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MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst III (1958 / Heft 11)

haben, um Ehre und Ruhm zu gewinnen, so daß ich dann Gott

würde danken dürfen, daß er mir einen solchen Sohn gegeben

hat. Um aber meinesteils alles das zu tun, was bei mir steht,

schreibe ich Euch, mein Sohn, diesen Brief im Vertrauen darauf,

daß Gott mir dabei das Richtscheit hält. Seid fromm, bleibt in

seiner Furcht und liebt ihn über alles."

„Mein Sohn, Ihr sollt ein Freund der Gerechtigkeit sein. Befehlt

Ihren Dienern, sich nicht von Neigung und Leidenschaften bewegen

 zu lassen, noch weniger durch Geschenke. Niemand möge

auch das Gefühl haben, daß Ihr selbst aus Liebe, Ärger oder

Leidenschaft etwas entscheidet, am wenigsten in der justiz. Doch

sollt Ihr der Gerechtigkeit nach dem Beispiel unseres Herrn beiv

gesellen die Barmherzigkeit. Für Eure Person müßt Ihr ruhig

und gemessen sein. Führt niemals etwas im Zorne aus. Seid zugänglich

 und leutselig, höret guten Rat und hütet Euch, wie vor

Feuer, vor den Schmeichlern."

Das lange Schreiben endet mit einem Gebet: „Gebe Gott, mein

Sohn, daß Ihr mit Gottes Hilfe so lebt und wirkt, daß ihm gedient

 sei, und daß er Euch nach diesen Erdentagen in seinem

Paradies erwarte, worum ich ihn bitte als Euer guter Vater."

Es sind keine großen Worte. Im Gegenteil, es ist eine schlichte

Frömmigkeit, wie ja auch jene Mahnungen keine Spur von komplizierten

 Gedankengängen aufweisen.

Josef Lortz sprach einmal von dem „Weihebewußtsein stark

objektiver Prägung", das Karl V. zu eigen gewesen sei. In der

Tat dringt dieses Bewußtsein von der heiligen Würde des Kaisertums

 bei jeder Gelegenheit durch. Das Zeremoniell der Kaiserkrönung

 ist der Bischofsweihe sehr ähnlich und dieser fast

sakramentale Charakter der Weihe hebt den römischen Kaiser

aus der Reihe der übrigen Fürsten hervor. Sie heiligt nicht nur

den Kaiser, der als „sacratissimus imperator" eine objektiv sakrale

 dignitas erhält, die ihn zum „rex regum principumque

princeps" erhebt, Sondern die auch auf das Reich selbst zurückstrahlt

 und es zum „sacrum imperium" macht. Darum liegt die

Funktion des Kaisertums nicht in der Sphäre der Macht, sondern

des Rechtes und der Gnade. Recht zu sprechen, Streit zu schlichten,

 Frieden zu wahren und Gnaden zu spenden und als supremus

 advocatus ecclesiae die Kirche zu schützen und den Glauben

 zu verteidigen, das sind die vornehmsten Pflichten seines

heiligen Amtes.

Bei der feierlichen Krönung in Aachen wurde der Erwählte

gefragt: „Willst Du den heiligen katholischen Glauben halten

und fördern? Willst Du treuer Beschützer der Kirche und der

Diener der Kirche sein? Willst Du das Reich in Gerechtigkeit

regieren? Willst Du dem Heiligen Vater, dem römischen Papst

und seiner Kirche die Schuldige Ergebenheit bewahren?" Die

tiefe Religiosität Karls V., an deren Aufrichtigkeit niemand

zweifelt, nimmt dieses Gelöbnis auf in den Bereich seines Gewissens.

 In der Tat wurde es ihm nicht leicht gemacht, es zu

halten: denn seine Zeit setzt Politik und Religion in eine andere

Beziehung als es die Tradition des Mittelalters zu sehen gewohnt

 war. Er selbst sah sich oft genug der Politik des Papstes

gegenübergestellt, während er dessen religiöser Autorität unbedingte

 Ergebenheit entgegenbringt. Kaum eine andere Zeit als

die der Reformation hat das kaiserliche Schutzamt so herausgefordert

 wie die Periode seiner Regierung. Die Frage der

inneren Reform der Kirche, die Frage der Glaubcnsspaltung und

die Frage des Schutzes der Christenheit gegen den Ansturm der

Türken, das sind und bleiben die großen und beherrschenden

Probleme kaiserlicher Politik. Alles andere, so sehr es die künf-Großer

 Fayencclcller mit der Erstürmung

 von Goletn. Nach dem

Original des Giulio Romano von

Fra Xantho Avclli. Urbino, um 1535.

Unten. Museum m angewandte Kunst,

Wien.
            
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