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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XI (1896 / 1)

anderen leicht unterscheiden, und es ist in neuester Zeit gelungen, in der

weitverzweigten Familie der geschliffenen Arbeiten eine besondere, ziemlich

 scharf abgegrenzte Gruppe der Potsdamer Glasfabrication zuzuweisen.

Besondere Schwierigkeiten bereitet jedoch das weite Gebiet, welches

Böhmen zum Ausgangs- und Mittelpunkte hat und sich nördlich auf

Preußisch-Schlesien, südlich auf Ober- und Niederösterreich erstreckt.

Durch die grundlegenden Studien Schebek's und CzihalCs, zu welchen

sich neuerdings das inhaltreiche Werk von Mareä hinzugesellt hat, sind

wir in der Lage, die Glasfabrication dieses Gebietes nach der historischen

und commerciellen Seite hin kennen zu lernen ').

Zahlreiche, künstlerisch hervorragende Producte dieses Gebietes haben

sich bis auf unsere Tage erhalten und finden Zuflucht in Museen und

Privatsammlungen, wo sie nun vor dem Untergange gesichert sind. Als

reichhaltigste Sammlungen dieser Art sind die betreffenden Abtheilungen

des k. k. Oesterreichischen Museums in Wien, des Kunstgewerbemuseums

in Berlin, des Museums schlesischer Alterthümer in Breslau, der Sammlung

 Lanna und des Kunstgewerbemuseums in Prag in erster Reihe zu

nennen g).

Soviel wir nach dem vorhandenen Material urtheilen können, steht

in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, in welche die Anfänge des

künstlerischen Aufschwunges auf dem Gebiete des Glasschleifens fallen,

die Verzierung mit der Form der Gefäße in keinem engen Zusammenhange,

 vielmehr ziehen es die Glasschneider, wie Kaspar Lehmann, die

Schwanhardfs vor, sich bei ihrer Kunstübung solcher Gefäße zu bedienen,

welche einfache Formen besitzen und große Flächen zur ungestörten

Entfaltung des Decors bieten. Etwas Aehnliches ist ja auch mit emaillirten

und Schaper-Gläsern, und auf dem Gebiete der Keramik mit Arbeiten

B0ttengruber's der Fall. Aus dieser Kunstübung ist das eigentliche geschliffene

 böhmische Glas nicht hervorgegangen.

In weit innigerem Zusammephange steht anfänglich das Kunstglas

mit der Krystallschneiderei, welche noch lange nach der Rudolphinischen

Periode bis tief in das 17. Jahrhundert hinein in Prag geübt wurde; auch

der schlesische Adel fand an Bergkrystallarbeiten großen Gefallen; so

dürfte ein Theil der an Krystallarbeiten reichen Sammlung Nostic in Prag

aus dem Stammlande der gräflichen Familie, Schlesien, herrühren und

') Schebek, Böhmen's Glasindustrie u. Glashandel, Prag 1878. Madl, O öeskäm skle

(Ueber böhmisches Glas), Prag 1890. Czihak, Schlesische Glaser, Breslau 1891. Mareä,

Öeske sklo (Böhmisches Glas), Abhandlungen der böhm. Kaiser Franz Joseph-Akademie,

Prag 1393. In diesem Werke wird insbesondere Südböhmen berücksichtigt und zahlreiches

 Quellenmaterial veröffentlicht.

9) Bucher, Die Glassammlung des k. k. Oesterr. Museums. Czihak, Katalog der

Gläsersammlung des Museums schles. Alterthümer zu Breslau in dem Werke Schlesische

Gläser. Vergl. auch den inhaltvollen Abschnitnüber Glas in Brinckmands: Das hamburgische

 Museum für Kunst und Gewerbe.
            
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