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Full text: Alte und Moderne Kunst I (1956 / Heft 2)

gonien in Auftrag gegeben und von dem großen niederländisch- 
spanischen Architekten Enrique ljgas in den Jahren 1501 bis 
1511 errichtet. 
Kaum konnte dem Fremden das Verständnis für Wesen und Be- 
deutung einer Stadt wie Santiago leichter gemacht werden als 
hier, wo er sozusagen mitten im heiligen Bezirk sein Quartier 
aufschlagen kann. Und dazu in einem Gebäude, dessen Mauern 
gleichsam durchtränkt sind mit den Spuren spanischer [ber- 
lieferung und Vergangenheit. 
Der gewaltige Komplex des Hospitals ist um vier Höfe ange- 
legt. Spanien ist das Land der schönen Patios. Durch ihre archi- 
tektonische Würde und Grazie zugleich zählen sie zu den köst- 
lichsten Raumscböpfungen. Zu ihnen öffnen sich die Häuser in 
leichten Arkaturen und ihrer lichten Schattigkeit vermag die 
Hitze nichts anzuhaben. Hier blühen Blumen und grüne Blatt- 
pflanzen, wenn draußen alles in der zitternden Luft verschmaeh- 
tet, und die Stille und Kühle wird durch das Plätschern der 
Brunnen betont. 
Die in den kreuzweise angeordneten inneren Flügeln des Ge- 
bäudes gelegene Kapelle wurde zu einem Konzertsaal umge- 
staltet. Diesc krcuzförmige Anlage hatte sich zu Ende des Mittel- 
alters für Hospitäler eingebürgert. lhr liegt ein sehr schöner 
Gedanke zu Grunde. Da die Kreuzarme mit den Seitenflügeln in 
Verbindung standen und die Kapelle von den Stockwerken aus 
über große Oratorien zugänglich war, konnten alle Kranken 
dem Gottesdienst folgen, der in dem zentralen Kuppelraum ah- 
gehalten wurde (Abb. 2). Der architektonische und plastische 
Reichtum, nicht zu übersehen die für Spanien so bezeichnenden 
prächtigen Chorgitter, machen diesen Raum zu einem Juwel 
spätmittelalterlicher Baukunst. 
Die Profanierung eines sakralen Raums und die Umwandlung 
einer einst für caritative und religiöse Zwecke bestimmten Stif- 
tung in ein Hotel mag begreiflicherweise befremden. Dabei ist 
aber zu bedenken, dall das Hospital Real für eine Verwendung 
als Krankenhaus unter gar keinen Umständen mehr in Betracht 
kommen konnte und somit Gefahr lief, der viel pietätloseren 
Vernachlässigung und hällliehem allmählichen Verfall preis- 
gegeben zu sein. 
Die Weitläufigkeit des Gebäudes gestattete es den Architekten, 
bei der Planung und Unterbringung von Gesellschaftsräume-n 
nicht sparen zu müssen (Abb. 3). Ihre Einrichtung ist mit (Je- 
 
Abb. 3 Hallo Im Hut-t d; los h," Cnlnllcns In Sanllago d. Cnmposhlla 
 
 
"üm...,uu.".. 
Abb. 2 Kluollo des ilnmallgln Hospital Real in Sanllago d. Comno. 
mlln. 150t-t1. Überglngnlll: Gofllt-Rlnllssance (..Eslilo pllllrixcü"). 
am In m. Vlnrung 
schmack dem repräsentativen Charakter des Hauses nngepaßt 
und trägt gleichzeitig dem heutigen Bedürfnis nach Behaglich- 
keit Rechnung. Port: ts und andere Gemälde in der stets deko- 
rativ wirkenden Auffassung vergangener jahrhunderte, Plasti- 
ken und Kunstgewerbe, teilweise altes Mobiliar, in der hlehrzahl 
jedoch neue liinrichtungsstückc, die den historischen Formen 
der spanischen Möbelkunst angeglichen sind, verbinden sich 
mit den bequemen liauteuils, die um Kamin und Raucbtisch 
gruppiert sind, zu einem Ensemble har- 
monischer, gepflegter Wohnkultur. 
Die große 7.ahl von Gesellschaftsrituinen 
entspringt nicht so sehr einer luxur'".'cn 
Allüre, als vielmehr einer praktischen 
Notwendigkeit. Sind die 174 Zimmer 
vergeben, so müssen für die Gäste, zu- 
mal da die Riiumc in den oberen Stock- 
werken ziemlich klein sind, entsprechend 
viele Aufenthaltsmöglichkeiten geschaf- 
fen werden. - Um diesbezüglich noch 
ein übriges zu tun, wurden auch die 
schönen (Bange über den Arkaden der 
Patios mit einladenden Sitzgarnituren 
ausgestattet (Abb. 4). 
Die weitaus meisten Schlafzimmer sind 
modern und zweckmäßig eingerichtet. 
Allerdings sind auch einige Luxus- 
Appartemenls vorgesehen, deren Mobi- 
liar den Fremden die Illusion geben soll, 
in einem Palast vergangener Zeiten ab- 
gestiegen zu sein (Abb. S). Es iibrigt 
sich fast, zu erwahncn, daß das Hotel 
selbstverständlich über alle Einrichtun- 
gen des modernsten Komforts verfügt. 
 

	        

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