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hinein jeden Spielraum ließen. Auch unser Faschings-'r
trägt ein bunt zusammengcwürfeltes Kostüm: Die weitausende
Mütze kennen wir von den köstlichen Typen der Zanni,
t ältesten Spaßmachern der commedia, die Callot fast hundert
ire früher verewigt hatte; sein Rock triigt ein verändertes Harinsmuster
und die Hose ist mit Spielkarten beniiht, um zu
gen, daß auch das Spiel zu den Faschingslustbarkeiten ge-"te;
an der Seite hat er eine Art Holzschwert, die Pritsche des
rlekin und Hanswurst, ein uraltes Fruchtbarkeitssymbol, mit
n sich, wie Callots Figuren zeigen, allerhand Lazzi ausfühl
ließen; hinter ihm tobt ein ausgelassener Zug, ebenfalls „in
seera". Auch die Kostüme für die Lustbarkeitcn des Hofes,
Kostüme Burnacinis, zeigen diese Mischung von Kostümv
menten, bei denen das Flickengewand des Harlekin fast nie
lt.
n Behörden verursachte der Fasching, in dem es mitunter recht
haft zuging, manches Kopfzerbrechen, insbesondere die Man'-i
waren, zumindest auf den Straßen, immer wieder verboten,
in neben harmlosen Späßen war es auch vorgekommen, daß
er die frohe Karnevalszeit bcnützte, um, in harmloser Maske
ccnntlich, seinen Feind, Nebenbuhler, Gläubiger oder Spielmpan
mit einem geschickten Dolchstoß den irdischen Freut
zu entziehen und ihn der ewigen Freude teilhaftig werden
lassen. Die Stadtverwaltung, oder wie sie amtlich hießen „Die
1 Wicnn", borgtcn bei einem wohlhabenden Bürger einig:
irde aus (die Ausgaben für die „Lehertrosse" finden wir in
i Büchern des Unterkammeramtes, der Finanzverwaltung der
dt in jener Zeit); ihre Knechte ritten nun meist Anfang lieiar
durch die Straßen der Stadt und verkündeten an den wichsten
Orten und auf den Plätzen unter Trompetcnschall einen
uf", der für die Dauer des Fasehings das Tragen von Masken
:l nächtliches Musizieren verbot, um „Ungehörigkeiten und
ordnung" vorzubeugen.
ihrend die Behörden durch Verbote das Maskentragen einzunmen
suchten, zeigten die Chronisten die „crschröcklichen"
lgen grotesker und bizarrer Masken auf, indem sie den Wie-'n
zum Beispiel erzählten, man hätte im Jahr 1544 in den Nie--landcn
„auf offcntlichen 'l'äntzen und Plätzen" so abscheuie
Larven und Masken getragen, daß bald darauf .,einer ehrten
und adclichcn Frauen ein Kind geboren worden mit fun-'nden
und gleichsam feurigen Augen f Nasen und Maul war
ern natürlichen Ochsen gleich ' und auf der Stirn zeigetcn sich
grosse Hörner hervor f an dem Rucken war solches mit lauter
nds-Haaren überwachscnjan der Brust aber sahe man einen
nds-Kopff mit grausamen Zähnen; mit einem Wortfcs ware
lig nach Gestalt deren l.arvcn und Masqueratenlso mztn datnal
gebrauchet". Dieses Kind habe nach vier Wochen mit den
)rten „Wachet 1' weil der HERR euer GOTT herannahct" den
ist aufgegeben; vielleicht ist der Schreiber einem Faschings-.,
der den Aberglauben seiner Zeit ausnütztc, zum Opfer gelen.
zle meinten, es sei ihnen im Fasching alles erlaubt; sie „gehen
he Morgens in das Wirtbshaus] und wann sie voll und toll]
imlen sie in das Caffe-Gewölb und vermeyncnldurch die ge-:nnte
Bohnenfund durch das warme Wasser, als das Asiatiie
Mode-Gctranckfsich widerum nüchter zu sauffenfda falsie
in das Würffel-Spielen ein . . . Indessen sitzt das Weib mit
ien Kindern zu Haus in der kalten Stuben... und grimmt sich
gen der Schulden zu todtu: so unser Chronist anno 1709; er
g aber, um eine Besserung zu erzielen, absichtlich mit allzu
nklen Farben gemalt haben.
r Zeit der Barocke war das Volk auch in seinen Vergnüguni
von Hof und Adel vollkommen getrennt und wenn man sich
ch hier wie dort im Fasching auf gleiche Art vergnügte, die
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Fastnnchtsnarr aus „Cenli-Folium stultorum In Qunrto oder Hundert
Aussbündige Narren In Folie" von Abraham a Sancta Clara (Wien, 1709).
liormcn waren bei Hof doch ganz andere. Es gab die verschiedensten
„divertimenti"; die theatralischen Unterhaltungen, vor
allem die Fasehingsoper, die stets einen heiteren Stoff behandelte:
Demokrit, den lachenden Philosophen (1670), Diogenes mit seiner
Laterne (1674), Sokrates, der sich gleich mit „zweyen Ehe-Wirthinen"
plagt (1680) usw. Adelige spielten Stücke im Stil
der Commedia delFai-te, Kinder der Adeligen und Edelknaben
Komödie oder man veranstaltete Polieincllspiele (Marionettentheater).
Dazwischen gab es Tanz und allerlei Lustbarkeit, wie
Krapfenschießen u.dgl.
Wir glauben dem „Theatrum Europäum" ohne weiteres, daß
im Fasching die „Publica ganz stillstunden" (1653), dürfen aber
nicht vergessen, daß der dreißigjährige Krieg eben zuende gegangen
war und alle, nicht nur der Hof, sich der lang entbehrten
Faschingslust in dem so ersehnten Frieden hingaben. Später
freilich, unter Karl VI., wird den Nachrichten vom Faschingstreiben
bei Hof zur Beruhigung der Gemüter üfter beigefügt, daß
darüber die Regierungsgeschäfte keineswegs vergessen worden
seien.
Wenn der Fasching bei Hof einmal „ganz ruhesam", ohne
„offentlichen Lustbarkeiten" verlief oder beschlossen wurde, dann
mußte schon ein besonderer Grund vorliegen; meist war es der
Tod eines nahen Verwandten oder Familienmitgliedes der Habs-