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MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst III (1958 / Heft 1 und 2)

METALLMASKEN IN MITTELEUROPA

Von LEOPOLD SCHMIDT



Perchtenmaskc, aus Eisenblech getrieben,

Salzburg, 18. Jahrhundert. (Städtisches Museum

 Camlino Augusteum, Salzburg).

Metallmasken: Das Wort erweckt im Kenner des Gebietes je

nach seiner archäologischen oder ethnographischen Einstellung

verschiedene Vorstellungen. Er denkt entweder an chinesische

Bronzemaskcn, oder an Mumienmaskcn aus Altägypten, eventuell

 auch an Goldmasken aus Mexiko oder Peru. ' In den meisten

 Fällen ist mit der Vorstellung der starren glänzenden Melallmaskc

 der Gedanke an die Bedeckung von Totengesichtern

verbunden. In dieser Funktion sind Metallmasken ja aus dem

vorgeschichtlichen Europa am besten bekannt, vor allem aus Mykene.

 Die aus Goldblech getriebenen Masken in den Gräbern von

Mykene lagen auch auf den Gesichtern der Toten. jüngere Nachfahren

 dieser mykenischen Totenmasken aus Metall haben sich

weit nördlicher am Balkan gefunden, in Trebenischte am Ochridasee.

 Den teuren Goldmaskcn der hohen Würdenträger der

Bronzezeit im Umkreis der Ägiiis entspricht in unserer Hallstattkultur

 ein bescheidenerer, aber nicht minder wichtiger Fund:

Die bronzene Totenmaskc aus dem liürstengrab von Klein-Glein

in der Steiermarkß

Da geht also ein langer Weg, geographisch, zeitlich und geistig,

von einem dieser Fundorte zum anderen, und wir wissen nicht

immer, 0b wir alle Stationen dieses Totenmaskenweges schon

kennen. Nachlebendes mykenischcs Brauchtum mag bei den



1 Richard Andree, Ethnugraplllrwhe Parallelen und Vergleiche. Bd. tt, Lelpzlg

 1589, S. 125 u. ö.

2 Rlchnrtl Vllllunl. Urgeschichte des Österreichischen Raumes. Wien 1934. S. 620 u. ü.

3 Josef Krim und Hans Klumhueh, Der römische Sehulzlund von Slrnublng.

München 1951.

Thrakern im nördlichen Balkan stagniert haben. Von dcncn ist

es wieder den illyrischen llallstatlleutcn in den Ostalpen weite)"

gegeben worden. Bei diesen wird cs mit dem einen Fund von

Klein-Glein einmal greifbar, also für das 7. Jahrhundert etwa

nachweisbar, um dann wieder völlig zu verschwinden. Bei den

kaukasischen und pontischen Vettern unserer Hallstattlcutc

scheint es ähnlich gewesen zu sein. Auch in den (iräbern von

Kertsch und von Olbia haben sich metallene Totenmaskcn gefunden.

 Dem ganzen Habitus dieser btzsporanischett Kultur entsprechend

 handelt es sich wieder um reiche, um goldene Masken,

und sie lassen sich bis ins 3. jahrhundert nachweisen. Diese Metallmasken

 der frühen Eisenzeit am Schwarzen Meer, am Balkan

 und in den Ostalpen gehören an sich auch noch dem Totenbrauchtum

 an, lassen aber die Frage laut werden: Haben diese

brauch- und spiclfreudigcn Skythen, Thrrtker und Illyrcr nur

Totenmasken gekannt, oder waren ihnen auch Masken des Spieles

 der Lebenden vertraut? Führt von den Metallmasken der Tuten

 ein Weg zu solchen der Lebenden, vielleicht sogar zu deren

Metallmasken?

Da ist nun die Frage am Platz, ob Es einen weiterführenden Faden

 aus dieser Welt der ersten Eisenzeit in die Blütezeit der antiken

 Maske gibt, inwicweit die Mctitllmaske im klassischen Altertum

 selbst eine Rolle gespielt hat. Lfnd es ergibt sich dabei die

Mcrkwürdigkeit, daß für diese Epoche die Nachrichten über metallene

 Totcnmasken dürftig werden, wogegen eine besondere

Gruppe der Metallmaskcn der Lebenden deutlich hervortritt.

Metallenc Totenmasken der Antike haben sich vor allem im römischen

 Gallien gefunden. In den Gräbern von Neuvy-Pailloux

sind bronzene Gesichtsmasken entdeckt worden, ein fragmentiertes

 Stück aus reinem Kupfer wurde mit einer steinernen

Aschenurne zusammen in Luxemburg gefunden. Aus der römischen

 Kaiserzeit stammt eine getriebene und zisclicrte Nliske

aus dünnem Silber, einst in Notre l)amc-d'Alencon bei BFUNIC

gefunden, heute im Louvre verwahrt. Dic Gruppe dieser römischgallisehen

 Metallmasken reicht bis an den Rhein: In Köln

wurde eine eiserne, mit Bronze platticrtc Totenmaske ausgegraben.

 Die römcrzeitlichen Schauspielmasken, die wir gerade auch

aus Köln kennen, sind dagegen aus Ton. Metallmaskcn der Lebenden

 wurden in der Kaiserzeit nicht auf dem Theater, sondern

 in der Reitbahn getragen. Nach und nach stellt sich heraus.

daß es entlang des Limes eine ganze Reihe von liundstiittcn gibt,

an denen getriebene Bronzevisicrc zutage gefördert wurden, die

man als Helmmasken bei Rciterspiclcn dcr römischen Kavallerie

anspricht. Der schönste liund wurde erst vor wenigen jahren

bei Straubing in Niederbayern gemacht." Dort fanden sich sieben

aus Bronze getriebene, einstmals vergoldete Visiere, von denen

vier das typisch apollinische Antlitz dcr Mittelmecrmenschen

aufweisen, und drei dagegen ein östlich gestaltetes, das man wohl

am ehesten als parthisch bezeichnen mag. Es waren also die Masken

 zweier sich bekampfender Parteien. Diese toreutischcn Arbeiten

 sind herrlichstes antikes Kunsthandwerk. Über ihrer hohen

 Qualität. darf man nicht die Frage mich dem Zweck dieser

Masken vergessen, ebenso nicht die Frage nach der zeitlichen

Ansetzung. f Warum es solche Reitcrturnicrmtlsken erst seit dem

l. nachcbristlichen Jahrhundert gibt, laßt sich maskcnkundlieh

offenbar noch nicht entscheiden. Die Parthcrgesichter des St aubinger

 liundcs k"nnten darauf hindeuten, daß die Spiele wie die

dabei verwendeten Masken erst seit der intensiven Bcrührting

f Otto llenntltirl. Knllltr Uesielitshelme und St-pttlkrnltrtttskcn ("Druksrlirlflrn

der k. Akntletllle der Wisseusehuftett. Pltll, lllst. KL, Iltl. XXYlIl. 75H. UHU). 7

Harald von Pt-trlkotlls. Tmlarltt untl (irrantrsttiltz (Festschrift für Hutloll llgger,

Bd. l, Klagenfurt 1952, S. 126 IL}.

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