Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst III (1958 / Heft 1 und 2)

Such um _I. A. PMHH umch (nuwppc (Illlllrßllätßhfl (IN?!

HÖFISCHE

FASCHINGSFESTE IM BAROCKEN WIEI

IRANZ

lADAM1

JWSK

Kaum war das Jahr eingegangen und die Heiligen Drei Känige

mit ihrem Stern hatten noch einmal an die Gehurt des jesuskindes

 erinnert, da begannen die fröhlichsten und ausgelassensten

Wochen des ganzen jahres, der Fasching, und auf die gnadenreiche

 folgte die lustige Zeit, des „Teuffels Lauber-Fest" wie

Abraham a Saneta Clara sie nennt. Kaum waren die Kalender

mit „ihrer papierenen (Jrandezza in die Buchladen eingelollenf

so hat sich alsohald eine llscadrc von Narren und Närrinnen eingelundcnfsolche

 zu begucken und zu schcnfwie lange dieses

gegenwärtige Jahr der Fasching seyc?" und wenn sie sahen, daß

„von Freßhollen bis auf liastenburg" nur „ZClICH 'l"ag-Reis" seien,

da ist ihnen „auf einmal das Maul gehencket", wie ein Zeitgenosse

 Abrahams sagt. Es war, als 0b die Leute „närriseh" geworden

 wären; sie stellten „allerhand Lustbarkeiten,Thorheiten,

Singen, Springen, jauchlzcn, Geigen, Pfeiffen, Laullen, Raulfen,

Saullen, Dänlz und Fressereien" an und waren in ihrer Freude

kaum zu halten. Die „Handwercks-Leuth", die „zu solcher Narren-Zeit

 Haullenweiß auf der Gassen, Strassen und in allem

Würths-Häussern herumb vagiren, die Leuth vexieren, Narren

agiren", gaben dem „Baucrn-Volek" mit „Fressen und Sauilenf

Tantzcn und Springen" nichts nach und unserem Sittenpredig

Abraham, der in seinem „Centifolium stultorum" hundert „Au

bündige Narren" in seiner bekannten Weise darstellt, geißelt u

„in schönen Kupilerstichen" abbildet, bleibt der Fastnachtsn;

die Krone aller Narren, denn wer sich „über die Natur oder Nal

tur zum Narren selbst macht, ist ein doppelter, ja vicreckel

Narr über alle Narren". Und dall ihn nicht der Vorwurf d

Parteilichkeit treffe, findet mAn in seinem vier Jahre später 1

schienenen Werk, der „Mala gallinn", auch die Faschingsnärr

die dem männlichen Part vollkommen gleichkommt.

Tanzen, Musizieren und ausgelassene Fröhlichkeit bei eine

guten Mahl und reichlichem Trunk herrschten nun einmal eini

Wochen im jahr in Wien und die Nikolaizeche, die älteste, v

dem Jahr 1300 gegründete Gewerkschaft der Musiker, hatte a

Hände voll zu tun, darüber zu wachen, daß Unbefugte ihr

Mitgliedern nicht das Brot schmälerten. Leider sind uns die A

ten dieser Vereinigung, die erst unter Josef II. aufgehoben wurc

nicht erhalten, aber welche Fülle von Nachrichten zur Wien

Kulturgeschichte müssen sie enthalten haben!

Eine besondere Note erhält jeder Fasching dadurch, dztß sei
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.