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MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst III (1958 / Heft 5)

FARBIGE INNENRÄUME IN NIEDERÖSTERREICH

Von

RUPERT

FEUCF

TMU]

LER

Bci einer Charakterisierung der Kunstwerke des 18. Jahrhunderts

vermeidet man es im allgemeinen, von einem österreichischen

Rokoko zu sprechen. Dias hat seinen Grund auch darin, diß den

Architekturen Fischers von Brlach und Lukas von Hildebmndts

eine gewisse klassische Größe arihaftet, die in der klaren Vereinfachung

 des Spfitwerkes besonders zum Ausdruck kommt. Damit

 war eine iolgcrichtige Übcrleitung zum Klassizismus gegeben

 und dem überschäumenden Ornament des Rokoko die Voraussetzung

 entzogen. Der Kunstkreis am Hofe Maria Thcrcsias,

der unter dem Einiluß französischer Vorbilder steht, bildet

eigentlich eine Ausnahme, du er wenig Kontakt mit der lebendibild

 seines Lehrmeisters ein ebenbürtiges Werk zur Seite gestellt:

 den barocken Stiftsbau von Altenburg bei Horn (1730 bis

1733). Die im Sinne der Entwicklung auf wesentliche Elemente

vereinfachte Architektur wird nun durch die Farbe bestimmt und

nicht nur - wie in Melk - durch das Kolorit in der Wirkung

unterstützt. Sedlmayer hat sehr treffend von einer Immaterialisicrung

 der konstruktiven Elemente gesprochen und an Stelle

von gefärbten Säulen in Altenhurg von „Farbsäulen" gesprochen.

 Der mit Stuckolustrovcrkleidung arbeitende Künstler

konnte völlig frei schaffen. Über blauen Säulen erhebt sich ein

rosa Gebälk, harmoniert mit feinen Lilatönungen der Gesimse

Stift Altenburg. Stiftskirche, westlicher

des Kuppclfreskos von Paul Trogcr.

Teil



gen Tradition des Donauraumes hat. Dennoch bringt die Mitte

des 18. Jahrhunderts kein Absinken der Leistung. Erst in jüngster

 Zeit konnte mehrfach darauf Aufmerksam gemacht werden,

 daß sich dem süddeutschen Rokoko sehr beachtliche künstlerische

 Lcistungen zur Seite stellen lassen; darunter die spiitbaroeken

 Farbräume des niedcrüsterreichischen Donauraumes.

Die Anfänge ihrer Entwicklung gehen auf das frühe 18. jahrhundert

 zurück. Während Fischer von Erlach, Hildebrandt und

Felie-e d'Allio di-e Raumwirkung meist durch die architektonische

 Anordnung bestimmten und der spärlich verwendeten

Farbigkeit eine untergeordnete Rolle zuwiesen, bot die malerische

und oft dekorativ verwendete Gliederung Jakob Prnndtaucrs den

Ausgangspunkt einer neuen künstlerischen Auffassung. Prandtaucrs

 stark profilierte Pilastcr, Gesimse und Gurtbögen kamen

einer farbigen Bemalung im Sinne des italienischen Barock entgegen.

 Pozzos jesuitenkirche in Wien wies den Weg, den Antonio

 Beduzzi in Melk entscheidend bceinflußt hat. Rottmayrs

Fresken in dieser Stiftskirche sind allerdings noch in ein Farbsystem

 eingebunden, das in seinem kraftvollen theatralischen

Pathos hoehbarockes Gepräge hat. Braun- und Goldtöne geben

die Basis für die aufstrebende Scheinarehitektur, über der wir

die visionären Freskengemälde erblicken. Dieses feierliche Gesnmtkunstwerk

 der Melker Stiftskirche mul} man sich kurz vergegenwärtigen,

 um die neue Auffassung der künftigen Entwicklung

 ermessen zu können.

Josef Munggenast, der Neffe Prandtauers, hat dem großen Vorund

 wird von schwarzen Ornamenten effektvoll kontrastiert.

Zarte vergoldete Stuckornamente unterstreichen ebenso wie die

weißen Plastiken die malerische Auffassung. Die Farbe bringt

nicht nur eine dekorative Auflösung oder einen barocken

Akkord: sie hat dynamische Wirkung. Das Kolorit gestaltet die

Raumkomposition der Bibliothek (1742), die man mit Recht cin

fiarbwunder genannt hat; es gibt auch der Stiftskirche den wirkungsvollen

 Rahmen zu dem gewaltigen Kuppelfresko Paul

Trogers.

Altenburg mit seinen herrlichen Kaiserzimmern, die unsere

Kenntnisse über den barocken Farbraum um viele kostbare Details

 bereichern, bringt einen Höhepunkt spätbarocker Gesinnung.

Er ist unabhängig von fremden Vorbildern und beweist die

künstlerische Eigenständigkeit des Donauraumes. In Altenburg

sind Architektur und Farbe gleichsam identisch; die zweite, spätere

 Entwicklungsphase, ist dagegen durch die bemalte Architektur

 charakterisiert. Wieder gibt das Werk Przindtauers - die

Kirchen in St. Pölten und Sonntagsberg - den Ausgangspunkt.

Nun wird die Architektur durch den Schmuck der italienischen

Architekturmaler Antonio Tztssi und Domenico Francia bestimmt.

Sie stehen im Dienste Daniel Grans und folgen sicherlich auch

seinen Intentionen. Ihre Farb- und Ornamentgestaltung hängt

mit der neuen Auffassung des Freskos innerlich zusammen. Daniel

 Gran geht es nicht um das illusionistische Pathos eines Rottmnyr,

 aber auch nicht um die dramatische Kraft, die von den

Figurengruppen Trogers ausstrahlt. Er gestaltet seine Decken-
            
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