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MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst II (1957 / Heft 7 und 8)

ATTRIBUT DES GLANZES UND DER WÜRDE

ZUR PORZELLANSAMMLUNG DES HAUSES SCHWARZENBERG

Von IGNAZ SCHLOSSER

Große Vitrine mit ostasiatisehem Porzellan des 17. bis

18. jh. In der mittleren Etage frühes Wiener Porzellan.

Nichts bringt so sehr die Vergänglichkeit aller Dinge zu Bewußtsein

 wie die Dezimierung der Porzellanbestände selbst fürstlicher

Haushalte. Aber manch Interessantes ist dann doch noch der

Unzulänglichkeit menschlicher Hände oder einem anderen unfreundlichen

 Schicksal entgangen. Aus der Privatmanufaktur Du

Paquiers gibt es eine Deckeldose mit Hunden auf dem Deckel, die

Dose steht auf acht kleinen Füllen und hat Tiermasken als Griffe;

die Kanten der Dose sind sphärisch eingezogen, und als Bernalung

 trägt sie bunte chinesische Blumen. Sicherlich ein recht

frühes Produkt der jungen Porzellanmanufaktur, von einer ruhrenden

 Unbeholfenheit. Etwas später anzusetzen ist die Tischglocke,

 die mit bunten deutschen Blumen bemalt ist und deren

Griff von einer Schlange gebildet wird mit einem ergötzlich aussehenden

 Kopf.

Bei der Porzellanplastik aus den ersten Dezennien der zweiten

Hälfte des 18, Jahrhunderts überwiegen in der Produktion .der

Wiener Porzellanmanufaklur die zivilen Themen weitaus die

militärischen, und dieses Verhältnis bleibt auch hier gewahrt. Es

gibt eine ganze Reihe sogenannter Baumgruppen - ein Lieblingsthema

 der Wiener Manufaktur -, unter einem Baum mit

reichern Laub gruppieren sich Kinder oder Erwachsene, rastend,

erntend, Schafe hütend oder nach der Gartenarbeit. Das zweite

beliebte Thema, die Kaufgruppen - charakteristische Wiener

Volkstypen -, ist gleichfalls vertreten. Den militärischen Sektor

 bestreitet eine allegorisehe Gruppe, die den Kriegsruhm verherrlicht;

 und am reizcndsten von allen die beiden Gcgcnstückc:

Offizier und Trommelbub vor dem Zelt, streng und sparsam in

der Bemalung, bildet das Weiß von Uniform und Zelt den Hauptton;

 dagegen schwelgt die Gruppe der Marketenderin in den zartesten

 Farbtönen dieser Zeit.

Einen Bindestrich zu Ostasien hinüber bilden die beiden großen

Hausmalerschüsseln. Es sind chinesische Porzellanschüsscln mit

einem sparsamen Dekor der grünen Familie, der sich auf den

Rand der Schüssel und auf wenige langgcstrcckte Zweige auf der

Rückseite beschränkt; im Fond der Schüsseln sind in Unterglasurblau

 einige Glückssymbolc angebracht.

Der verhältnismäßig große leere Raum auf den Schüsseln bildete

für den Hausmalei- einen willkommenen Anreiz für eine zusätzliche

 Bemalung. Als Hausmaler werden jene Leute bezeichnet,

die keiner Fayence- oder Porzellanmanufziktur angehörtcn. Den

Fond der Schüsseln rund um die koballhlauen Glückssymbole

füllte er mit Chinoiserien in Eisenrot, den noch freiblcibenden

Streifen gegen den Rand zu teilte er in vier Teile und malte

zwischen langgestreckte Felder mit chinesisch anmutenden Architckturveduten

 große Chinesen und Drachen in Schwarm-et

und Gold. Der Verfertiger dieser Arbeiten ist wohl in Wien zu

suchen, er unterscheidet sich von manchem andern Hausmaler

dadurch, daß er scin hohes Können anonym ausübte.
            
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