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MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst II (1957 / Heft 4 und 5)

Abb. 5. „Sitzende Figur",

Kalkstein, 1949

Ähnlich wie der „Denker"

 ist auch diese

weibliche Figur von ihren

 kubischen Grundelementen

 her gebaut, aber

schon um ein paar Grade

 stärker der architektonische

 Charakter des

Ganzen unterstrichen. Die

Art, in der links neben

dem nur noch in seinem

Oval betonten Gesicht

und dem Sockel des Halses

 das „Plä-IEIP" als profilierter

 Pfeiler aufsteigt

oder sich auch herabsenkt,

 moduliert den

„Bau" der Figur nicht

weniger als die seitlich

niederfallenden und sich

verschränkenden Arme.



einer blockartig strukturierten figuralen Architektur an, das in

dem gleichfalls aus dem Stein gehauenen, von 1949 bis 1953

immer wieder bearbeiteten und schließlich zu einer geradezu

federnden Sieghaltigkeit gespannten „Schreitenden" seine Krönung

 findet. Der große „Gchende Mann" in Bronze jedoch, der

auf der Biennale von 1952 den Namen „Ciclope" trug, oder die

einem zerklüfteten und von Riesenhand in die Landschaft gesehleuderten

 Gebirge ähnelnde liegende Figur in Konglomerat

von 1951, die dann in der von 1953 schon wieder überholt und

ins „Schwebende" gewandelt und veredelt scheint, sind die

eigentlichen Zeugnisse der ganz überflüssigerweise so viel umstrittenen

 Blockperiode.

In dieser ging es Wotruha ja gar nicht um ein plastisches Prinzip

 an sich, gegen das man sich zur Wehr zu setzen hätte, sondern

 vielmehr um die Herausarbeitung und gleichzeitige Überwindung

 eines nicht nur für ihn drängenden und bedrängenden

menschlichen „ZustandsbildesT Der immer wieder vertuschten

Hinfälligkeit oder gar Verlogenheit allen traditionellen Gepränges,

 also des gleißnerischen Aufputzes einer zumindest rat- und

haltlosen Gegenwart durch erhorgte Posen und Effekte, setzt

er die gleichsam einem urhaftcn Sein abgctrotzten Blöcke entgegen,

 die nun erst aus sich heraus Form und Gestalt erobern

 müssen.

Er selber hat übrigens diese neue Gestaltgewinnung Zug um

Zug vorgeleht und durchgeführt. Das Ungefüge und Zyklopenhafte

 eben des Ertrotzten, das eigentlich nur Panzer und Abwehr

 ist, weicht ganz allmählich einer sehr leisen und gelösten

Selbstverständlichkeit, in der nach und nach aueh das Runde

und Gcfäßhafte, das trotz Dünnwandigkeit der Schale von seiner

eigenen schöpferischen Fülle und Würde her Geschützte einen

bis dahin in Wotruhzts XVerk noch nie gewährten Platz erhält.

Viele Zeichnungen und einige der Bronzeköpfe seit 1955 sind

von dieser Art. Auch die bei aller Monumentalität ungewöhnlich

 sensible Figur der „Mutter mit Kind" in Kalkstein von 1953,

die im 19. Bezirk in der Silbergasse 4 Aufstellung fand, oder die

1953 bis 1955 entstandene große „Stehende Figur" aus dem gleichen

 Material, hahen hier gültige Beweiskraft.

Der leider viel zu hoch montierte große Figurenfries am Matzleinsdorfcr

 Platz, ein ungleich besser verlegtcr kleinerer Pries

über dem Tor zu einer Linzer Schule und nicht zuletzt die dunkelgraue,

 siebenteilige Betongußplatte mit der Gestalt des Christus

 von 1956, die über dem Nordeingang der Pfarrkirche von

Salzburg-Parsch der Architekten-Arheitsgruppe 4 schwebt, machen

 erst reeht dcn großen Wandel in Wotrubas Gestaltungssprache

 deutlich. Dieses letztgenannte Bildwerk ging gewiß

nicht aus einer konfessionellen Absicht an sich hervor. Doch

Maß, Gestalt und Ausdruck der Figur sind von so unvergleichlich

 schlichter Einfachheit und Klarheit, daß sie auch das

Höchste, ob es nun geglaubt und gewollt ist oder nicht, lebendig

 gegenwärtig machen.

ÖSTERREICHISCHE MALER IN DREI KONTINENTEN

AUSSTELLUNGEN NEUER KUNST lN BERN,

TOKIO, SAO PAULO,

TURIN

Noeh nie in der langen Geschichte der Kunst war es den Schaflenden

 gegeben, sieh eines so welteinheitliehen Stils zu bedienen

wie heute. Aus dieser Möglichkeit, unter allen geographischen

Breiten von einem vielleicht noch kleinen, doch höchst aufnahmebereiten

 Kreise verstanden zu werden, ist alle Anstrengung zu

verstehen, möglichst rasch über die Grenzen hinaus zu gelangen,

sich die Bahn zur Anerkennung im eignen Lande auf Umwegen

über Venedig, Paris, Sao Paulo, Tokio. oder wie immer die

Schauplätze internationalen Wettbewerbes heißen mögen, zu erkämpfen.

 Von einer solchen Ver-Sacrum-Fahrt österreichischer

Maler abstrakter Richtung nach Paris, - Ort der Demonstration:

die Galerie Arnaud, - haben wir in unserer letzten Nummer

berichtet. Kritische Wertungen von „Le Monde", „Comhat",

„Arts", und „New York Harald Tribune" liegen vor. Es darf

gesagt werden, die Arnaud-Ausstellung war mehr als nur ein

Anfang.

Man darf weiter sagen: noch niemals seit 1945 ist, was zeitgenössische

 Kunst betrifft, von österreichischer Seite eine so umlangreiche

 Ausstellungs-Aktivität entfaltet worden, wie gerade

im Jahre 1957. Aus dem vergangenen ragt noch in dieses die

große von Direktor Sandberg, Stcdelijk-Museum, Amsterdam,

zusammengestellte gesamtösterrcichische Bilanz herüber. Als repräsentative

 Wanderausstellung gedacht, reiste die Sandberg-Kollektion

 über das van Abbe Museum, Eindhoven, in

die Schweiz, wo sie, um zahlreiche Werke verkleinert, in der

Kunsthalle Bern gezeigt wurde, um gegenwärtig im Kunstmuseum

 St. Gallen die Endstation zu erreichen. Über die sehr persönliche

 Auswahl der Werke ist, pro und contra, viel geschrieben

worden. In Kreisen der Kunstpolitiker und Kunsthändler gilt

Sandberg als arbiter clegantiarum. Sein Urteil wird eifrig kolportiert.

 Einem Künstler, dessen Werke einmal die Schwelle des

Stedelijk-Museum passiert haben, stehen die besseren unter vielen

Galerien der westlichen Welt offen. _

Dieses Jahr bringt, neben den schon besprochenen, noch weitere

zwei internationale Ausstellungs-Großunternehmungen: die Biennalen

 von Tokio und von Snn Pnulo. Die erstere wurde schon am
            
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