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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XI (1896 / 1)

Auem aut uern uemete der riastik war die Notnwenaigxeir einer nuckkenr zu strengerer

Fohrung allgemein empfunden. Obwohl diese Reaction im Sinne verständnissvollen

Studiums der Antike und der Natur eigentlich von einem Künstler, Rafael Donner (dem

Lehrer Oeser's, der wieder auf Winckelmann und Goethe gewirkt hatte), ausgegangen

war, nahm sie doch unter dem Einfluss: der Gelehrten zunächst einen gelehrten, vielfach

 nüchternen und äußerlichen Charakter an. Erst nach langem Suchen und Kämpfen

entwickelte sich neues Stilgefühl und ein neuer Stil, welcher die Plastik wieder zu gewaltigen

 Leistungen führte. Der Vortragende schilderte nun die Bedeutung und Stellung,

zu welcher sich in dieser Epoche Canova, Flaxntan, Chaudet, Carstens, Dannecker und

Zauner erhoben, er charakterisirte ihre kunstgeschichtliche Stellung an ihren hervorragendsten

 Werken und wies nach, dass ihnen Allen die ersehnte Reform der plastischen

Kunst trotz ihrer zum Theil trefflichen Leistungen nicht gelang und nicht gelingen

konnte, da ihr Verhaltniss zur Antike vielfach nur ein außerliches war und nur allmülig

 die Erkenntniss sich verbreitete, dass das, was die Antike uns zu lehren hat,

nicht mit deren Stoifgebiet erschöpft ist, sondern darin beruht, dass man die Natur betrachtet,

 wie die Alten sie betrachtet haben, und, wie diese es gethan, die besten Kräfte

der Kunst dem Volksthume zu entnehmen sucht. Diese Schwierigkeit zu lösen hat Thurwaldsen

 versucht, Rauch hat sie gelost. Auch Ersterer geht vom antiken Stoffgebiete

aus, aber er dringt auch tief in den Geist des Alterthums ein, und schafft z. B. im

Alexanderzug eine der genialsten modernen Cumpositionen in der Formensprache der

Alten. In der zweiten Hälfte seines Lebens tritt Thorwaldsen dann auch in die neue,

die romantische Strömung. Dass das für Wien bestimmte Grabdenkmal für den Fürsten

Schwarzenberg nicht zu Stande gekommen ist, muss lebhaft bedauert werden. Mit Rauch

endlich wird die an der Antike wie an der Natur geschulte Plastik wieder national.

Diesem Künstler, vor Allem seinen in der Epoche von 1804-1825 geschaffenen Werken

(dem Grabdenkmal der Königin Louise u.A.), widmete der Vortragende eine längere Betrachtung,

 hervorhebend die großartige Auffassung des Historischen und die mustergiltige,

nie in's Malerische fallende Behandlung des Reliefs. Das beste Können der heutigen

deutschen Plastik geht auf Rauch zurück. Mag die in Rede stehende Epoche so manche

Leistungen aufweisen, Welche unseren Beifall nicht finden, so haben wir doch keinen

Anlass, uns hochmüthig über diese Zeit zu erheben, Welche auf allen Gebieten des

künstlerischen Schalfens nicht nur nachahmend, sondern auch schöpferisch Unvergleichliches

 geleistet hat. Dies wird die Wiener Congress-Ausstellung in überraschender

Weise darthun.

Litteratur- Bericht.

Das Schöne und die bildenden Künste. Von Emerich Ranzoni. Wien,

Hartleben, 1896. 8". Vll, 472 S. M. 7'2o.

Das vorliegende Buch fasst in großen Zügen die Theorie der Künste zusammen,

wie Ranzoni sie sich in langjähriger, der Kritik des zeitgenössischen Schadens gewidmeter

 Thatigkeit zurechtgelegt hat. Was das Buch vor Allem anziehend und lehrreich

macht, ist des Verfassers Methode, die Kunstwerke immer im Zusammenhange der Erscheinungen

 zu erfassen, auf die geschichtliche Entwicklung einzugehen und auf deren

Gesetze, welchen auch das freieste, genialste Schatfen sich nicht entziehen kann. Dabei

räumt er dem Persönlichen in der Kunst stets den gebührenden Platz ein und würdigt

die Bedeutung des Technischen. Sein Standpunkt ist jenem der empirischen Aesthetik

nahe verwandt. Mit vielem Vergnügen und Nutzen liest man daher die einleitenden

Capitel über das Schöne und die Kunst, über Form, Farbe, Ausdruck, in welchen sich

der Verfasser von aller nAesthetik von, oben: geflissentlich frei hält und seine Behauptungen

 stets durch Beispiele erläutert, die er allen Gebieten der Kunst entnimmt. In

folgenden Capiteln erörtert er die drei Hauptgruppen des künstlerischen Schaffens, sodann

 bespricht er die religiöse Kunst, die Kleinkunst, das Genre, das Bildniss, die

Illustration, und versucht sich hierauf in einer Analyse der künstlerischen Persönlichkeit,

 die an Beobachtungen und an Selbstzeugnissen von Künstlern reich ist. Hieran

reihen sich Capitel über die Moderne in der Kunst, über Akademien, Ausstellungswesen,

Mäcene, Kunstkenner, Fälscher, das Kunstschatfen der Frauen, Kritik und Publicum. Mit

einem trostreichen Ausblick auf die Zukunft der Kunst schließt das Werk. Man lernt

aus demselben den bekannten Kritiker von ganz neuen Seiten kennen; worin er sich
            
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