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MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst III (1958 / Heft 11)

Monogmmmist „C B" (Eisenätzcr,

tätig um 1531 in Augsburg im

Kreise der Hopfer). Karl V. und

Ferdinand I. Eisenälzung.

Alberllnn, Wien.



ihm das Recht der Annahme eines „Römischen Königs" zuzugestehen.

 So blieb die Sukzessionsfrage im Reiche, aber auch

die - an sich weniger schwierige - in den österreichischen

Erblanden vorläufig ungelöst; ein Ständekongreß in Linz sollte

wenigstens dieses Problem um die jahreswende bereinigen.

Allein der Zustand des Kaisers verschlimmerte sich rasch. Vergebens

 suchte er erst in Tirol, dann im Salzkammergut Erholung.

 Eine seltsame Abgeklärtheit war über den sonst so unruhigen

 Mann gekommen. Schon in Augsburg wurde wohl bemerkt,

 daß er „so weyslich nye geredt hab als auf diesem reichstag".

 Über Steyr begab er sich nach Wels, doch dort verließen

ihn die Kräfte. In der Nacht zum 31. Dezember 1518 diktierte

er seinem Sekretär Hans Vinsterwalder sein Testament, ohne

es aber vorläufig zu unterzeichnen, weil er noch den Rat seines

alten Freundes Matthäus Lang, Erzbischofs von Salzburg, hören

wollte. Dieser kam aber aus nicht ganz aufgeklärten Gründen

nicht mehr nach Wels - es scheint, daß er gar nicht verständigt

wurde.

Alsbald ging es mit dem alten Melancholicus zu Ende. Mit allerletzter

 Kraft hat er am 10. jänner 1519 dem Testamente noch

eine Art Unterschrift hinzugefügt. Die Ärzte wußtcn keinen

Rat mehr. Der Sterbende empfing die Sakramente, dann begann

der Hofkaplan Wilhelm Waldner die Rezitation der Passionsgcschichte.

 Als er zur Stelle kam „Et inclinato capite emisit

spiritum", verlor der Kaiser das Bewußtsein; am frühen Morgen

 des 12. Jänner 1519 endete die Agonie.

Der Tote hinterließ ein unsägliches Wirrsal ungeklärter Probleme.

 Wenn jemals das Ausscheiden eines Menschen aus dem

Ensemble seiner Zeit einen Wendepunkt bedeutete, so war es

das Maximilians I. Für ganz Europa begann damit ein neues

Zeitalter mit neuen Denkformen _ dies ist der wahre Sinn

des Wortes vom „Letzten Ritter". Auch Österreich trat in ein

neues Stadium seiner geschichtlichen Entwicklung ein.

Allein die Österreicher waren sich dessen noch lange nicht klar

bewußt. Maximilian, der ja meistens außer Landes weilte, hatte

die Verwaltung in die Hände zweier ihn vertretenden Zentralbehörden

 gelegt - „Regimente" nannte man sie - und zwar in

Innsbruck für die „oberen und vorderen Lande", in Wien für

die östlichen Herzogtümer. Gegen diese Behörden war im Laufe

der Jahre viel Groll aufgelaufen - nicht zuletzt deshalb, weil

man in ihnen nicht mit Unrecht Organe ahnte, mit deren Hilfe

das Landesfürstentum moderner Prägung den alten Privilegierten

 Zug um Zug ihre Mitsprache- und anderen Rechte zu entreißen

 suchen würde. Während das Innsbrucker Regiment mit

großer Geschicklichkeit die Zügel immerhin noch festzuhalten

vermochte, bot in Wien eine Reihe wirklicher oder vermeintlicher

 Unregelmäßigkeiten besonders eines Mitgliedes der Behörde

 willkommenen Anlaß, sofort nach Einfangen der Todesnachricht

 aus Wels die Rcgimentsräte zu verjagen, eine Gegenregierung

 zu proklamieren und schließlich Maßnahmen zu crgreifen,

 die - obschon als Kampf um das Recht deklariert und

mit Loyalitätskundgebungen beschönigt - eindeutig Revolution

bedeuteten.

An und für sich gab es in Österreich kein besonderes Sukzessionsproblem.

 Nachfolgebcrechtigt waren nach dem durch die

Habsburger schon im 13. Jahrhundert eingeführten Prinzip der

Gesamthandbelehnung beide Enkel des Kaisers, also Karl

so gut wie Ferdinand. Während in Spanien und Burgund tdie

Primogeniturerbfolge den jüngeren Ferdinand ausschloß, hatte

er also in den österreichischen Erblanden dieselben Rechte wie

der ältere, wenn auch die Theorie seit Herzog Rudolf IV. dem

Senior die Repräsentation und einen gewissen Vorrang zubilligte,

 woferne man nicht zu dem höchst zweifelhaften Auskunftsmittel

 einer Verwaltungsteilung schreiten wollte, wie sie

seit 1379 mehrmals vorgenommen worden war und sich stets als

recht unselig erwiesen hatte.

Im Augenblicke war das Bedenkliehste das Fernesein der beiden

legitimen jungen Herren, von denen keiner das Land, dessen

Namen er trug, bisher jemals gesehen hatte. Die österreichischen

Länder, namentlich ihre damals so unruhige östliche Gruppe,

mußten einstweilen sich selbst überlassen bleiben, denn Karl V.

hatte fürs erste die weitaus größere Sorge, ob und wie er gegen

den ihm an Reichtum überlegenen König Franz I. von Frankreich,

 der überdies noch vom Papste offen begünstigt wurde,

den Kampf um Deutschland und die Kaiserwürde gewinnen

könne.

Dabei spielte in einem bisher nicht erlebten Maße auch schon

die öffentliche Meinung eine gewichtige Rolle. Anders als die

unter Umständen für französisches Gold käuflichen Wahlfiirsten

 waren weite Kreise des deutschen Volkes, und beson-13


            
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