schmolzen, durch welche die Ringe für die Hängeketten gezogen
werden können. Der Fuß der Lampen ist entweder ein niedriger
Ringwulst oder aber in der Art eines Kegelstumpfes erhöht.
Als Material verwendeten die Künstler des Mittelalters Glas, auf
das sie mit großer Geschicklichkeit Ornamente mit Emailpasten
auftrugcn. Zur Erhöhung der Pracht wurde das Glas gewöhnlich
noch vor der Emaillierung vergoldet. Bei den im Österreichi-
schen Museum für angewandte Kunst verwahrten Exemplaren
ist die Vergoldung allerdings zum größten Teil abgetragen,
doch lassen sich Reste davon vor allem bei Ansicht von innen
her noch deutlich erkennen.
Das Glas, aus dem die mächtigen Ampeln geformt sind, ist mit-
unter leicht grünlich, seine Struktur in der Regel verhältnis-
mäßig dick, blasig und öfter auch mit Schleiern durchsetzt. Eine
solche grobe Struktur wäre europäischen Glaserzeugern ein
Greuel, bietet aber den Vorteil, daß das Glas gegen Druckver-
ändcrungen weniger empfindlich ist, weil die Schwingungen, die
durch eine eventuelle Erschütterung ausgelöst werden, eben in-
folge der vielen Bläschen in der Glasmasse aufgefangen werden.
Diese Eigenschaft macht die Gläser auch für den Versand ge-
eigneter.
Eine knapp vor der Jahrhundertwende durchgeführte Analyse
der Glasmasse ergab überraschende Resultate: Die Substanz
wies unter anderem einen großen Anteil - vier Prozent - an
Magnesia auf. Ein solcher Magnesiagchalt deutet auf den dolo-
mithaltigen Sandstein Syriens als Ausgangsmaterial der Glas-
produktion hin, entspricht dagegen nicht dem Sande Ägyptens.
Daher kommen als Produktionssorte auch der Lampen, die in
Ägypten gefunden wurden, vor allem syrische Stätten, z. B. Da-
maskus und Aleppo, in Frage. Ob die ägyptischen Lampen, die
dort zum Teil in Moscheen aufgehängt waren, wie unsere „Bar-
quq-Lampe" und die Lampe des Sehaichu, als Fertigwaren aus
Syrien exportiert wurden oder 0b die Ampelkörper erst in
Ägypten ihren Emailschmuck erhielten, läßt sich nicht ent-
scheiden, da in Kairo selbst auch Glasbläser und Emaillierer
tätig waren.
Die Emailpasten, welche zur Ornamentierung gebraucht wurden,
bestehen im Wesentlichen aus Bleiglas, dem zur Färbung ver-
schiedene Metalloxyde beigemengt wurden. Rot gewann man mit
Hilfe von Eisenoxyd (Rost), Grün mit Kupferoxyd, Weiß mit
Zinnoxyd, Gelb mit Antimonsäure. Eine Ausnahme bildet die
gern verwendete blaue Farbe. Sie setzt sich aus Bleiglas und
zerstampfter Lapislazulimasse zusammen.
Die Vergoldung wurde mit einem Blattgold ausgeführt, das in
der Zusammensetzung unserem heutigen Muschelgold entspricht.
(Das Muschelgold hat seinen Namen von der Gepflogenheit der
mittelalterlichen Goldschmiede, das Blattgold in muschelähnli-
chen Behältern aufzubewahren.) Beim Arbeitsvorgang wurde ge-
wöhnlich die ganze Oberfläche des Glases vergoldet und einem
leichten Brande ausgesetzt. Über der Vergoldung wurden die
Emailpasten aufgetragen und mit einem zweiten, endgültigen
Brande befestigt. Diesen Arbeitsprozeß kann man an vielen
Stücken noch erkennen, wenn man die Glasoberflächc von innen
her betrachtet, weil sich unter den meist opaken Emailfarben die
Vergoldung erhalten hat. Daneben kommt es aber auch vor, daß
nicht die ganze Oberfläche des Glases, sondern nur die zwischen
Ornamenten freibleibenden Stellen vergoldet wurden.
Die äußere Form der Gefäße brachte eine natürliche Unterteilung
der Oberfläche in zwei auffallende Zonen, die Halszonc und die
Henkelzone mit sich. Weniger ansehnlich sind die Schulter und
der Ablauf. Eine nicht unbeachtliche Unterteilung ergibt sich fer-
ner durch die Ösen der Henkel, die häufig in Linsenformcn oder
in sogenannten „Normannenschilden" eingefaßt sind.
Das bedeutende Ausmaß, in dem arabische Schriftzeichen in
der Ornamentik gebraucht wurden, erklärt sich aus der Stellung,
welche die arabische Sprache im Islam genießt. Ist sie doch die
Sprache, in welcher Allah selbst nach mohammcdanischer Über-
lieferung zu den Menschen gesprochen hat und in der er ihnen
den Islam, das ist die „Hcilslehre", verkündigen ließ. Denn, so
heißt es in Surc 12, Vers 3: „Siehe, wir haben das Buch als
arabischen Koran geoffenbart, damit ihr es versteht." „Koran"
heißt zu deutsch „Lesung", und ein Andersgläubiger würde dieser
Stelle nur entnehmen, daß Mohammed zu Leuten seines Volkes
so gesprochen, weil er ihnen im Gegensatz zur christlichen, jüdi-
schen und vedischcn Tradition eine nationale, auf rein arabischen
Überlieferungen beruhende Religion schaffen wollte. Die Mo-
hammedancr gehen indessen in ihrer Auslegung weiter. Sie glau-
ben, Allah habe zu Mohammed, dem „Siegel", das ist dem letzten,
aus der Reihe der Propheten wirklich arabisch gesprochen und
deswegen sei die arabische Sprache und die arabische Schrift be-
sonders herrlich und heilig. Dieser Glaube an ihre „Heilige
Schrift" hat ja später wesentlich dazu beigetragen, daß die Völ-
ker, welche von den arabischen Erobercrn überrannt wurden,
mit dem Islam auch die arabische Schrift annahmen. - Um Irr-
tümern vorzubeugen, muß man hinzufügen, daß Mohammed in
Abb. 3. Moscheelampe mit Widmungsinschrift des
Schaichu in der Henkelzene. Am Halse Spiralranken
mit Teilen des Koranverses 24, 35, unterbrochen von
runden Medaillons mit dem Wappen des Schaichu.
Schaichu war ein hoher königlicher Beamter in Kairo,
der 1357 n. Chr. starb. Oberer Durchmesser des Halses
(Mündung) z 24-5 Cm- Ösierr. Museum I. angewandie Kunsl.
seinen Offenbarungen nicht die Stimme Allahs selbst gehört hat,
sondern, wie er selbst ausführt, seine Befehle vom Erzengel
Gabriel empfangen haben will.
Die Verbindung von Schriftzügen mit arabesken Ranken findet
sich sehr schön an der Halszone der Lampe des Schaichu. Hier
rollen breite Spiralranken in mehrfachen Windungen am Grunde
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