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Full text : Alte und Moderne Kunst III (1958 / Heft 11)

DIE VERBINDUNG ZWISCHEN SPANIEN UND ÖSTERREICH

Von ADAM WANDRUSZKA

Die erste Begegnung zwischen den österreichischen Erbländcrn

und den neuen, durch eine Reihe plötzlicher und nicht vorauszusehender

 Todesfälle den Habsburgern zugefallcnen spanischen

Reichen stand im Zeichen von Haß und Blut. Der jüngere Bruder

 Karls V., der in Spanien erzogene Ferdinand, der in den

Teilungsverträgen von Worms (1521) und Brüssel (1522) die

fünf österreichischen Herzogliimer (Österreich ober und unter

der Enns, Steiermark, Kärnten und Krain) und dann auch noch

Tirol und die Vorlande erhalten hatte, mußte seine Herrschaft

in Österreich im Kampf gegen das nach dem Ableben seines

Großvaters Maximilian (1519) errichtete ständische Regiment

durchsetzen. Das Wiener Neustädter Blutgericht vom 9. und

11. August 1522, bei dem acht Führer der ständischen Bewegung,

darunter der Wiener Bürgermeister Martin Siehenbürger, auf

dem Schafott öffentlich hingerichtet wurden, und die Beschränkung

 der Ständemacht wie der städtischen Autonomie. vor allem

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Wiens, verstärkten den Haß gegen die mit Ferdinand ins Land

gekommenen spanischen Berater und l-löflinge, als deren Prototyp

 der Glücksritter Gabriel Salamanca gelten konnte. Es spricht

für die staatsmiinnische Begabung des in unserem Geschichtshild

 allzu sehr von der Gestalt Karls V. überschatteten Ferdinand,

 daß er im Laufe seiner langen Regierung diesen Gegensatz

 zwischen Regierendem und Regierten immer mehr auszugleichen

 vermochte; aber die Tatsache bleibt bestehen, daß er

aus Spanien die „moderneren" Vorstellungen und Praktiken der

Herrscher-macht nach Österreich verpflanzte und daß er damit,

nachdem ihm noch die Erwerbung der ungarischen und der

böhmischen Krone geglückt war, zum eigentlichen Ahnherrn

der habsburgischen Staatsbildung im Donauraum wurde. Im

Zusammenspiel mit den deutschen Reichsständen hat er die

Sukzessionspläne Karls V. für dessen Sohn Philipp II. durchkreuzt

 und damit die Teilung der erdumspannenden habsburgischen

 Hausmacht in eine spanische und eine österreichische

Linie begründet.

Die ständigen Verwandtenheiraten zwischen den beiden Linien

sowie der häufige längere Aufenthalt junger deutsch-habsburgischer

 Prinzen am Madrider Hofe bedingten einen mehr als ein

Jahrhundert währenden, höchst intensiven spanischen Einfluß

auf die österreichische Linie und die österreichischen Länder.

Philipp II., der durch mehr als vier Jahrzehnte (von 1556 bis

1598), also während fast der ganzen zweiten Hälfte des Jahrhunderts

 regierte, galt, zumal er zweifellos der mächtigste und

bedeutendste Fürst im damaligen Europa war, nach dem Tod

Ferdinands I. (1564) und erst recht natürlich, nachdem dessen

Sohn Maximilian II. (Philipps Vetter, Schwager und schließlicher

 Schwiegervater) im Jahre 1576 gestorben war, als die

unbestrittene oberste Autorität und das Haupt des Gesamthauses.

Das Verhältnis zwischen den beiden habsburgischen Linien

zeigte in der ganzen zweiten Hälfte des 16. und bis gegen die

Mitte des 17. Jahrhunderts eine eindeutige machtpolitische,

wirtschaftliche und militärische Überlegenheit der spanischen

über die deutsche Linie. Dieser Überlegenheit entsprach zugleich

 die kulturellc Vormachtstellung Spaniens im damaligen

Europa und besonders an den habsburgischen Höfen in Prag,

Wien, Graz und Innsbruck.

Starke kulturelle und geistige Einflüsse aus den romanischen

Ländern waren in Österreich ja schon in den spätmittelalterliehen

 Jahrhunderten zur Geltung gekommen; vor allem natürlich,

 entsprechend der geographischen Lage, aus Oberitalien.

aber auch aus Frankreich und selbst von der iberischen Halbinsel

 her. War doch schon die Gemahlin des unglücklichen

Friedrich des „Schönen", Elisabeth von Aragon, eine Spanierin

gewesen, die Leopolds III., Viridis Visconti, eine Italienerin,

vor allem aber die Gemahlin Friedrich III. und Mutter Maximilians,

 Leonora, die sich dann Helena nannte, eine portugiesische

 Prinzessin, wie andererseits auch Maximilians Schwiegervater,

 Karl der Kühne von Burgund, Sohn einer portugiesischen

Prinzessin gewesen war. Wichtiger noch als alle diese dynastischen

 Verbindungen aber wurde dann die starke kulturelle

Beziehung zur romanischen Welt, die im österreichischen Adel

(und zwar nicht nur in den katholischen, sondern dann auch in

den evangelischen Familien), im 16. und 17. Jahrhundert zur

Tradition gehörte. Das Studium an italienischen Universitäten,

die große „Kavalierstour" durch die romanische Welt, vor allem

durch Italien und Frankreich, brachten die jungen österreichischen

 Adeligen immer wieder in Kontakt mit den damals in ganz

Europa tonangebenden Spaniern und ergänzten die Beziehungen,

die sich durch die Anwesenheit so vieler Spanier an den habsburgischen

 Hofhaltungen in Österreich immer wieder ergaben.
            
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