Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VIII (1873 / 88)

anderen lnschriften gleichsam zur Bezeichnung der Firma, zur Constatirung

 des in aller Welt geschätzten Fabrikortes hinzugefügt, so wie

heute ein Wedgwood, Barbedienne "uns. w. ihre Stempel auf die Waare

drücken.

in den lnschriften der Vasen sind uns auch zu allem Ueberfiuss

häufig Zeugnisse dafür erhalten, wie tief die griechische Freude am

Schönen, die Lust es zu preisen und darzustellen, in das Volk einge--drungen

 war. Männliche und weibliche Figuren werden mit den Beischriften:

 xaköä, xahi (schön), oder auch ö rraiä xaÄöS (ein schöner

Jüngling), i] rmiS Kalif] (ein schönes Mädchen) versehen, wobei dann

wschönu nach griechischem BegriH nicht nur die Wohlgestalt, sondern

auch die Anmuth des Wesens, die geistige Schönheit bezeichnet. Bisweilen

 werden auch die Namen der auf diesen Vasen Gefeierten hinzugefügt

 und der Preis der Schönheit ergeht sich in Dialogen zwischen den

dargestellten Personen. So sagt A.: Schön, Nikola, ist Dorotheos. -

B.: Schön fürwahr, das will ich meinen. - A.: Auch der andere Jüngling,

 Memnon, ist schön. - B.: Schön und lieb, so will es auch mich

bedünken. M Die Bildungsstätten der griechischen Künstler, die Tummelplätze

 der Jugend in Gymnasien und Ringschulen, die Reigentänze, Fackelläufe

 und Aufzüge der edlen Männer und Frauen an gottesdienstlichen

Festen, sie waren ja auch dem geringsten dieser Vasenmaler zugänglich

und gaben seinem Drang nach sinnreicher Zier der handwerklichen Producte

 stets neue Nahrung, iführten seiner Phantasie eine Fülle concreter

Lcbensanschauung und Schönheit zu. Was von den attischen Staatsmännern

 für den Schmuck des Lebens, für die künstlerische Bereicherung

und Veredlung der Feste, endlich für die grosse Kunst selbst geschah,

das kam unmittelbar dem Handwerk zu Gute, Wissen wir doch von

Perikles, dass er bei seinen Unternehmungen die arbeitende Classe ganz

besonders im Auge hatte. Plutarch (Perikles '12) zählt alle die verschiedenen

 Gewerke auf, die unter ihm in Flor standen, und rühmt die

Schnelligkeit der damaligen Production, die der Dauer der Werke keinen

Eintrag gethan habe. nDie Stadtg: so lässt er seinen Perikles sagen,

nmüsse ihren UeberHuss auf Dinge verwenden, die nach ihrer Vollendung

ebenso sehr mit ewigem Ruhme lohnen, als sie während derselben eine

Quelle des Wohlstandes seienß So, sehen Sie, kommen hier alle Momente

 zusammen, von denen die Blüthe des kunstindustriellen Lebens

abhängig ist. Schon Jahrtausende früher, im alten kunstreichen Orient,

und neben Athen in mancher Stadt Griechenlands und Italiens hatte das

Handwerk eine hohe technische und künstlerische Entwicklung erlangt.

Aber diese gewerbliche Blüthe bleibt vereinzelt, local oder doch national

gebunden, oder sie hat mehr einen technischen, als einen künstlerischen

Werth. ln der von uns betrachteten attischen Fabrication sind dagegen das

technische, das industrielle und das künstlerische Element völlig

gleich und harmonisch entwickelt. Die Kunst ist von ihrer stolzen Höhe
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.