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MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst III (1958 / Heft 4)

ERDINAND GEORG WALDMÜLLERS LETZTE BILDER

Von BRUNC

SRIMSCHI

TZ

Waldmüllers Nachlaß, der am 15. September 1865 von dem

tar Dr. Lorenz Fohleutner aufgenommen wurde, befanden

1 cinundzwanzig vollendete und sieben unvollendete Geniilder.

 Sie wurden mit 916i]. und 26H. bewertet. Siebzehn

ine Landschaften und Skizzen schätzte der Notar auf 6 fl. Erunlich

 ist nicht nur der geringe Betrag für Waldmüllers Landaftsbilder,

 die sich zum Teil bereits in den Vierzigerjahrcn

XIX. Jahrhunderts im Besitz von Altwiener Sammlern bcden,

 sondern auch die Summe von nur 26 fl. für sieben urtlendete

 Genrebilder. Zwei von ihnen befinden sich gegenrtig

 in Museen: Das Bild „Wiedererstchen zum neuen Leben"

wahrt das Städtische Museum von Wuppcrtal-Elberfeld und

Darstellungsszcne „Verweigerte Fahrt" gehört der bedeudsten

 Sammlung von Schöpfungen Waldmüllers in der Öster-:hisehen

 Galerie in Wien an. Von den vollendeten Genredern

 in Waldmüllcrs Nachlaß entstammen die frühesten dem

ire 1854. Es ist das düstere Nachtstück „Die erschöpfte Kraft"

i das gleichzeitig gemalte Bild „Kinder mit dem heiligen Nilaus",

 wenn er sich bei diesem nicht, was heute nicht mehr

schieden werden kann, um eine spätere Wiederholung des

emas handeln sollte. Die meisten im Nachlaß verzeichneten

nrebilder gehören ihrer Entstehungszcit nach dem letzten

trfünft von Waldmüllers Schaffen an. Es sind bedeutende Gelde

 darunter, wie „Die Rosenzeit", „Am Morgen" (Ziegen

n Geschenk gebracht), „Kalkofen in der Brühl" und eine der

asungen des Gemäldes „Veilchenpflückerinnen" (Vorfrühling

Wienerwald). Die meisten Bilder stellen bäuerliche Szenen

der freien Natur dar, aber auch Gemälde mit Geschehnissen

Bauernstuben, wie „Der Besuch vom Lande", „Das Mittagsiet"

 und „Zur Taufe gehend", befanden sich im Nachlaß

Waldmüllers. Zwei Darstellungen aus der bürgerlichen Welt

„Die Briefleserin" aus dem jahre 1860 und die „Armen Gratulanten"

 aus dem folgenden Jahre waren unverkauft geblieben.

S0 verständlich es erscheint, daß das dunkle, eine soziale Anklage

 formulierende Bild „Die erschöpfte Kraft" keinen Käufer

fand, so überraschend ist es, daß die prächtige, durch eine ungewöhnlich

 schöne Stoffmalerei ausgezeichnete Darstellung „Die

Briefschreiberin" im Besitze Waldmüllers verblieb. Vielleicht war

das Modell eine der Sehwägerinnen Wnldmüllers, weshalb das

Bild bis zum Tode Waldmüllers nicht in fremde Hände kam.

Da Waldmüller ein „liertigmaleiß war und die Holztafeln und

Leinwandfelder mit einer deckenden und völlig undurchsichtigen

 Farbe bemalte, ist der Enstehungsvorgang seiner Bilder

nicht verfolgbar. In seinen Erinnerungen berichtet Friedrich Kaiser,

 einer der Schüler Waldmüllers, der sich später enttäuscht

von seinem Lehrer abwnndte, über dessen Methode. Wenn Waldmüller

 „einen Kopf malte, so begann er mit einem Auge desselben

 und vollendete diesen Teil des Gesichtes gänzlich, dann erst

ging er auf einen anderen über, bis der ganze Kopf, einer Mosaik-Arbeit

 ähnlich, aus lauter einzelnen Stücken zusammengefügt

 war. Daher kam es, daß die von ihm gemalten Porträts nicht

nur jedes geistigen Ausdruckes entbehrten, sondern auch häufig

von Zeichnungsfehlern nicht frei waren. Auf dieselbe Weise verfuhr

 er auch bei den Landschaften und die Folge war, daß derlei

Bilder kein Leben, keine Frische zxtmeten und auf den Beschaucr

einen fast unangenehmen Eindruck machten."

Sowohl die Bildnisse als auch die Landschaften Waldmüllers

widerlegen die Kritik Friedrich Kaisers. Wie die vollkommensten

Bildnisse die geistige Individualität der Dargestellten mit ungewöhnlicher

 Kraft des Sehens und des Gestaltcns verlebendigen,

'dinand Georg Wuldmüller, „Vorhling

 im Wienerwald". München,

ue Pinakothek.


            
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