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fullscreen: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe II (1867 / 23)

327. 
GB. Suess. Von uns ist, wenn ich nicht irre, unsere Wohlmeinung verlangt werden, 
ob das Museum dahin gebaut werden soll. 
Referent. Nein. 
GB. Suess. Es wurde aber doch eine Commission abgehalten unter Zuziehung 
aller Betheiligten. 
Referent. Wir haben die Entscheidung dem Gemeinderstbe vorbehalten; ich war 
selbst (Tomrnissionsmitglied. 
GB. Suess. Herr Dr. Schrank hat sein Bedauern ausgedrückt, dass das Museum 
so wcit entfernt sei von den Fahriksvorstädten und gewünscht, dass es näher liege an 
den beiden grösseren Fabriksbezirken Neubau und Msriahilf. 
Dier Standpunkt ist ein vollkommen berechtigter; ich glaube, Niemand ist unter 
uns, der diesen Wunsch nicht theilt. 
Sehen wir aber die Sache im concreten Falle genauer an. Die Commission hat sich 
den Ansichten des Herrn Collagen Dr. Schrank angeschlossen und sich zur Unterstützung 
dieser Ansichten auf das ästhetische, oder, wenn ich so sagen darf, auf das Gebiet der 
Architectur begeben; aber ich bedaure, sagen zu müssen, dass die Behauptungen, die man 
hier sufstellte, wenig stichhaltig sind. Einer der grüssteu Fehler, die bei den Neubauten 
der Stadt Wien wiederholt vorgekommen sind, besteht darin, dass man die kleinen Gebäude, 
welche gleichsam die Juwelen der neuen Stadt sein sollten, dadurch erdrückt hat, dass 
man sie neben riesige Massen hingestellt hat. Ein solcher kleiner, einstöckiger Bau ist 
das neue Museum; stellen wir das neue Museum wieder hinter grosse Zinshäuser, so ist 
derselbe Fehler nochmals begangen. Wenn Sie irgendwo zwischen die Biiusermassen 
welche sich vor dem Burgthore entwickeln werden, dieses kleine Gebäude hineinstellen, 
so werden Sie diesen Fehler wiederholen. Im grossten Massstabe wiederholt sich aber der, 
Fehler, wenn, wie die Commission verschlägt, man proponiren wollte, das Museum in die 
unmittelbare Nahe der Franz Josephs-Kaserne zu stellen. Ich kann mir nicht vorstellen, 
wie ein Kunst-Museum unter die Schiassscharten gestellt werden soll; ich halte es für un- 
möglich, ein Kunst-Museum auf einen Exercierplatz zu stellen. Man hat ausdrücklich ge- 
sagt, dieser Platz sei ein ungünstiger, er sei eine Wurst; welches ist aber nach den viel- 
fachen Erfahrungen der letzten Jshrzehente fir derlei Anstalten der praktische Bau? Der 
Bau im Annex, der Wuratbau, wenn Sie wollen. Ein Annex mit einer einfachen Balle ist 
das, was wir am ersten verlangen können, und dann ist dieser Platz gerade vorzüglich 
geeignet: dort können Sie nichts Besseres hinstellen, als einen Annex. Man sagt endlich, 
die Alzssicht von der Terrasse des Cursalons wird gestört. Diese Bemerkung erscheint mir 
sonderbar; es kommt mir das erste Mal in meinem Leben vor, dass man sagt, durch einen 
Museuuibau wird eine pointe de vne gestört; geschmückt wird sie dadurch, nicht gestört! 
Sie bauen ja kein Ziushaus, sondern ein Objcct, das für die Ausstellung von Kunstgegen- 
stiinden bestimmt ist und an und fiir sich selbst ein kleines Kunstwerk sein soll. Der 
Name Ferstel bürgt mir, dass die Sache nicht schlecht ausfallen wird. Man sagte, es werde 
die Aussicht auf die Leopoldstadt verstellt, gibt aber selbst zu, dass nur die Stirnseite 
hinkommen soll. 
Ich behaupte, die Aussicht vom Cursalon aus gegen die Leopoldstadt wird durch 
den sehr geringen obersten Theil des Museums, der überhaupt sichtbar wird, nicht gestört. 
Nicht, wie gesagt worden ist, gekrlinkt wird sie werden, gemildert wird sie; es wird für 
Jeden von uns ein wohlthiitigcs Gefühl sein, neben den mthen Bastillen endlich ein Ge- 
biiude entstehen zu sehen, welches der Kunst des Friedens gewidmet sei. Es ist gesagt 
worden, das Bessere sei der Feind des Guten; wenn es irgendwo isb behaupte ich, ist das 
hier am Platze. Wenn Sie so sehr von der Vorzüglichkeit dieses Museums überzeugt sind, 
wenn Sie die Sachlage kennen, werden Sie ruhig zugeben, dass das der einzige Platz ist, 
wo man das kleine Gebäude isolirt hinstellen kann, wo es nicht erdrückt wird von den 
grossen Zinshßusern. Ich werde dem Herrn Vorredner beistimlnen und lieber sehen, dass 
wir das Museum überhaupt bekommen; wir wissen ja, wie oft es heisst: „Die Gelegenheit 
hat vorne Haare, hinten ist sie kahl"; fassen wir sie, wenn wir es thun können, und wenn 
wir die Gelegenheit haben, ein solches Gebäude in Wien entstehen zu sehen, fördern wir 
die Gelegenheit, vertagen wir die Sache nicht in's Endlose, wie es olme Zweifel geschieht, 
wenn Sie auf den Cornmissiousantrag eingehen; 
GB. Stach. Ich stimme allerdings auch nicht so vollkommen der Commission bei, 
welche ein besonderes Gewicht auf die Aussicht legt, die allenfalls dem Park durch das 
Museum versperrt werden sollte. Obwohl ich nicht zugeben kann, wie von einer Seite be- 
merkt wird, dass durch das neue Museum das Hauptzollamtsgebliude verdeckt würde, son- 
dern im Gegentheile jedenfalls aussprechen muss, dass durch das auch noch so schön aus- 
gestattete Gebäude jedenfalls die Perspective, die der Stadtpark hat, in zwei Theile getheilt 
wird. Das Gebäude wird, rnag auch der Architekt so viel wie möglich sein künstlerisches 
Schaffen an demselben versuchen, immerhin ein ungünstiges Verhältnis); nyyigchgn Höhe
	        

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