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MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst III (1958 / Heft 7 und 8)

Qvhl-n? Ku-chslexu-n. N. (ü. Ürtkcngunmldc vun Frnnr Änlun Ähullwvrurh: TÜ-xunxph dur XYJhv-hcn.

„DER TRIUMPH DER WAHRHEIT"

VON FRANZ ANTON MAULBERTSCH

Von BRUNO GRIMSC]

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Die Stuekdecke des großen Saales im Schlosse Kirchstetten --nahe

 der Staatsgrenze im nordöstlichen Niederösterreich - trägt

das bedeutendste Ölgcmälde aus der frühen Schaffenszeit von

Maulbertsch. Der ungewöhnlich hohe Raum, erleuchtet durch

drei große Fenster und drei über diesen angeordnete Querovalfenster,

 hat von seiner ursprünglichen Erscheinung nur die flache

Decke mit dem ungefähr sechseinhalb Meter breiten und drei

Meter hohen, von Stuckornamenten umrahmten Gemälde erhalten.

 Mit der großartigen Fülle seiner Bewcgtheit und der

leuchtenden, durch stärkste Helligkeitskontraste verlcbendigten

Farbigkeit hebt sich das Bild als das strahlende Zentrum des

Raumes von dem gclblichgrauen, auf lichtgrünem Grund liegenden

 Stuckwerk ab und beherrscht mit der Gewalt seiner

von innerer Dramatik erfüllten Phantasiewelt die reale Sphäre

des Saalraumes.

Der Triumph der Wahrheit ist das Thema dieser durch die

antike Götterwelt versinnbildlichten Allegorie. in der Gestalt

einer nackten, jugendlich-vollen Frau schwebt die Personifikation

 der Wahrheit in den Wolken, im weit vorgestreekten linkcn

 Arm ein Szepter, von dem eine Draperie in den Himmelsraum

 weht, um den rechten Arm ein blaues Band, _mit dem sie

Saturn an seiner erhobenen Hand gefesselt hiilt. Die Zehen ihres

rechten Fußes - es ist die einzige Vertikale in dem von Körper-

 und Raumdiagonalen durchzogenen Bildleld - berühren

die Weltkugel, an die sich Saturn liegend mit Stundenglas und

Sense lehnt. Sein hoch ausgespannter Flügel über den angezogenen

 Beinen reicht zur jugendlichen Gestalt der Flora, die mit

Blumenvase und Draperie - gleich dem Putto ober ihr - Blüten

in den Himmel streut. Scheint Saturn hinter der von ihm umfaßteit

 Weltkugel hervorzukornmcn, so weist auf der Gegenseite

 die Rückenfigur Dianas in die Raumtiefe hinein. Den Helm

auf dem Haupt, hält sie auf ihrem Rücken den Bogen, und Wildgans

 und Hase unter ihr ruhen als jagdbeute neben einer Schüssel

 mit Früchten, an die sich wieder ein Putt0'mit Weisen und

Krebsen anschließt, um mit dem Wassergetier zu Neptun am

linken Bildrand die Brücke zu schlagen. Mit den Armen unter

dem Haupt und hochgezogenem Knie, umhüllt von dunkelblauer

Draperie, liegt Ceres auf einer Garbe. Über ihr, das Halbrund

der Schmalseite des Bildes füllend, erscheint die von einer, Magd

gcmolkene Ziege Amalthea. Bacchus mit Weinlaub und Weinkrug

 leitet zur Gestalt derPornona mit hoch über dem Haupt

erhobenem Feldfruchtkorb über. Mit einer weiteren Frauengestalt,

 die zwischen Diana und Saturn Kirschen emporhält, charakterisiert

 Maulbcrtsch den Herbst mit seinen Gaben. Das gegcnüber

 auf der anderen Schmalseite des Bildes liegende Halbrund

 erfüllt die Gestalt Neptuns mit seinem weitausholendeh

Dreizack. Eine junge Ncreide, aus dem Wogengischt auftauchend

 und das Bein Neptuns umklammcrnd, schaut gegen Saturn,

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