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Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VII (1872 / 79)

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sondern auch für das gesammte polytechnische Unterrichtswesen hat. Zwar

ist die königl. Gewerbe-Akademie keineswegs die älteste Schule dieser

Art, indem die Pariser Ecole polytechniqne sie um etwa 27 Jahre an Alter

übertrifft: auch ist sie nicht die erste in Deutschland gewesen, indem das

Wiener Polytechnikum gegen fünf Jahre vor ihr gegründet wurde. Allein

für Preussen und für ganz Norddeutschland ist die Anstalt von solchem

Werth und Einfluss gewesen, und fünfzig Jahreswechsel wiegen in unserer

 raschlebigen Zeit so schwer, dass diese Feier eine wohlberechtigte

genannt werden darf. v

nEiner der merkwürdigsten Züge in der von der Anstalt durchlaufenen

 Geschichte ist deren allmälige Entwickelung aus kleinen Anfängen,

 ihr gleichsam natürliches Wachsthum. Während neuere polytechnische

 Schulen das Glück hatten, voll entwickelt und wohlgerlistet, wie

Athene aus dem Haupte des Zeus, in's Leben zu springen, musste diese

Schule den Pfad des Fortschrittes selbst suchen und Probestücke durchmachen,

 welche den jüngeren Schwestern grösstentheils erspart geblieben

sind. Die Fortentwickelung war um so schwieriger, als sie keinen Augenblick

 ohne eine gleichzeitige der technischen Mittelschulen des Landes

vorgenommen wurde, wodurch von Anfang bis heute der engste Zusammenhang

 zwischen sämmtlichen technischen Schulen Preussens in der

glücklichsten Weise erhalten worden ist. Man darf sagen, dass deshalb

die Gewerbe-Akademie in ihrer Begründung eine seltene Festigkeit besitzt,

 welche der obersten Leitung des technischen Unterrichtswesens in

Preussen immer zum höchsten Lob gereichen wird. Bei dem Studium der

Urkunden der Anstalt ist es fesselnd, zu sehen, wie mit unverbrüchlicher

Strenge an diesem wahrhaft bedeutenden Grundsatze festgehalten wurde.

Dieser Grundsatz bildete - das verdient besonders hervorgehoben zu

werden - den Kern, das Mark der Pläne Beuth's lange schon vor

dem Jahre 182i sowohl, wie immer nachher; und er kann denjenigen,

welche in anderen Staaten polytechnische Schulen zu schaffen beabsichtigen

 oder begonnen haben, nicht warm genug an's Herz gelegt werden.

Freilich ist er nicht leicht durchzuführen, seine Früchte zeitigen langsam;

sogenannte brillante Erfolge lassen sich nicht in Kürze mit ihnen erzielen;

allein er sichert, wenn die Zeit der Reife naht, die wahre innere Tüchtigkeit

 des Resultats.

uWie hoch aber müssen wir erst Beuth diesen Ernst anrechnen,

wenn wir uns vergegenwärtigen, welchen Schwierigkeiten er überall begegnete,

 wo er die Industrie Preussens zu heben versuchte. Seine Energie

 verliess ihn aber unter den schwierigsten Umständen keinen Augenblick.

 Ging sie doch so weit, dass er bei Beschaffung der als Muster in's

Land zu bringenden Maschinen, deren Ausfuhr aus England damals bei

schwerer Strafe verboten war, Wege einschlug, von welchen er der

englischen Grenzzollbehörde keine oflicielle Mittheilung zu machen für

gut fand.
            
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