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KURT ABSOLON ALS GRAPHIKER
Von JORG LAMPE
Es gibt viele Arten von Graphik, von Zcichcngebung und natürlich
auch von Poesie. Wenn man aber „poetiseh" sagt, so
meint man damit in der Regel etwas Ähnliches wie mit dem
Worte „lyrisch" und einen zarten Zauber, wobei nur leider das
Wort "Zauber" meist nicht ernst genug genommen wird, was
zweifellos ein Nachteil ist. Denn „zauberhafW bedeutet weit
über allen damenhaftcn Salon-Überschwang hinaus eine Aus!
strahlung, die verwandelt oder doch mehr hergibt, als ihr an
„Realität" zugrundeliegt. Zauber also, wenn das doch kurz und
trotz der Abschweifung darzutun erlaubt ist, hat nie etwas mit
dem üblichen Hokuspokus zu tun, sondern er ist vielmehr gerade
dort am Werke, wo das an sich still-verborgene Geheimnis, die
geist- und geisterhafte Wesenhaftigkeit in und hinter jeglicher
lirscheinungswelt zu ihrer möglichst ungetrübten Wirkung
kommt. Wenn daher Novalis „das Äußere ein in Gcheimniszustand
versetztcs Inneres" genannt hat, so ist damit eben das
SpCZlflSChC Verzaubertsein des Äußeren gemeint, was natürlich
nicht besagen will, daß nun auch gleich jedwede Äußerlichkeit
davon betroffen sei.
Gar so weit geht übrigens die Abschweifung dieser Sätze gar
nicht, denn sie bereitet vielleicht doch schon ein wenig darauf vor,
der Schau und der graphischen Bildeweise eines jungen Wiener
Künstlers - und in diesem Falle wird das leider schon zum Titel
degradierte Wort „Künstler" mit voller lrlegung angewandt
-, nämlich des 1925 geborenen Malers und Graphikers Kurt Ab-
solon zu begegnen. Halten wir uns jedoch zunächst noch ein wcnig
bei der Person auf. Absolon hat 1943 maturiert, war anschließend
Soldat, wobei er mit leichten Verwundungen davon kam,
und studierte von 1945 bis 1949 an der hiesigen Kunstakademie
bei Prof. Andersen Malerei, die heute ganz aus seinem Schaffen
verschwunden scheint, doch hoffentlich irgendwann einmal wicder
darin aufgenommen wird.
Die Chancen allerdings für einen völlig unbekannten freien M1-ler
und Graphiker waren 1949 und nicht nur 1949 in einer weitgehend
an der bildenden Kunst desinteressierten Welt derart gering,
daß Absolon zunächst in die Hilfsarbcitertätigkeil am Bau
und in Fabriken hinüber wechseln mulitc, was ihm bei seiner . r
perlichen Konstitution bestimmt nicht leicht fiel. Aber in diesem
zarten Menschen, der jünger wirkt, als er ist, und dessen meist
freundliches Lächeln über seine Ernsthaftigkeit hinwegtfiuscht,
wohnt eine federndzähe Willenskraft, die ihn selber, sein schöpferisches
Bildnertum und die so behutsam wirkende Poetik seiner
Gestaltgebarung gegen alle liährnissc des Daseins abzuschirmen
oder doch zu behaupten fähig ist. Infolgedessen hat Absolon trotz
seiner Erkrankung diese Bewährungsprobe bestanden, wobei ihm
freilich 1955 ein liörderungspreis der Theodor Körner-Stiftung
zu Hilfe kam, der ihm überhaupt erst den Start in ein freies
Künstlerdasein ermöglichte.
Wenn jemand ein solches zusteht, so ist es Absolon, weil er zu
den relativ seltenen Talenten zählt, die, um ein Wort Bismarcks
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