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MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst III (1958 / Heft 7 und 8)

liche Verzeichnung der Hand bezeugt es. Diese Darstellung will

doch sagen: Maria hat das von Liutpirga schriftlich Niedergelegte

 (Versprechen, Gelübde oder andere Herzensanliegcn) angenommen

 und verspricht Erfüllung. Alle Momente sprechen

eindeutig dafür, daß die Darstellung auf ausdrückliches Verlangen

 Liutpirgas geschehen sein muß.

Während am ganzen Kelch zur Umrahmung der Bilder nur

Flechtwerk verwendet wird, tritt über den Querhändern der

Fußbilder plötzlich eine Blattranke, wohl Efeuranke auf, die sich

zu einer schönen Girlande entfaltet, alle vier Bilder bekränzt

und das Geschehen am Fuß des Kelches von oben her zu einer

Einheit zusammenhält. Ist eine Blattranke in diesem Kunstmilieu

schon an sich etwas Ungewöhnliches - sie dürfte wohl aus der

Heimat Liutpirgzfs stammen - so muß erst recht die Art der

Verwendung der Ranke doch ganz bestimmte Ziele und Ereignisse

 festhalten wollen, die nicht nur tief in das Leben der beiden

 hohen Persönlichkeiten eingriffen, sondern auch für die Re!

gentenhäuser von weittragcnder Bedeutung gewesen sein müssen.

Um das Jahr 769 reichten sich Herzog Tztssilo und Liutpirga die

Hztnd zum Lebensbund. Es war eine eminent politische Heirat.

Die Braut brachte die beiden, Bayern einst von den Langobarden

entrissenen Gaue, den Norithzilgau und den Vintsehgau, als Morgengahe

 in die Ehe mit und so auch die Möglichkeit einer Verbindung

 der beiden Ostreiehc gegen das mächtig aufstrebende,

sie beide bedrohende XVestreich, das karolingische Frankenreich.

Es dürfte wohl mehr als wahrscheinlich sein, dall nach dem Dargestellten

 der Tzissilokeleh diesem großen Ereignis seine Entstehung

 verdankt. Bei jeder Feier des heiligen Meilopfers am herzoglichen

 Hoie zu Regensburg soll an dieses wichtige Doppelcreignis

 - Heirat und Verbindung der beiden Häuscr - gedacht

und der Segen herrtbgeileht werden. Der Tassilokeleh ist also

das Familienheiligtum des Agilolfingischen Hauses.

Das älteste Kireheninventar Krcmsmünsters bezeugt, daß sich

der Tassilokelch im jahre 1014 schon im Besitz des Stiftes befand.

DAS RELIQUIENKREUZ VON ST. PAUL

IN KÄRNTEN

Von

ER MANN

TZ

In der Schatzkammer, die im Österreich-Pavillon der Brüsseler

 Weltausstellung zusammengestellt ist, fällt unter den mittelalterlichen

 Werken das monumentale Reliquienkreuz des Bencdiktincrstiftcs

 St. Paul im Lavanltal besonders auf. Obwohl es

in vielfacher Hinsicht Interesse verdient, ist es bisher in weilt:-stcn

 Kreisen, auch der Kennerschaft, unbekannt geblieben. Kaum

waren geeignete Abbildungen erhältlich, ganz zu schweigen von

einer ausreichenden Publikation. Nun crsl, im Zusammenhang



Reliquienkrcuz von St. Paul im

Kärnten. Detail der Vorderseite.


            
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