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MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst II (1957 / Heft 9 und 10)

Alfred Almnuvvier (geh. 1911). „Limnics Vcspcrnlca".

01, 1951.

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dem entgegen. In unserem Jahrhundert jedenfalls wird das Auge

zunehmend durch eine Unzahl billiger Verlockungen überfültert

 und zugleich zu einer derart nüchternen Wachsamkeit verhalten,

 daß von ihm als einem „Tor der Seele" kaum mehr die

Rede sein kann. Ein Registrierapparat auf der einen und ein Spürhund

 der auf allerlei Reize gierigen Nerven und Sinne auf der

anderen Seite, zeigt es sich nur noch dem Leiehtverständlichen

gewogen und widerspenstig gegen alles, was eine eingehende und

sich versenkende Betrachtung fordert.

Entgegen diesem allgemeinen Zug zur Oberfläche mit ihrer

exakten optischen Meßbarkeit, die ihrerseits wieder den Zug zur

Oberfläche als der Sicherheit des Greifbnren verstärkt, ist die

schöpferische Einsamkeit der Denker und Künstler nur immer

tiefer in das Wesen der Dinge eingedrungen oder doch um eine

solche Tiefensicht bemüht, schon weil für sie die mit der Einsamkeit

 verbundene Gefährdung der Existenz die Ausschau nach

neuen Ankerplätzen nötig macht. Während also die immer amorpher

 werdende Allgemeinheit sich zunehmend (im Vermassungsprozeß)

 an das angeblich sicher "Reale" klammert, suchen die

Wenigen und Einzelnen die verloren gegangene Kommunikation

mit dem äußeren Vielerlci durch die mit dem inneren Ganzen

zu ersetzen, also statt der dubiosen Sicherheit eine wirkliche Gewiflheit

 und statt der meßbaren Richtigkeit die Wahrheit zu

gewinnen.

Das aber sind nun einmal zwei sehr konträre, zumindest verschiedene

 Prozesse, die man weder moralisch noch politisch auf

einen Nenner, in eine Linie oder auch nur in verständnisvolle

Beziehung zueinander bringen kann. Der größte Teil dessen,

was man als Publkum bezeichnet, marschiert in der Kolonne

der äußeren Realiü sausweitung, der technischen Komfort- und

Konsumvergrößerung. Von hier führt keine Brücke, wenigstens

keine direkte, zur geistigen und bildnerischen Existenzfundierung.



Im gegenwärtigen Augenblick steht jedenfalls die lebendige

Kunst, die nicht etwa, wie vielfach irrtümlich angenommen wird,

die Zeit spiegelt, sondern vielmehr ihrem eigentlichen Sinn die

Zeichen setzt, für sich allein. Sie hat zweifelsohne Freunde in den

Menschen, die wie sie jenem Sinn verbunden leben, aber sie hat

kein Publikum, was Paul Klee mit den Worten „uns trägt kein

Volk" quittierte. Wenn auf Grund dieser Isolierung einige bildnerisch

 tätige Menschen hysterisch werden, eben zum Amoklauf

ansetzen oder sich vom Effektbetrieb der Konsumpropaganda



Emilia Ucdovn (geb. 1919), „Unruhiger Raum",

Öl, 1954.

Das auf Schwarz und Weiß gestellte Bild, in

das nur wenige gelbe, blaue, bräunliche und

grüne Töne eingestreut sind, versinnbildlicht

das Explosive, ohne der Ordnung völlig zu enlraren.

 Die „gesprengtf Fläche gliedert sich in

facettenarlige Fetzen, die dem Bilde eine gewisse

 Struktur verleihen. Die Explosion aber

ist das beherrschende Motiv.

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