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MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst I (1956 / Heft 4)


Abb. 3. Llnxcr Tuppluh um 1820 (251 : 238 am)

Ullnrrllchlleho: Muslum für angcwlndh Kmm

gung der einzelnen Teile gibt hier die Möglichkeit, den Musterausschnitt

 nach jeder Seite hin zu vergrößern oder auch einen

Teil für sich allein zu betrachten, ohne das Wesen der Dekoration

 zu verändern; eine Möglichkeit, die bei den einheitlich auf

eine bestimmte Fläche komponierten Savonnerien nicht besteht,

da jeder Teil aus dem Zusammenhang gelöst fragmentarisch

wirken müßtc.

Eine interessante Mittelstellung zwischen diesen beiden grundsätzlich

 verschiedenen Kompositionsprinzipien zeigt ein großer

Teppich (Abb. 4), der ein fortlaufendes Grundmustcr von Quadratfeldern

 mit einem zentralen Rundmedaillon mit Blattrosette

verbindet. Hier herrscht wohl eine ausgesprochene Zentralkomposition,

 doch ohne Beziehung der einzelnen Musterteile auf

einander. Das Mittelstück - ebenfalls einem Quadrat eingeschrieben

 l- scheint dem fortlaufenden Muster aufgelegt oder

eingesetzt, das ebenso gut darunter fortgeführt gedacht werden

konnte. Trotz Beibehaltung der Zentralkomposition sind auch

hier die wesentlichen Prinzipien der klassizistischen Dekoration,

die klar überschaubare Abgrenzung der einzelnen Felder und

die Auflösung in selbständig für sich bestehende Teile das Bestimmcnde.



Am klarsten tritt diese Isolicrtheit der Teile und ihre zwar rhythmisch

 gegliederte, aber keineswegs notwendig auf einander bezogene

 und abgestimmte Anordnung bei Teppichen vor Augen,

von denen der eine das Muster des anderen mehrfach nebeneinander

 wiederholt, ohne dadurch den Grundcharakter des Musters

 zu verändern. Gemeinsam bleibt auch bei Veränderung des

Musterausschnittes die die Mitte betonende Anordnung und die

Überschneidung des Musters durch die Bordüre, wodurch die

in allen diesen Kompositionen vorhandene Tendenz zur Fortführung

 über den Rand hinaus und der ausschnitthafte Charakter

 des Innenfeldes besonders betont wird.

Diese Veränderung der Komposition des Innenfeldes an sich hat

notwendigerweise auch ein anderes Verhältnis von Mittelfeld und
            
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