Abb. 4. Ruine Landsec im Burgenland. Die Festung wurde im Jahre 1722 durch Brand zerstört. Um den Bcrgfrir, der
das Zentrum des mittelalterlichen Bauwerks bildet, legten sich im Laufe der Jahrhunderte Gräben und ein vierfacher
Mauerring. Heute ist die Anlage eine „schöne Ruine" geworden, die freilich auch der Konservierung bedarf.
umgebenen Herrensitzen kamen die jagd- und Lustschlösser des
Barocks, die mitunter - wie zum Beispiel Halbturn im Burgenland
- mit den kostbarsten Fresken geschmückt wurden und
das Gepräge gesicherter Macht und froher Festlichkeit trugen.
Damals wuchsen allenthalben Prunkbauten aus dem Boden.
Die Öffentlichkeit wurde in jüngster Zeit wiederholt auf den
fortschreitenden Verfall des Denkmälerbcstandes, insbesondere
der Burgen und Schlösser, aufmerksam gemacht. Die Ursachen
des Schlössersterbens sind leicht einzusehen. Burgen und Schlösser
haben außer der Wehraufgabe auch ihre einstmals zentrale
verwaltungspolitische Rolle eingebüßt. Die Behörden haben ihren
Sitz ausnahmslos in den Städten, und nur dann zog der Bezirkshauptmann
in ein Schloß ein, wenn dieses in der Stadt lag. Die
Gerichte und Finanzämter haben ihre eigenen Amtshäuser. Dazu
kommt, daß die Schlösser vielfach ihre wirtschaftliche Basis, den
Grundbesitz, verloren haben, Burgen und Schlösser sind heute
ohne Herren. Sie sind, selbst wenn sie noch einen „Besitz" darstellen,
herrenloses Gut, sie sind Wraks, über die die Zeit hinweggegangen
ist.
Allein in Niederösterreich sind rund 350 bewohnbare Burgen und
Schlösser erhalten, Bauten mit zum Teil hoher künstlerischer
oder historischer Bedeutung, die aber nur einen Teil der ehemals
vorhandenen Objekte ausmachen. Einen Begriff von den Schwierigkeiten,
vor denen die Denkmalpflege heute steht, gibt die Tatsache,
daß etwa 10 Prozent dieser Bauten sich in einem sehr betrüblichen
Zustand befinden und teilweise sogar von unmittelbarem
Verfall bedroht sind. Schloß Niederweiden, auf Fischer
von Erlach zurückgehend, konnte in letzter Minute gerettet
werden.
Aufwendungen für die Schallaburg wurden durch die Besetzung
10
des Landes verhindert. Aus demselben Grund befindet sich der
„Blaue Hof" in Laxenburg in einem katastrophalen Zustand. Andere
kriegsbesehädigte Schlösser, wie die XVeilburg, mußten aufgegeben
werden. Halbturn ist eine Ruine, lediglich der Mittelteil
mit dem Maulpertsch-Fresko, wurde gesichert.
Der Kern des Problems liegt darin, daß Burgen und Schlösser
ihren ursprünglichen Daseinszwcck verloren haben. Als Wohngebäude
für den Eigentümer sind sie meist zu umfangreich, als
daß Instandhaltung und Pflege allein durch diese Zweckbestimmung
gerechtfertigt würde, zumal das Personal fehlt. Es entspringt
jedoch aus der kulturellen Bedeutung dieser Denkmale
die Verpflichtung für die Nachkommen, die heute noch vorhandenen
Bauten zu erhalten. Es ist daher notwendig, in jedem einzelnen
Fall eine neue Zweckbestimmung, einen neuen Daseinsgrund
zu finden. Es soll nicht verschwiegen werden, daß dies
für eine ganze Reihe von Burgen und Schlössern bereits geglückt
ist. Einige Beispiele: Marchegg wurde von der Stadtgemeinde
erworben, sie wird das Schloß ausbauen; die Burg Liechtenstein
verwalten die Pfadfinder. Einige Schlösser wurden in Erholungsheime
umgewandelt, andere, hauptsächlich in den westlichen
Bundesländern, dienen als Hotels. Manche, bei denen die
Voraussetzungen gegeben waren, sind zu Altersheimen, andere
wieder zu Museen, zu Schulen oder Lehrlingsheimen geworden.
Aber wenn diese bedeutende Kultursubstanz, welche Burgen
und Schlösser für das Bild unserer heimischen Landschaft
und für das Geschichtsbewußtsein darstellen, erhalten und
gerettet werden soll, so muß hier sofort die staatliche und die
private Initiative zusammenwirken, denn die Situation ist mehr
als beunruhigend oder sorgenvoll, sie ist an vielen Punkten
katastrophal. -dr