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MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst III (1958 / Heft 4)






 

    



  







Projekt II: Flugzeughallen-Konstruktion

in Stahlrohrbau (1951-55)

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Ucrlzindungrglieder de: Slandardgz-Ieizkns für Flugzeughallen-Stahlrnbrleunrfruktion. - (Links) Die Knotenpunkte der Hallen-Konstruktion

setzen sich aus einzelnen Gelenkstücken zusammen, die aus hochgradigem Nickelstahl geschmiedet werden. Die Knotenpunkte können bis

zu 20 Komlruktionsleile in einem Punkt vereinigen. - (Rechts) S1HIJIFOIJF-Flllgiüligbtlllß. Die Konstruktion, die rechts und links 50m

über die Trägerpyramide hinnusragl, baut sich von unten nach oben aus der Fundnmentplnlte, den Trägerpyramiden, den Rollenlagern, den

tragenden Stützen, der eigentlichen Stülzungskonstruktion, die das Dach lnigt, dem riiuntlichen Fachwerk der Dachschale, den standardisierten

 Dachplatien mit Oberliehten und den darüber liegenden Vorspnnn-Zugkaheln auf.

in Amerika bis zur perfektionierten Fabrikation vorwärtstrieb,

weisen in diese Richtung. Auch seine netzwerkartig wirkenden

Hallenbauten, die in einem 1951 für die amerikanische Luftwaffe

 entwickelten Konstruktionssystem in Stahlrohr gipfeln,

bezeugen eine Bauweise, bei der Zweck und Sinn zur Deckung in

einer ganz besonderen Schönheit finden.

Für diese Bauweise gibt es daher keine schon im Vorhinein festgelegte

 Gesamtform, sondern sie gründet sich vielmehr auf

die genaue Erarbeitung der Bauzellen, der Struktur und der

für deren Funktion maßgeblichen Gclenkstcllen. Sie setzt die

völlige Klärung des Konstruktionsprinzips und seiner Grundelemente

 voraus und stellt sich dann gleichsam als deren funktionelle

 Zusammenfügung dar. Die letztere also errichtet sozusagen

den Bau als ihren Selbstvollzug.

Bei dem heutigen Stand der Dinge ist übrigens außer der Entwicklung

 der Grundelemente, das heißt der Konstruktions-Knotenpunkte

 oder -Gelenkstellen und der Fiillteile, bis zur

Fabrikationsreife auch meistens noch die Entwicklung und Konstruktion

 der Fabrikationsmaschinen nötig, wofür Wachsmanns

Holzbaubetrieb in Kalifornien als Beispiel dienen kann. Denn

zu der gemeinsam mit Walter Gropius, dem einstigen Gründer

und Leiter des Bauhauses in Weimar und Dessau. entwickelten

Holzbaukonstruktion hinzu, mußte Wachsmann auch noch den

für eine rationelle und auf Präzision geeichte Produktion erforderlichen

 Maschinenpark entwickeln.

Die skizzierte Bauweise nun macht eine wesentliche geistige Entscheidung

 deutlich. Grob gesehen, spielte bei allem bisherigen

Bauen das technisch-methodische Detail für das Baugesicht so

gut wie keine Rolle. Es verschwand hinter dcm ästhetischen

Formkonzept und seinen spezifischen Einzelheiten, wenn man

auch in den letzten Jahrzehnten des öfteren gewisse Konstruktionselemente

 nicht mehr verkleidete, sondern sie fast ein wenig

kokett dem Auge offerierte, um zu beweisen, wie sachlich und

wahr man baute. In diesem Falle gehörte es also zum architektonischen

 Entwurf, irgendwelchen Trägern oder Stützen eine

visuelle Sonderrolle einzuräumen.

Eine derartige „Koketterie" hat jedoch mit Wachsmanns den

Bau vorbereitender Konzentration auf die Grundelemente der

Konstruktion nichts zu tun. Diese Konzentration ist vielmehr

ausgesprochen bescheiden und anonym. Sie erstrebt keine Augen-Schein-Effekte,

 sondern eine denkbar lückenlose funktionelle

Einfachheit und Iiolgerichtigkeit im Zusammenwirken aller Teile

und damit die höchste Leistung jedes dieser Teile und des durch

sie gemeinsam repräsentierten Kräftepotentials.

Die geistige Entscheidung liegt infolgedessen darin, daß der

Meister solchen Bauens - der Ausdruck Architekt ist, wenn

Architektur die Realisierung eines im vorhincin bestimmten

Formkonzeptes bedeutet, nicht mehr möglich - gewissermaßen

in die reine sachliche Notwendigkeit des Konstruktiven eingeht

und eben ihren Selbstvollzug betätigt, ihn mitschöpferisch verwirklicht,

 wodurch sich dann auch erst die konkrete Form des

Bauwerks bilden und ereignen kann. Hier wird also, auf die

wissenschaftlich ergründeten Geheimnisse und Gesetzmäßigkeiten

 in der Natur gestützt, diese selber in einer besonderen „Kondition",

 unter einem besonderen technischen Aspekt zur Selbstverwirklichung

 gebracht. Das Bauen wird zur Kristallisation und

Dokumentation spezieller Qualitäten der Natur.

Wenn aber vielleicht auch eine solche Feststellung der Indirektheit

 der Naturrepräsentation in der Technik wegen übertrieben

wirken sollte, so steht es doch außer jedem Zweifel, daß sich

in der maschinellen Bauweise nicht nur die technischen, sondern

 auch die zwischen dcm zu erstellenden Raum und der

in einem bestimmten Material ausgeführten Konstruktion sich

ergebenden Bezüge in völliger Reinheit und Ungebrochenheit,

kurz als sie selbst vollziehen. Die Vollzugsverwirklichung ist

bereits die Form.

Damit wird die neue Bauweise zum Initiator und Hauptvollstrecker

 des gewaltigen, aber völlig ungeschwätzigen Stilwandels

 in unserer Zeit. Dieser Stilwandel nämlich oder, um es genauer

 auszudrücken: diese neue Stilbildung und -gewinnung will

jedes Ding zu der in ihm angelegten, in seiner Wcsenhaftigkcit

und sachlichen Gesetzlichkeit beschlossenen und ihr gemäßen

Form gebildet wissen. So weit also eine Form derart „gemäß" ist,

ist sie schön und hat sie Stil. S0 weit sie aber von ihr abweicht,

hilft ihr auch alle zusätzliche Schönheit nichts.

Hier scheiden sich in der Tat die Geister. Wer heute noch Schönheit

 und Ästhetik als solche sucht, der hat sie schon verloren.

Dem nicht nur konstruktiven, sondern auch bildnerischen, also

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