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MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst II (1957 / Heft 7 und 8)

Blick i

1 den Marmorsaal



Stuckreliefs, die die Längswände schmücken, weitergeführt. Den

meisten Personifikationen ist der Zirkel als Attribut beigegeben,

ein deutlicher Hinweis, daß es sich um Künste und Wissenschaften

 des Messens und des Maßes handelt.

Neben diesen großen Reliefs befinden sich noch vier kleine, die

an den Enden der Längsseiten angebracht sind. Sie stellen Putten

 mit den Attributen der vier Elemente dar. Im Westen finden

wir Feuer und Wasser, im Osten die Darstellungen von Luft

und Erde.

Was bisher seinem Ideengehalt nach aufgezeigt wurde, ist in

die festliche Pracht und in das bunte Gewand leuchtender Farben

 gehüllt. Zwei farbige Grundwerte sind es zunächst, die den

Gesamteindruck des Saales bestimmen. Dem intensiven Rotbraun

 des marmornen Fußbodens antwortet von oben eine kräftige

 Farbigkeit, die von den figuralen Frcskenfeldern der Decke

ausstrahlt. Diese aber sind Durchbrüche in einem goldenen

Deckengrund, der hinter den in Steingrau gemalten architektonischen

 Rahmenelementen der Deckenkonstruktion immer wieder

 aufleuchtet. Im Hauptfresko selbst aber geht alle Farbwirkung

 von dem Goldglanz der Apollogruppe aus. Vor diesem

Hintergrund scheinen alle übrigen Figuren kräftiger, konturiertcr

 und aus dem Lichte hcrnicderschwebend.

Zwischen den Gold- und Rottönen der Decke und des Bodens

liegen die zarten Farbnuancen der Wände. Sie sind vorwiegend

mit graugrünen und zartrosa Tönen stuckiert. Hiezu stehen die

weißen Glanzstuckreliefs und die schwarz wirkenden Bilderwiindc

 in einem kräftigen Kontrast. Alle Wandteile aber überziehen

 in bewegtem Rhythmus vielfach verschlungene lineare,

netzartige und pflanzliche Ornamente. Ihr Goldglanz mit seinen

aufhlitzenden Lichtern korrespondiert mit dem Goldgrund der

Decke und erweckt die Faszination, als riesele geheimnisvoll

und unhörbar ein ständiger Goldregen von oben über die Wände

nach unten hin.

Der reiche und durchgegliederte Ideengehalt, der in den architektonischen

 Mafl- und Zahlenverhältnissen und in der Farbcnsymbolik

 des Raumes eine überzeugende sinnliche Repräsentation

erfährt, weist in allem und jedem über die Zweckbestimmung

einer bloßen Bildergalerie weit hinaus. Die wenigen Tafelbilder

in den drei mittleren Kompartimenten der Westwand rechtfertigen

 diese Bezeichnung nicht. Ihre Funktion liegt vielmehr darin,

die Malerei „als der Architectur getreue (iehülffin" in ihrem

vollen Umfange, d. h. in ihren verschiedenen Gattungen -

Historie, Stilleben und Landschaftsbild - vorzustellen. Wie aber

die Mitte der Decke aussagt, ist der Saal in erster Linie Apollo

gewidmet, der ein Gott aller schönen Künste ist, aber auch der

Wissenschaften, der Harmonie und des göttlichen Lichtes. Damit

ist eindeutig auf den untrennbaren Zusammenhang von Kunst,

Wissenschaft und Moral hingewiesen. Ein bedeutendes und wesentliches

 Motiv der barocken Weltanschauung ist hier veranschaulieht,

 das nicht ohne bewußte Anspielung auf die Neigungen

 und Interessen des Bauherrn verstanden sein will. Das

Apollinische gleicht dem Lichte, es wird daher als Ganzheit

und Summe aller bildenden und bildnerischen Kräfte verstanden.

 Im Lichte und unter dem Schutze des Phöbus Apollo gedeihen

 die Ideale des Wahren, Schönen und Guten. Sie allein

helfen die Laster zu überwinden und die dionysische Ausschweifung

 zu bannen.

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