache,

 Porcellan und Blech, Eisen und Schildpatt angebracht, theils als

schwarzer oder dunkelbrauner oder in Imitation des Aventurin tief braungold

 schimmernder Ueberzug, theils flach aufgemalt, theils reliefartig modellirt

 und so auf einen andersfärbigen Lackgrund oder auf Porcellan aufgesetzt.

 Die häufig begegnenden Arbeiten der letztern Art sind stylistisch

von grossem Interesse, denn sie vertreten, wie Sernper bemerkt, wenn

wir von "den auf andern Ursprung zurückweisenden kleinen Holz- und

Elfenbeinschnitzereien absehen, fast auschliesslich die Gattung des Reliefs

bei Chinesen und Japanesen. Um die Erhöhungen hervorzubringen, verfährt

man hier, gleichwie es auch die Inder bei ihren farbenbunteren Lackwaaren

in diesem Falle machen, auf die folgende Weise: es wird von Bleiweiss,

das man in Leim aufgelöst hat, ein Grund gebildet, darauf, wenn er getrocknet

 ist, weisse Farbe in Häufchen angesammelt und mit einem Messer

nach der vorliegenden Zeichnung modellirt, wie der Wachsbossirer es mit

seinem Material macht. Ist das Relief fertig, so erhält es einen Firnissüberzug,

 darauf die Bemalung, über welche abermals mehrere dünne

Firnissschichten gedeckt werden. P. (Ylncarville, Jesuitenmissionär im

vorigen Jahrhundert, hat in seinem: Mämoire sur le uernis de la Chine

sehr werthvolle Aufschlüsse über die Technik der Chinesen rnitgetheilt.

Wir bringen hier den Inhalt in einem genauen Auszug, welcher zum

grossen Theil Uebersetzung genannt werden darf.

Der Firniss der Chinesen ist keine künstliche Verbindung, sondern

eine harzige Ausschwitzung des Baumes Tsi-chou d. i. Baum des Firnisses,

welcher in mehreren Südprovinzen wild wächst und 1' im Durchmesser

erreicht. Die Cultivirung in der Ebene und auf Berghöhen, welche man

versucht hat, bekörnmt ihm nicht wohl. Er wird dabei kaum dicker als

das Bein eines Mannes und dauert nicht länger als io Jahre. Im übrigen

bieten seine Eigenschaften einer gewerblichen Ausbeutung auch in ökonomischer

 Hinsicht grosse Vortheile dar; die Fortpflanzung wird durch die

grosse Fruchtbarkeit und die Neigung der Pflanze zur Vermehrung durch

Steckreiser sehr gefördert; Pflege verlangt der Baum in sehr geringem

Masse, sie braucht in nichts anderm zu bestehen, als dass die Erde am

Fusse öfters gelockert und. seine eigenen Blätter für die Düngung aufbewahrt

 werden. Bäume an schattigen Plätzen liefern viel, doch schlech-63


            
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