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MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst III (1958 / Heft 6)

WIENER SCHULGALERIEN

KINDER UND JUGENDLICHE LEBEN MIT MODERNER KUNST

Seit ein paar Jahren wird an Wiener Volks- und Hauptschulcn,

in Kindergärten, Lehrlingsheimen, Internaten ein interessantes

Experiment durchgeführt: Schulkindcr, Kleinkinder, Lehrlinge

leben mit moderner Kunst. Die Initiative ging vom Kulturamt

der Stadt aus. Der amtsführende Stadtrat für Kultur und Volksbildung,

 Hofrat Hans Mandl und sein liachkonsulent Professor

Eduard Gärtner hatten den Einfall, junge Menschen mit Originalwerken

 lebender zeitgenössischer Künstler vertraut zu machen.

Nicht allein durch gelegentliche Führungen in Ausstellungen,

Galerien, sondern - und das ist das Neue - die Ausstellungen

selber sOllten in die Schulen kommen. Schulräume, Stiegenhäuscr

in den Schulen, Vorführungssäle, Tagräumc in den Internaten

sollten Galerien werden.

Das war eine bestechende Idee, die nirgendwo sonst in Europa

Verwirklichung fand. Sie wurde auch nicht auf Grund obrigkeitlicher

 Anordnung durchgesetzt, sondern hatte zuerst einmal als

Verführung auf die Leiter der Schulen und die Lehrer zu wir!

kcn. Am Anfang stand nichts als ein Vorschlag: ob der Schuldirektor

 X, der Internatsvorsteher Y, der Heimleiter Z bereit

wären, einen Versuch zu machen. Dann wurden die ihnen vorgesetzten

 Behörden gefragt und dann die ersten Schulgalerirn

eröffnet. '

Das geschah in der Hauptsache mit Werken aus Öffentlichen Beständen:

 Bilder, Graphiken, Skulpturen, welche die Stadt angrkauft

 hatte. Sie wurden aus den Depots geholt und dann in rea

gelrcchten, wechselnden Ausstellungen in den Schulen gezeigt.

In dutzendcn Schulen gibt es heute solche Galerien. Der Aufbau

 einer crklecklichen Anzahl anderer wird vorbereitet. Immcr

noch ist Freiwilligkcit oberstes Prinzip. An die 2000 Bilder wurden

 bereits gezeigt.

Auch die Künstler haben Feuer gefangen. Sie gehen mit ihren

Werken in die Schulen, halten Führungen und Diskussionen ab.

Ganze Vereinigungen wie die „Seeession", das „Künstlerh3us"

und „Der Kreis" ziehen hier mit Übersichten aus dem Schaffen

ihrer Mitglieder ein. Einzelne Künstler oder auch Vereinigungen

verpflichten sich, dafür zu sorgen, daß immer wieder neue Bilder

 in die Galerien kommen, teils eigene, teils Werke anderer

Künstler und Vereinigungen. Das Kulturamt für sich allein kann

den Anforderungen nicht mehr nachkommen. Scinc Bestände sind

nicht unerschöpflich und die zu leistende organisatorische Arbeit

 wird infolge der steigenden Nachfrage immer umfiinglicher.

Hinzu kommt, daß die Schulgalcricn insbesondere in dcn Außenbezirken

 (zum Beispiel in der Volks- und Hauptschule Lcopoldau

in der Adcrklaaerstraßc) sich zu Kullurzentren auch für Erwachsene

 entwickelt haben. Die Eltern, durch die Erzählungen



Galerie der Hauptschule (Glöckclschule) im 13. Bezirk.

ihrer Kinder angeregt, kommen sehr häufig gleichfalls in die Ausstellungen.

 Die Bezirksvorstehung und die Eltcrnvcrbiinde sind

durch Abgesandte bei den feierlichen Eröffnungen vertreten.

Man muß vor allem aber den Alltag der neuen Institution geschen

 haben: mit welcher Unbefnngenheit, mit welchem natürlichen

 Interesse sich die Kinder in ihrer Galerie aufhalten. Die Aufmerksamkeit

 der Kinder erlahmt nicht. Immer wieder aufs neue



Galerie in cinm" Hzmpßchxllc im H. Bezirk. Schulgnlcric im Hcrdcr-Ilcim, vinum Knnhcnintcrnnt im 11. Bezirk.

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