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MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst II (1957 / Heft 3)

Sie halfen sich bei Versteigerungen armseliger Nachlässe, auf

stillen Dachbodenjagden, durch Beschwören einer gutmütigen

Zimmerlrau, die ihren alten Sofaspiegel ausrahmte, zugunsten

eines schneeweißen Skigeländes, das sich dann im feierlichen

goldenen Eierstabrahmen wunderlich genug ausnahm. Ein Maler

 mußte sich das Lob des Kritikers, er hätte zwei wunderschöne

Rahmen ausgestellt, wohl oder übel gefallen lassen. Besonders

findig war ein junger Künstler, der drei Bilder gleichen Formats,

 aber nur einen einzigen Rahmen einsandte und ersuchte,

man möge allwöchentlich das Bild austauschen.

Hier mul". der Schreiber dieser Zeilen ein Geständnis machen. Er

lebte damals in München, die Not der armen Schwabinger Maler

 ging ihm nahe, so nahe, daß er in einer stillen, aber inspirierten

 Stunde den „elastisehen" Rahmen erfand: vier einfache

Ecken aus Blech, an Stelle der Leisten aber teleskopartig ausziehbare

 Bleehhülsen, mittels deren der Rahmen jeglichem Format

 gerecht werden könne. Frohgemut begab sich der Erfinder

zum Patentamt, um seine Idee anzumelden und zu sichern. Dort

aber entgegnete man mild: vier gewöhnliche Holzleisten, mit

Ölfarbe bestrichen, kämen, auch in größerer Zahl, immer noch

billiger als der Patentrahmen . . . Und auch ein Schwabinger

Maler, vom Erfinder schüchtern befragt, hatte nur ein nachsichtiges

 Lächeln.

S0 verstarb der „elastisehe" Rahmen, noch ehe er ins Leben

getreten war. Wenn ich aber heute gedankenvoll einen durchaus

nicht üppigen Rahmen betrachte. der fast genau die Hälfte des

Betrags gekostet hat, den der Maler für das Bild verlangt und

bekommen hatte, denke ich mit gerührtem Vatergeiühl zurück

an meinen nie geborenen „Elastischen"l Und immer noch geht

es uns Europäern besser als den Amerikanern: ein Wiener Maler,

der in den USA lebt, klagte mir, daß es dort überhaupt keine

Rahmenmacher mehr gebe, nur Fabrikserzeugung in Serien, zu

normiertem Format. Brauche man einen Rahmen in anderen Maßen,

 so sei man völlig hilflos - und wieder mußte ich da an

meinen „Elastischen" denken: am Ende kommt doch noch einmal

seine große Zeit?

VOM

WEG

DER

JUNGEN

Wie leicht macht man es sich doch, wenn man sich mit dem Begriff

 der „modernen Kunst" (sofern es einer ist) begnügt, einige

Weisheiten oder Gemeinplätze über ihre sechzigjährige Entwicklung

 und deren Resultate zum Besten gibt, sie entweder mit

Lorbeer umkränzt oder als Mißwuchs abtut und damit schon

glaubt, sich für die Fragen der Kunst von heute hinreichend

eingesetzt zu haben. Wenn es so einfach wäre, lohnte es sich

eigentlich gar nicht, viel über den Weg der jungen nachzudenken.

 Dann nämlich würde sich ohnedies bei ihnen alles früher

oder später von selbst ergeben, weil es ja schon in den vorherigen

 Stadien der Entwicklung vorgezeichnet wäre, nur noch ins

Bewußtsein zu treten hätte und von der sich klärenden Formkraft

 ins Programm der Tätigkeit aufgenommen werden müßte.

In Wahrheit liegen die Dinge jedoch anders. und gerade heute

scheiden sich die Geister unter den jungen mii einer Deutlichkeit,

 die nichts zu wünschen übrig läßt. Sie scheint alle Vorstellungen

 vom jungsein über den Haufen zu werfen, da es gerade

die Besten unter den jungen sind, die keineswegs in einem angeblich

 der Jugend angemessenen „Enthusiasmus" und Überschwang

zu Werke gehen, sondern sich in einer fast unvorstellbaren Disziplin

 dem „Maß" verschworen zeigen. Nur die landläufig „jugcndliehen"

 halten es noch mit dem „sich Verströmcn", das häufig

 nichts als ein Sich-gchen-lassen ist.

Die Erklärung hierfür liegt darin, daß im Grunde das, was man

jOIIANNES AURAMIDIS

lolmntles ÄvrßlllißliS. griechischer Nationalität, aber 1922 in der Sowjetunion

 geboren, ist eine Erscheinung. deren Eindruck man sich schwerlich

 entziehen kann. l'on diesem Gesicht liest man Klarheit, Ernst

und eine gewisse Strenge ab, ohne daß jener Ernst etwas Aggressives

hätte. Er ist mit einer stillen Gelassenheit gepaart. und die Strenge

stellt sichtlich ntehr Ansprüche an Avrrnirlis selber als die eruieren

Schon mit I5 ]ahren trat der Knabe in die russische „Staatliche Kunstschule"

 in Itatomn ein. wo er von 1937-1939 studierte und. wie er

selber sagt, vom ideulugisrhen Unfug abgesehen, „handwerlalicl: eine

anständige Arbeit" lernte. Nach einem kurzen Zzvisclaenspiel in Athen

kam er 1943 nach U"ien. xvu er von 1945-1949 bei Prnf. Andersen.

anschließend zwei ]al1re bei Prof. Eigenberger und von 1953-1956

bei Prof. lWrrtrnba seine Studien forlsetxte. Man kann also nicht nur

nicht behaupten, daß er sie [tüchtig betrieben habe, sondern sich bei

einiger Phantasie auch rarslellen, daß in einer sulchen Natur und imter

solchen Reifebedingungevz für die neclaischen Bohävne-Srherze eines

„lustigen Künstlervülkrhens", für die makahren des Nihilismus und

„llxistentialismxtf oder gar für getrisse Kluhsesselalltirelz mancher

jugendlicher, die sichtlich das mühe- und kostenlose llerumgereichtwerden

 in der halben freien lFelt nicht gut vertragen. kein Platz ist.



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