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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VII (1872 / 79)

teren Firniss, der im Sommer gesammelt wird und zwar von angepHanzten

Stämmen dreimal, wobei die Qualität bei jedemmale geringere Güte hat,

oder einmal von wildwachsenden. Werden indess auch diese dreimal im

Jahre ausgebeutet, so gönnt man ihnen drei Jahre Ruhe. Der Vorgang bei

der Gewinnung des flüssigen Harzes ist hier eben derselbe, wie bei uns

das Tannen- und Fichtenpech von den Bäumen gewonnen wird, während

cultivirte Stämme in besonderer Weise behandelt werden. Man schneidet

nämlich bis zum Marke convergirende Rinnen ein und bringt unten, wo

sie zusamrnenstossen, Muscheln an, so dass in diese Behälter der hervordringende

 Saft sich sammeln kann. Erschöpften Bäumen wird der Rest

ihres Firnissgehaltes dadurch entlockt, dass man sie in Brand steckt, wobei

 dann aller Gummisaft, den der Stamm noch besitzt, in kleine Gruben

herabfliesst, die man am Fusse gemacht hat. Am frühen Morgen beginnt

man die Muscheln einzusetzen, deren je ein Arbeiter roo anbringt; nach

drei Stunden sammelt man den darin befindlichen Firniss und beendet dies

Geschäft, denn der bei höherem Sonnenstande ausfliessende Firniss würde

zwar reichlicher kommen, durch die Wärme aber der wässerigen Feuchtigkeit

 verlustig gehen, welche nicht vermisst werden kann. Die Arbeiter sammeln

 ihn in ein Gefäss von Bambusholz, das sie am Gürtel tragen; aus

demselben wird das Gesammelte in die Fässchen bei den Händlern gefüllt.

Beide, jene Sammelgefässe und diese grössern Kufen, werden sorgfältig

mit Papier zugedeckt, welches genau nach der Grösse der Oeffnung zugeschnitten

 ist, um Schmutz etc. abzuhalten; es ist aus Hanf gefertigt

und heisst Mau-theou-tchi. Beim Eröffnen dieses Verschlusses ist Vorsicht

nöthig, indem die ausströmenden Dünste die sog. Firnissgeschwüre erzeugen,

 eine überaus schmerzhafte Krankheit des Blutes, welche fast jeder

Arbeiter einmal ausstehen muss. Die Behafteten foltert dabei die unerträglichste

 Glut, namentlich sind lebhafte, cholerische Naturen dem Uebel

ausgesetzt. ln diesen Fässchen hält sich der Firniss beliebige Zeit, wenn

sie in kühle, ziemlich trockene Keller gestellt werden; er hat gleich beim

Ursprung aus dem Baume die Farbe des flüssigen Pechs, bekömmt an

der Luft einen rothen Anflug und wird endlich in Folge seines Wassergehaltes

 schwarz ohne zu glänzen. Die Chinesen unterscheiden drei Sorten:

Nien-tsi, Si-tsi und Kouang-tsi, so genannt nach den Hauptorten der Gewinnung:

 Nien, Si und Kouang; daher auch die Namen: Nien-tcheou-fou,

Si-tcheou-fou, Kouang-tcheou-fou; tcheou-fou bedeutet eine Stadt vom

ersten Range. Die beiden erstgenannten Gattungen dienen zur Bereitung

des schwarzen Firnisses, Nient-si ist der bessere, wird aber selten rein gewonnen

 und durch Si-tsi in der Regel ersetzt. Der Bezirk, welcher den

Nient-si liefert, ist wenig umfangreich, auch genügt die Speciß durchaus

nicht für alle Firnissarbeiten, die in China gemacht werden; sein Schwarz

ist glänzender als das des Si-tsi, das Pfund kostet in Peking roo Sous,

während vom Si-tsi dafür drei Pfunde gekauft werden. Der Kouang-tsi fällt

in's Gelbe, ist reiner und freier vom Wassergehalt als jene genannten
            
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