Abb. 3. Llnxcr Tuppluh um 1820 (251 : 238 am)
Ullnrrllchlleho: Muslum für angcwlndh Kmm
gung der einzelnen Teile gibt hier die Möglichkeit, den Musterausschnitt
nach jeder Seite hin zu vergrößern oder auch einen
Teil für sich allein zu betrachten, ohne das Wesen der Dekoration
zu verändern; eine Möglichkeit, die bei den einheitlich auf
eine bestimmte Fläche komponierten Savonnerien nicht besteht,
da jeder Teil aus dem Zusammenhang gelöst fragmentarisch
wirken müßtc.
Eine interessante Mittelstellung zwischen diesen beiden grundsätzlich
verschiedenen Kompositionsprinzipien zeigt ein großer
Teppich (Abb. 4), der ein fortlaufendes Grundmustcr von Quadratfeldern
mit einem zentralen Rundmedaillon mit Blattrosette
verbindet. Hier herrscht wohl eine ausgesprochene Zentralkomposition,
doch ohne Beziehung der einzelnen Musterteile auf
einander. Das Mittelstück - ebenfalls einem Quadrat eingeschrieben
l- scheint dem fortlaufenden Muster aufgelegt oder
eingesetzt, das ebenso gut darunter fortgeführt gedacht werden
konnte. Trotz Beibehaltung der Zentralkomposition sind auch
hier die wesentlichen Prinzipien der klassizistischen Dekoration,
die klar überschaubare Abgrenzung der einzelnen Felder und
die Auflösung in selbständig für sich bestehende Teile das Bestimmcnde.
Am klarsten tritt diese Isolicrtheit der Teile und ihre zwar rhythmisch
gegliederte, aber keineswegs notwendig auf einander bezogene
und abgestimmte Anordnung bei Teppichen vor Augen,
von denen der eine das Muster des anderen mehrfach nebeneinander
wiederholt, ohne dadurch den Grundcharakter des Musters
zu verändern. Gemeinsam bleibt auch bei Veränderung des
Musterausschnittes die die Mitte betonende Anordnung und die
Überschneidung des Musters durch die Bordüre, wodurch die
in allen diesen Kompositionen vorhandene Tendenz zur Fortführung
über den Rand hinaus und der ausschnitthafte Charakter
des Innenfeldes besonders betont wird.
Diese Veränderung der Komposition des Innenfeldes an sich hat
notwendigerweise auch ein anderes Verhältnis von Mittelfeld und