liche Verzeichnung der Hand bezeugt es. Diese Darstellung will
doch sagen: Maria hat das von Liutpirga schriftlich Niedergelegte
(Versprechen, Gelübde oder andere Herzensanliegcn) angenommen
und verspricht Erfüllung. Alle Momente sprechen
eindeutig dafür, daß die Darstellung auf ausdrückliches Verlangen
Liutpirgas geschehen sein muß.
Während am ganzen Kelch zur Umrahmung der Bilder nur
Flechtwerk verwendet wird, tritt über den Querhändern der
Fußbilder plötzlich eine Blattranke, wohl Efeuranke auf, die sich
zu einer schönen Girlande entfaltet, alle vier Bilder bekränzt
und das Geschehen am Fuß des Kelches von oben her zu einer
Einheit zusammenhält. Ist eine Blattranke in diesem Kunstmilieu
schon an sich etwas Ungewöhnliches - sie dürfte wohl aus der
Heimat Liutpirgzfs stammen - so muß erst recht die Art der
Verwendung der Ranke doch ganz bestimmte Ziele und Ereignisse
festhalten wollen, die nicht nur tief in das Leben der beiden
hohen Persönlichkeiten eingriffen, sondern auch für die Re!
gentenhäuser von weittragcnder Bedeutung gewesen sein müssen.
Um das Jahr 769 reichten sich Herzog Tztssilo und Liutpirga die
Hztnd zum Lebensbund. Es war eine eminent politische Heirat.
Die Braut brachte die beiden, Bayern einst von den Langobarden
entrissenen Gaue, den Norithzilgau und den Vintsehgau, als Morgengahe
in die Ehe mit und so auch die Möglichkeit einer Verbindung
der beiden Ostreiehc gegen das mächtig aufstrebende,
sie beide bedrohende XVestreich, das karolingische Frankenreich.
Es dürfte wohl mehr als wahrscheinlich sein, dall nach dem Dargestellten
der Tzissilokeleh diesem großen Ereignis seine Entstehung
verdankt. Bei jeder Feier des heiligen Meilopfers am herzoglichen
Hoie zu Regensburg soll an dieses wichtige Doppelcreignis
- Heirat und Verbindung der beiden Häuscr - gedacht
und der Segen herrtbgeileht werden. Der Tassilokeleh ist also
das Familienheiligtum des Agilolfingischen Hauses.
Das älteste Kireheninventar Krcmsmünsters bezeugt, daß sich
der Tassilokelch im jahre 1014 schon im Besitz des Stiftes befand.
DAS RELIQUIENKREUZ VON ST. PAUL
IN KÄRNTEN
Von
ER MANN
TZ
In der Schatzkammer, die im Österreich-Pavillon der Brüsseler
Weltausstellung zusammengestellt ist, fällt unter den mittelalterlichen
Werken das monumentale Reliquienkreuz des Bencdiktincrstiftcs
St. Paul im Lavanltal besonders auf. Obwohl es
in vielfacher Hinsicht Interesse verdient, ist es bisher in weilt:-stcn
Kreisen, auch der Kennerschaft, unbekannt geblieben. Kaum
waren geeignete Abbildungen erhältlich, ganz zu schweigen von
einer ausreichenden Publikation. Nun crsl, im Zusammenhang
Reliquienkrcuz von St. Paul im
Kärnten. Detail der Vorderseite.