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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe I (1886 / 5)

bis in die Zeiten der Pompadour erhalten: die Boulle-Arbeit, die mit

dem Tode des alten Boulle, 1732, nicht aufhörte, sondern noch einige

Jahrzehnte hindurch von seinen Söhnen fortgesetzt wurde, freilich bei

gänzlichem Mangel an Originalität in endloser Wiederholung des Alten,

was den Descendenten des grossen Meisters von Mariette den Spottnamen

der "Affen ihres Vatersu eintrug. Bezeichnend ist es aber, dass Oöben,

der Lehrer Riesenefs und mit diesem der Bahnbrecher des neuen Geschmackes

 an der Holzintarsia, aus der Werkstätte des alten Boulle hervorgegangen

 ist.

Zur Zeit, als die jugendliche österreichische Prinzessin als Gemalin

des Dauphin Paris betrat, war der Umschwung des Styles wohl schon im

besten Gange. Es gilt den Franzosen heute ausgemacht, dass Marie

Antoinette in der Geschmacksreform nur vollendete, was bereits die Frau

v. Pompadour erfolgreich angebahnt hatte. Zur Zeit als Louis XV. starb

(1774), war die neue Stylrichtung bereits zu weit vorgeschritten, als dass

man bei Hofe, wo man doch an der Spitze der Geschmacksreform marschirte,

 noch Gefallen an einem Möbel von der Art des beschriebenen

hätte findeh können. Andererseits ist schwer anzunehmen, dass Marie

Antoinette ihrer Schwester eine ältere Arbeit -das Product einer überwundenen

 Geschmacksrichtung - zum Geschenke gemacht habe. Wenn

man, wie aus den Rechnungen hervorgeht, alljährlich Unsummen für

neue Möbel ausgab, wird man sich auch nicht besonnen haben, anstatt

des Trägers eines veralteten, altfränkisch gewordenen Geschmackes ein

Werk im neuen siegreichen Style an den Kaiserhof nach Wien zu senden.

Wenn diese Voraussetzungen richtig sind, dann kann das Möbel nur in

der Zeit entstanden sein, da Marie Antoinette noch Dauphine war, somit

in den Jahren 1770-1774, und zwar möglichst nahe dem ersten dieser

Jahre. Leider ergibt der Briefwechsel der erlauchten Frauen, soweit er

(von Arneth und Geffroy) publicirt ist, keinen bestimmten Anhaltspunkt

für die Datirung der Schenkung.

Wir müssen uns daher beschränken einige bezügliche Andeutungen

zu registriren. So lesen wir in einem Briefe der Kaiserin an ihre Tochter

vom l. November 17701 wVous recevrez par ce courier le present que la

Marie Anne vous a destineu, möglicherweise ein Gegengeschenk der

kranken Erzherzogin für unseren Schreibkasten. Dieses Möbel scheint

überhaupt als Schenkobject besonders beliebt gewesen zu sein, denn

Marie Antoinette empfängt im folgenden Jahre einen Schreibkasten als

Geschenk von ihrer Mutter (Brief der Kaiserin vom I7. August 177i:

Mercy me mande, que le petit ecritoire que je vous ai envoye vous a

fait grand plaisirc). Die Intimität der beiden Höfe hat sogar in der zeitgenössischen

 Terminologie der Möbel eine Spur hinterlassen. Fürst

Kaunitz, der Anfangs der Fünfziger Jahre als Gesandter am Hofe Louis XV.

in Paris weilte, gilt für den Erfinder des bureau a cylindre, eines
            
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