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MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst III (1958 / Heft 5)

stadt sowohl innenräumlich, wie an Hausfassaden äußerst reich.

Als führend kann hier wohl die Künstlerfamilie Formentini genannt

 werden. Zu den besten erhaltenen Ausstattungen sind jene

des Palais Attems (Sackstraße 17), des Schlosses Hollenegg und

des Stadtpalais Herberstein zu zählen. Letztere werden zur Zeit

durch das Land Steiermark einer großzügigen Restaurierung

unterzogen, wodurch der heute in den Repräsentziticnsräumen

untergebrachten Neuen Galerie die vielleicht schönsten Räume

der Stadt Graz zur Verfügung stehen werden.

Bei aller gebotenen Kürze dieses Überblicks, die nicht die Möglichkeit

 bietet, den Problemen oder Einzeluntersuchungen näherzutreten,

 mag zum Ausdruck gelangen, daß die letzte Ausreifung

barocker Formphnntasie auch in der Steiermark eine bedeutende

Höhe erreichte und daß fast gleichzeitig mit dem Tod des führenden

 Meisters, des greisen Joseph Hueber (1787) eine Wende größten

 Ausmaßes sich vollzieht, die Wende zum Diesseits, zur Entzauberung

 dieser Welt, zur Basis neuer Probleme und neuer

menschlicher Leistungen.

LITERATUHHINWEIS:

Dissertation. Km Frnnzells-Unlversllil Cruz 1951. - Walter Kouchatzky „Leben,

wm und sm des Bumckbaumelslera Joseph Hueber" mn gesamtem 1.11111111:.

verzelchnls Im Anhang. - Ferner Hans Reulher „m. kirchliche Barockarchltnku"

 von Graz und seiner Umgehung" In Münster was, Heft 11x12, s. 1111911. -

Hans Heulher „um Gruppe elllptlscher Zentralraumklrchen des 1a. 1mm. u.

Steiermark" m Ztsclmf. Kunstgeschichte 195a, m1. 10, s. 23111. - Friedrich

Kryza-Gcnch, unerllerlc Fonxrhungeu ,.Dle Baumelsterlamllie Stenggäf

STEIRISCHE PLASTIK DES 18. JAHRHUNDERTS

Von KURT WOISITFSCHLÄGER

Grazer Bildhauer um 1760, lmcrnenlragcndc PullüngrufJpß

 im TTQ-ppcnhnus de: Palais Ilcrbcrslcin.

Graz, Snckslmlic 1b; Stein. Nach freundlicher Milteilung

 vnn Dr. Andorfur ist sowohl Vcit Königcr

 als auch Ph. jnk. Sn-nub für die Ausstattung

tätig gewesen.



Die spätbarocke Kunst der Alpenländer trägt ein janusgesicht;

einerseits kleidet sie sich in Form und Ausdruck des Rokoko

und Klassizismus, anderseits sind ihr bis hinauf ins späteste

18.]ahrhundert hoehbaroeke Formen eigen, bei denen die Spätzeit

 nur manchmal durch das Schwächerwerden der inneren

Ausdruckskraft oder aber durch eine manierierte Übersteigerung

 offenkundig wird.

Beide „Gcsichte" dieser Endstufe des Barock können wir auch

in der Steiermark beobachten und an einigen bezeichnenden Beispielen

 steirischer Kunst sollen diese Erscheinungen betrachtet

werden.

1733 kommt Philipp Jakob Straub von Wien - wo er an der

Akademie als Schüler joh. Chr. Maders tätig war - nach Graz,

um in die Werkstätte des eben verstorbenen Bildhauers Johann

Jakob Schoy einzuheiratcn. 1755 zieht der Tiroler Veit Königer,

 - der ebenfalls seit 1751 der Wiener Akademie als Schüler

jak. Schletterers angehörte - nach Graz und heiratet 1756 die

Tochter des Grazer Bildhauers jos. Schokotnig. Diese beiden Zuwanderungen

 sind für die Entwicklung und den Verlauf sowohl

des Grazer als auch des steirisehcn Spätbarock von großer Bedeutung.

 Zusammen mit dem Grazer josef Thaddiius Stammel

bestimmen diese Meister weite Strecken der spätbarocken steirisehen

 Kunst}

Das früheste Grazer Werk Königers - und eines seiner besten

überhaupt - ist die überlebensgroße Verkündigungsgruppe, welehe

 er 1756 für die SLAndrä-Kirehe in Graz schuf und die heute

im Landesmuseum joanneum steht. Sie wurde schon öfter mit

jener des Franz Ignatz Günther von 1763, welche sich in Weyarn

in Bayern befindet, in Bezug gesetzt} doch_ lohnt es sich, den

Vergleich von neuen Gesichtspunkten aus zu ziehen. Die Gruppe

Königers ist monumentaler und allgemeingültiger inbihrer, der

lebendigen Realität entrückteren Haltung als_jene des Ignatz

Günther, der in seiner Vcrkündigungsgruppe einen fast individuellen,

 zumindest den Beschauer mehr cinbcziehenden Vorgang

schildert. Diese für das Rokoko so bezeichnende realistische

Tendenz wird unterstrichen durch die helle, farbige Fassung,

während bei Königer die durchgehende Vcrgoldung der Gewänder

 die Distanz des Barock betont. Doch finden wir anderseits

l l-Itluurtl ilndotler, Volt Könlger, Graz 1925: A. Mayr, Dle Werke des Plustlkere

Josef ThüddÄllt! Stammt-l, Wlen 1912; Eberhard Hempcl, Die Kunst Jos. Thudtl.

Stulnmels, In: Wiener Jahrbuch für Kunstgeschichte 1937; Heinrich Becker, llumekplnstlk

 In den Alpenländern. Wien 1943; Rochuu Kohlhach, Stelrische lllltlltuuer,

 Urnz 1'156.

z Anrlorler, up. elL. S. 9; Anloll Feulner, Skulptur und Malerei des 1B. ilh. ln

Deutschland, Potsdam 1529, S. 52; Kohlbneh, op. elL, S. 225.

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