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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VII (1872 / 84)

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Geschäft ist und mit Regeln des Geschmackes, ia nur der Vernunft in

Kunstdingen, sich nicht im geringsten Sorge macht.

Man möge doch mit dem Eindrucks, den die Besichtigung der modernen

Wiener Goldarbeiten hervorgebracht hat, - nach der Musterung dieser

Leistungen mit ihrem derben Geprunke des rohen Materials, mit diesem

barbarischen Vorherrschen der Goldmassen ohne künstlerische Bewältigung

des Stotfes, der grellen Zusammenstellung von Edelsteinen und Edelmetall,

ganz zu geschweigen von den Nachahmungen von Lederflechtwerk, den

Hufeisen und Sonnenschirmen, Käfern und Eidechsen, - man möge hintreten

 vor die Reihe der alten Muster, in denen alles Klarheit, Ebenmass,

Verständniss und feines Stylgefühl ist, - um recht die Tiefe der Kluft

zu ermessen, die uns auf diesem Gebiete noch von der wahren Kunst und

Schönheit trennt. Hier möchten wir gerne die Wiener Vertreter des Gewerbes

 ihre Studien machen sehen, aber auch das liebe Publicum, welches

an Fingern, Hals und Ohren die Fabricate desselben umherträgt und somit

eine Gegcnausstellung des Verfalls der edlen Goldschmiedekunst als Folie

diesen reizenden Entwürfen entgegenbringt. Jenes Kunstgewerbe, für das

einst die grössten Meister Zeichnungen lieferten„Mantegna, Perugino,

Raphael, Schongauer, Dürer, Holbein, das einen Ghiberti, Francia, Cellini,

Jamitzer unter die seinen zählte, ist heute Tummelplatz der bedauerlichsten

Modethorheiten geworden, ihm wäre ein schöner Aufschwung wohl vor

allem zu wünschen!

Die Ausstellung enthält zunächst einige Blätter deutscher Meister

aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, der schönen Blüthenzeit der

Renaissance in unserem Vaterlande, in welcher sie sich in unendlicher

Frische und Poesie entfaltete. Hieher gehören vorzugsweise die Werke

H0lbein's und der sogenannten Kleinrneister, jene in Zeichnungen vorhanden,

Welche W. Hollar im 17. Jahrhunderte gestochen hat, diese von den Erlindern

 selbst mit aller Feinheit und Delicatesse ihres Stichels ausgeführt.

Es sind die erwähnten prachtvollen Walfenstücke, Dolchscheiden und Degengrilfe,

 reichgeschmtickt mit Figuren und phantasievollem Ornamente. So

der Degen von Holbein mit einem Kämpferpaar und zahlreichen Amoretten,

die prachtvolle Dolchscheide Aldegrevefs, welche uns sinnig genug den

Mord Abel's in einer schöngedachten Gruppe vor's Auge führt, eine ernste

Mahnung für den, dem die Waffe zum Gebrauche diente. Das ist eben

das Wundersame an diesen Werken der alten Kunst, dass sie nicht leere,

nichtssagende Zierstücke allein sind, dass ihr Schmuck zu uns etwas Ernstes

oder Launiges, Pathetisches oder Komisches sagt, dass er überhaupt etwas

Sagt und bedeutet, und nicht wie der Moderne, nicht weiss, wozu er eigentlich

 da ist. Holbein z. B. verstand in erstaunlich sinnvoller Weise, wie

das Woltmann in seinem Buche über den Künstler klar darzulegen weiss,

in dem unendlichen Reichthum der Gestaltungen, die er seinen Walfen

lieh, auch selbst die Bestimmung des Gegenstandes anzudeuten, oh es nun

ein galantes Geschenk, Zierdegen oder ernste Waffe, ob es Eigenthum des

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